Immobilien : Erst Häuslebauer, dann Rentner

Höhere Tilgung, flexible Raten: Was ältere Kreditnehmer bei der Baufinanzierung beachten sollten.

Beate Kaufmann
Alt werden im Eigenheim. Immer mehr Menschen jenseits der 50 entscheiden sich dafür, eine Immobilie zu kaufen oder gleich selbst zu bauen. Ihr Vorteil: Sie haben oft mehr Eigenkapital als Jüngere. Und sie können ihre Einnahmen ziemlich genau kalkulieren. Foto: dpa
Alt werden im Eigenheim. Immer mehr Menschen jenseits der 50 entscheiden sich dafür, eine Immobilie zu kaufen oder gleich selbst...Foto: dpa-tmn

Ältere Menschen gehören heute noch lange nicht zum alten Eisen. Sie sind aktiv, sportlich, bereisen die Welt. Und viele haben dazu ein ansehnliches Vermögen zur Verfügung. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beziffert das Vermögen, das der Generation „60plus“ zur Verfügung steht, auf 400 Milliarden Euro jährlich. Kein Wunder, dass sich die rüstigen Rentner noch so einiges vornehmen – zum Beispiel ein Haus zu kaufen. Doch wie soll die ältere Generation das am besten finanzieren? Und wie reagieren die Banken auf einen Kreditnehmer jenseits der 50 Jahre?

Julia Topar vom Bundesverband der deutschen Banken in Berlin sagt: „Es wird auf das Gesamtbild geachtet. Es geht nur um die Bonität des Kunden, wegen des Alters machen die Banken keine Abstriche.“ Auch Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart meint, dass es gar keinen so großen Unterschied zwischen einem 30-jährigen Kreditnehmer und einem 50-jährigen gibt. „Wichtig ist immer, dass die finanziellen Verpflichtungen dauerhaft tragbar sind.“ Das Alter muss kein Nachteil sein bei der Kreditvergabe. Im Gegenteil: Ältere Häuslebauer verfügen normalerweise über mehr Eigenkapital als die jüngeren. Sie müssen also nicht so viel teures Geld von der Bank leihen. Zudem ist ihre finanzielle Zukunft klarer. Einkommen, Rente, Lebensversicherung – alles Zahlungen, deren Höhe in diesem Alter ziemlich fest stehen und mit denen kalkuliert werden kann.

Dennoch gibt es Dinge, auf die ältere Menschen achten sollten, wenn sie eine Immobilie finanzieren. „Man sollte bei dem Kredit darauf achten, dass man bis zum Eintritt der Rente möglichst viel tilgt“, empfiehlt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. „Die üblichen ein oder zwei Prozent Tilgung im Jahr reichen bei älteren Immobilienkäufern nicht aus, eher sind fünf Prozent und mehr nötig.“ Das habe zum einen den Vorteil, dass der Kredit schneller abbezahlt werden könne, zum anderen belohnen einige Banken die höhere Tilgung mit niedrigen Zinsen. „Am besten ist es, wenn man zum Rentenbeginn seinen Kredit abbezahlt hat.“ Ist das nicht möglich, sollte der Kreditvertrag die Möglichkeit bieten, die Tilgung mit Rentenbeginn wieder zu reduzieren, beispielsweise auf ein Prozent des Anfangskredits. Wichtig sei auch eine lange Zinsbindung. Die sei zwar etwas teurer, aber damit könne man besser kalkulieren. „Die Rate sollte flexibel sein“, rät Sahr.

Dann könne man sie herabsetzen, wenn sich das Einkommen durch den Eintritt ins Rentenalter ändere. Ein weiterer Punkt, auf den der Immobilienkäufer im fortgeschrittenen Alter achten sollte, sind die Zahlungen, die er eventuell erwartet. Sind zum Beispiel in sieben Jahren 100 000 Euro aus der Lebensversicherung fällig, rät Sahr zu einem separaten Darlehen. „Mit dem Geld der Lebensversicherung kann man den Kredit ablösen. Da die Zinsen nur wenige Jahre festgeschrieben werden müssen, sinken die Kosten. Die Finanzierung wird billiger.“ Die zweite Möglichkeit, größere Einmalzahlungen mit in den Kredit einzukalkulieren, sind Sonderzahlungen. Doch nicht immer erlaubt die Bank in dem Kreditvertrag solche Zahlungen außer der Reihe.

Wer vor einer Immobilienfinanzierung steht, muss sich in das Thema einarbeiten, um ein gutes Angebot zu bekommen. Er muss die Konditionen der Banken vergleichen und er sollte sich Rat holen. Zum Beispiel bei einer seriösen Vermittlungsgesellschaft. Diese arbeiten mit vielen Banken zusammen und können das günstigste Angebot heraussuchen.

Allerdings muss man bei einer solchen Beratung auf ein paar Punkte achten, da der Vermittler auch ein Eigeninteresse am Verkauf des Kreditvertrags hat – nämlich seine Provision. Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg rät: Der Kreditvermittler sollte auf die Bedürfnisse des Kreditsuchenden eingehen, er sollte nicht versuchen, noch ein anderes Produkt zu verkaufen, das der Kunde nicht haben will, zum Beispiel ein Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung. „Zudem sollten die Zinsen schon etwa in der Höhe sein, mit der die Vermittlungsgesellschaft auch wirbt“, sagt Scobel. Im Zweifel sollten sich Kunden vor der Unterschrift unter den Kreditvertrag von unabhängiger Seite beraten lassen. (dpa)

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