Immobilien : Erst prüfen, dann zustimmen

Darf jeder Wohnungseigentümer in die Unterlagen des Verwalters Einsicht nehmen?

WAS STEHT INS HAUS?

Unser Wohnungseigentumsverwalter hat in den vergangenen Jahren teilweise Abrechnungen vorgelegt, die ich nicht verstanden habe und deren Ansätze ich nicht unmittelbar nachvollziehen konnte. Ich bin jetzt nicht mehr ohne Weiteres bereit, die Abrechnung in der Eigentümerversammlung nochmals einfach „durchzuwinken“. Ich möchte mich vielmehr dieses Mal bereits vor der Versammlung mit den der Abrechnung zugrunde liegenden Unterlagen beschäftigen. Ich frage mich daher, ob ich berechtigt bin, in die entsprechenden Unterlagen Einsicht zu nehmen und diese zu prüfen.

WAS STEHT IM GESETZ?

Jeder Wohnungseigentümer ist berechtigt, sich sämtliche Verwaltungsunterlagen anzusehen und Aussagen des Verwalters oder Ansätze des Wirtschaftsplans oder der Jahresabrechnung anhand der Rechnungen oder anderer Belege zu prüfen. Solche wenigstens stichprobenartigen Prüfungen sollen zwar vor allem die Mitglieder des Verwaltungsbeirats machen. Diese sind sogar von Gesetzes wegen aufgerufen, die Unterlagen zu prüfen. Diese Aufgabenzuweisung ändert aber nichts daran, dass ein Wohnungseigentümer Prüfungen auch selbst unternehmen darf. Dieses Recht besteht trotz eines Verwaltungsbeirats. Ein interessierter Wohnungseigentümer sollte in der Regel vor einer Prüfung mit der Verwaltung Kontakt aufnehmen. Dann kann die Verwaltung gewünschte Unterlagen gegebenenfalls bereits heraussuchen. Jedenfalls ist nur auf diese Weise gesichert, dass Einsichtsrechte angemessen wahrgenommen werden können. In manchen Wohnungseigentumsanlagen wird etwa die Beschlusssammlung nämlich nur elektronisch geführt. Für eine Einsichtnahme muss dann ein Bildschirmplatz vorbereitet oder die Beschlusssammlung muss ausgedruckt werden. Einen Anspruch darauf, die Verwaltungsunterlagen stattdessen übersandt zu bekommen, hat ein Wohnungseigentümer nicht. Auch ein Anspruch auf die Übersendung von Kopien besteht grundsätzlich nicht. Etwas anderes gilt dann, wenn die Verwaltung ihren Sitz weit entfernt von der Wohnungseigentumsanlage hat.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Es ist überraschend, dass viele Wohnungseigentümer über ihre eigene Anlage häufig nicht ausreichend informiert sind, Verträge mit Dritten nicht kennen und auch noch nie einen Beleg selbst geprüft haben. Dieses Nichthinsehen paart sich zum Teil noch mit der Abwesenheit auf der Eigentümerversammlung. Umso größer ist dann die Überraschung, wenn ein Verwalter viele kleine oder große Fehler gemacht hat. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig und richtig, dass ein Wohnungseigentümer die ihm zustehenden Informationsrechte wahrnimmt und dem Verwalter im Einzelfall über die Schulter schaut. Kein professionell handelnder Verwalter wird gegen eine angemessen gehandhabte und gut vorbereitete Einsichtnahme der Eigentümer Einwände haben können. Erweist sich alles als richtig, stärkt das sogar das Vertrauen in die Verwaltung.

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