Immobilien : Es sind nicht immer nur Schnäppchen Was zu beachten ist bei Zwangsversteigerungen

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Der Trend zur Schnäppchenjagd macht auch vor Immobilien nicht Halt. Viele Eigentümer in spe versuchen bei Zwangsversteigerungen ihr Glück. Dabei stehen die Chancen, auf diese Weise viel Geld zu sparen, nicht schlecht – denn es kommen immer öfter Immobilien unter dem Hammer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Versteigerungen von Immobilien von knapp 70000 im Jahr 1999 auf 87190 in 2003 gestiegen. Um böse Überraschungen beim Kauf zu vermeiden, sollten jedoch einige Regeln beachtet werden.

Regel Nummer eins lautet, sich gründlich zu informieren, sagt Matthias Scherer, Direktor des Amtsgerichts Mainz: „Immobilien kosten eine ganze Menge Geld, da ist es angebracht, vorsichtig an die Sache ranzugehen.“ Daher sollte sich der potenzielle Käufer genau überlegen, wie viel ihm die Immobilie maximal Wert ist. Um das zu beurteilen, rät Scherer „unbedingt zu einer Besichtigung“. Doch das ist nicht immer einfach, denn der aktuelle Mieter ist nicht dazu verpflichtet, diese zuzulassen.

Umso wichtiger ist in so einem Fall das Verkehrsgutachten. „Hier wird unter Umständen etwas zu Baumängeln gesagt“, erklärt Scherer. Eine Garantie gibt es hierfür jedoch nicht, weil der alte Eigentümer einen Sachverständigen nicht zwingend heranziehen muss. „Dann heißt es „nach Augenschein“, sagt Scherer. Um die Informationslücken auszufüllen, bewerten Gutachter die Immobilie häufig mit einem günstigeren Preis. Dennoch raten Experten dringend davon ab, ohne Besichtigung zu kaufen. Sinnvoll ist auch, sich vorher mit der Gläubigerbank in Verbindung zu setzen. „Denn die bestimmt den Preis“, erklärt André Franell, Geschäftsführer der gleichnamigen Consultingfirma in Berlin.

Beachten sollten potenzielle Käufer auch die formelle Seite einer Versteigerung. Einen Personalausweis und genügend Geld sollte der Käufer unbedingt in der Tasche haben, bevor er zu einer Versteigerung geht. „Interessenten müssen in jedem Fall zehn Prozent des Verkehrswertes mitnehmen – in bar oder Scheckform“, sagt Franell. Wieviel das ist, geht aus dem Verkehrsgutachten hervor. „Viele nehmen nur zehn Prozent von dem, was sie selber zahlen wollen. Das reicht jedoch nicht aus“, sagt er.

Einen Verkauf im klassischen Sinne gibt es bei Zwangsversteigerungen nicht. Vielmehr handelt es sich um einen Rechtsakt. Der Erwerber wird am Tag des Zuschlags als neuer Eigentümer eingetragen. „Wie solvent der Käufer ist, wird dabei nicht überprüft“, sagt Franell. Der Bieter sollte aber vorher mit seiner Bank klären, wie viel Geld er für den Hauskauf bekommen kann, da die „vorgestreckten zehn Prozent sonst weg sein könnten“, warnt der Immobilienexperte.

Schwierig kann es werden, wenn der ehemalige Hausherr noch nicht ausgezogen ist und „man die Immobilie selber nutzen oder anderweitig vermieten möchte“, sagt Anke Ramsch. Andererseits ist eine Versteigerung auch für den Alteigentümer eine gute Chance, bei entsprechend hohem Preis und regem Interesse, einen größeren Teil seiner Schulden zu begleichen. Der Käufer wiederum hat die Chance, einen immer noch deutlich niedrigeren Preis als auf dem regulären Markt zu zahlen – und damit Geld zu sparen. dpa/gms

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