Immobilien : Exotische Kaktusblüten

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Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Unsere heutige Pflanze der Woche, ein Kandelaberkaktus aus Peru (Hertlings Browningie), steht im „Kakteenhaus" (Haus I, sukkulenten Pflanzen der Neuen Welt). Sie benötigte immerhin rund 45 Jahre vom Samenkorn bis zur ersten Blüte, die hier schon vor einigen Jahren zu beobachten war. Die Blüten erscheinen nun regelmäßig im Spätsommer hoch oben an der inzwischen etwa fünf Meter hohen, immer noch unverzweigten Pflanze. Die fast schwarzen Knospen und außen großschuppigen, dick röhrenförmigen Blüten bilden einen starken Farbkontrast zu den bläulich-weiß bereiften Trieben und honiggelben Dornenbüscheln.

Die Blüten öffnen sich nachts, denn ihre Besucher und Bestäuber sind in der Natur Blumenfledermäuse, die den reichlich vorhandenen Nektar trinken. Am frühen Morgen kann man noch erkennen, dass die inneren Blütenblätter und die Röhre innen weiß sind. Derzeit ist noch nicht mit einem Fruchtansatz zu rechnen, denn dazu wäre bei dieser Art eine Kreuzbestäubung mit Blüten einer zweiten Pflanze notwendig. Die zweite, etwas kleinere Pflanze hat noch nicht geblüht. Eine allgemeine Aussage über den ersten Blühzeitpunkt ist bei vielen Kakteen kaum möglich. Oft vergehen aber Jahrzehnte.

Obwohl es bisher für die meisten großen Kandelaberkakteen in der Natur keine genauen Altersangaben gibt, dürfte aus dem Vergleich mit den ältesten Pflanzen in Kultur und mit bekannten Datierungen von Saguaro-Kandelaberkakteen in Arizona ein Alter der größten Exemplare von bis zu mehreren hundert Jahren abzuleiten sein. Wegen der sehr großen, durch äußere Einflüsse wie Wasser- und Nährstoffzufuhr bedingten Größenunterschiede bei gleichem Alter sind Schätzungen anhand der Größe allein nicht zuverlässig.

Die Geschichte dieser Kakteenart ist nicht untypisch für die bei vielen Kakteen verworrene oder umstrittene nsgebung und Klassifikation. Für Kakteenfreunde wie für Botaniker zuweilen ein Albtraum.

Von einer Reise ins Mantaro-Tal im Landesinneren von Peru übermittelte der Sammler Hertling Bilder und Beobachtungen über einen großen, bis acht Meter hohen Kandelaberkaktus an seinen Auftraggeber, den deutschen Kakteensammler und -publizisten Curt Backeberg. Dieser beschrieb ihn 1937 dem Sammler zu Ehren als Clistanthocereus hertlingianus. Um 1949 publizierten die nordamerikanischen Sammler Akers und Johnson eine im gleichen Tal gefundene Pflanze als Azureocereus nobilis.

Nach Korrekturen in der zuerst genannten Beschreibung und einer notwendigen Umkombination folgte dann eine Zuordnung zu einer anderen, schon früher beschriebenen Gattung. Nach dreimaligem Namenswechsel heißt die Art deshalb heute Browningia hertlingiana. Unsere größten Exemplare stammen wahrscheinlich aus Samen, gesammelt von Friedrich Ritter in den Jahren 1954 bis 1956. Beat Ernst Leuenberger

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