Immobilien : "Falsche Bild vom Architekten"

RALF SCHÖNBALL

Für Architekten gibt es ein halbes Dutzend Verbände.Keinem von denen gehören Pit Odenthal und Claus Reichardt an, sie formieren sich aber mit anderen zur "Interessengemeinschaft Verbandsungebundener Architekten (IVAB)" um aktuelle Themen aufzugreifen.Am kommenden Donnerstag um 19 Uhr im Bauhausarchiv lautet das Thema: "Wie können Architekten werben".Mit den Veranstaltern sprach Ralf Schönball.

TAGESSPIEGEL: Wie läßt sich Architektur werblich verkaufen, mit kessen Sprüchen?

ODENTHAL: Wer nicht wirbt stirbt.(lacht).Nein wir wollen natürlich nicht, daß sich Architekten marktschreierisch anpreisen.Wie die anderen freien Berufe müssen wir uns zunächst durch gute Arbeit empfehlen, dann durch Gespräche und durch Empfehlungen zufriedener Kunden.Andererseits werben andere schon heute, etwa in dieser Zeitung.Wenn eine Rechtsanwaltskanzlei in Anzeigen auf die neue Adresse hinweisen, dann ist das nichts anderes als Werbung.

REICHARDT: Auch in der Rechtssprechung hat sich einiges geändert.Sie ist weniger restriktiv und erlaubt freien Berufen nach jüngsten Urteilen ihre Dienstleistung anzupreisen.Die Anwälte haben dies für ihre Berufsgilde durchgesetzt.Nun greifen wir mit unserer Initiative den Ball auf.Ärzte und Steuerberater werden vielleicht bald folgen.

TAGESSPIEGEL: Warum engagieren Sie sich in keinem Berufsverband?

ODENTHAL: Weil wir die Arbeit an konkreten Themen und Problemstellungen vorziehen.Institutionen sind oft zu träge, um aktuell zu reagieren.Wir sind zwar in der Architektenkammer, weil die Berufsbezeichnung geschützt ist und die Mitgliedschaft Pflicht ist, wenn man sie nutzen will.Doch obwohl wir uns in der Kammer auch an den Ausschüssen zum Planen und Bauen sowie zum Sachverständigenwesen beteiligen, blendet die Kammer zu viele Themen aus.

REICHARDT: Außerdem trägt sie wie viele der Verbände ein unvollständiges Bild unseres Berufsstandes an die Öffentlichkeit.Für Kammerpräsident Cornelius Hertling ist der Architekt vor allem Künstler und dessen Themen sind Baukultur und Ästhetik.Natürlich gibt es die Architekturheroen wie Norman Foster oder Renzo Piano, und die haben auch ihre Öffentlichkeit und damit ihre Werbung.Was den meisten aber entgeht, ist, daß in deren Büros die jungen, kreativen Unbekannten sitzen.Diese sind auf der Höhe der Zeit und zeichnen manchen prämierten Entwurf des Meisters.In meinem Büro ist das auch nicht anders.Wenn aber die jungen Leute sich selbständig machen, dann wird es schwer für sie, weil sie keine Referenzen aufweisen können.Denn jeder Bauherr will sehen, was seinen Auftragnehmer für die Arbeit qualifiziert.

TAGESSPIEGEL: In diesem Punkt dürfte Werbung den Architekten auch nicht weiterhelfen...

ODENTHAL: Nein, aber kleinen Büros kann es helfen, wenn sie sich zusammentun in der Außendarstellung.Bisher beschränkt sich Werbung auf das Büroverzeichnis der Architektenkammer.Darin sind viele Architektenbüros vermerkt.Durch ein Stichwortverzeichnis können Auftraggeber gezielt Spezialisten aussuchen, etwa für Einfamilienhäuser oder für Altbausanierung.Jedes Büro stellt auf einer Seite Referenzprojekte vor.

TAGESSPIEGEL: Sie sagten, der Architekt als Künstler sei ein verqueres Bild.Was paßt eher zu ihm?

REICHARDT: Ähnlich wichtig wie der Entwurf sind kaufmännischen und technische Aufgaben sowie die Koordination der Projektbeteiligten, einschließlich Gebäudebewirtschaftung, was man heute als Facility Management verkauft, machen wir seit Jahren.Unser Büro hat vor 12 Jahren mit einer Wirtschaftlichkeitsanalyse von Altbauten angefangen, und es ist bekannt geworden durch einen Artikel im Grundeigentum und nicht in der Bauwelt.Heute haben wir 80 Mitarbeiter und 5000 Wohnungen saniert oder neu gebaut.

TAGESSPIEGEL: Das ist nun aber Schleichwerbung.Wäre nicht eher eine Arbeitsgruppe zur umstrittenen Honorarordnung gefragt, weil diese teures Bauen belohnt?

ODENTHAL: Das trifft nicht mehr zu.Bei einem Auftragsvolumen von über 50 Mill.DM war das Architektenhonorar noch nie abhängig von der Höhe der Bausumme.Bei kleineren Bauten hängt das Honorar zwar von der Kostenschätzung ab, doch oft vereinbaren die Baupartner eine Prämie, wenn der Architekt die Summe unterschreitet.

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