Immobilien : Farbenfroh durch den Winter

Wenn im Herbst die Gartenfarben verblassen, kommt die Zeit der blühenden Heidekraut-Züchtungen

Helga Daberkow

Johann Heinrich Campe, Pädagoge und Hauslehrer der Familie Humboldt im 18. Jahrhundert, bezeichnete sie als „gräulichen Anblick“. Heidelandschaft bedeutete für ihn – gemäß dem mittelhochdeutschen Wort „heida“ – unbebautes, wild grünendes Land und war ihm ein Dorn im Auge. Ende des 19. Jahrhunderts begannen dann Künstler und Literaten, der zuvor geschmähten Heidelandschaft Positives abzugewinnen und verklärten sie zum Sinnbild von bäuerlicher Schlichtheit, Ruhe und Romantik. Nach und nach kamen auch Gartenbesitzer auf den Geschmack und holten sich das Heidekraut auf ihre Grundstücke.

Wie immer, wenn eine Pflanze in das Blickfeld rückt, beginnt die Suche nach Exemplaren, die intensiver leuchten oder zarter getönt sind als die anderen. Wie erfolgreich frühe Bemühungen waren, zeigen bis heute beliebte Sorten wie die lilarosafarbene ,County Wicklow‘ aus dem Jahr 1920 oder die hellrosa ,H. E. Beale‘ von 1926. Insgesamt entstanden im Laufe der Jahrzehnte rund 1000 Sorten.

Im Jahre 1970 war der Traum von der immer blühenden Heide Realität: Bei richtiger Sortenwahl blüht die Besenheide von August bis Oktober. Mit der Winterheide (Erica carnea) lässt sich der Blütenflor von Dezember bis Mai fortsetzen. Die Grauheide (Erika cinerea) füllt die Lücke bis zur erneuten Blütezeit der Besenheide. Parallel dazu liefert Erica gracilis, die Topfheide, die intensivsten Farben. Sie ist zwar nicht winterhart, dafür bietet sie glühendes Purpur für Beet, Schale und Balkonkasten, wenn im Herbst die anderen Gartenfarben verblassen.

Etwas Besonderes kam um 1980 mit ,Marleen‘ auf den Markt: die erste Knospen blühende Calluna vulgaris-Sorte. Knospenblüher sind eine seltene Laune der Natur. Bei ihnen öffnen sich die Blüten nicht. Während normale Heideblüten kurz nach dem Bienenbesuch verblühen, können die Knospenblüher gar nicht befruchtet werden. So überziehen sie über Wochen, oft Monate die Zweige mit ihren Farben.

Die erste Beschreibung eines solchen Calluna-Exemplars stammt aus dem Jahr 1903, als in Brandenburg ein leuchtender Farbfleck in der sonst bereits braunen Heide gefunden wurde. Auf die noch etwas farbschwache ,Marleen‘ folgten rasch intensiver leuchtende Sorten. Heute sind ,Alexandra‘ mit ihren roten Knospen und ,Melanie‘ mit klarem Weiß über frisch grünem Laub die Spitzenreiter.

Strahlendes Weiß zeigt auch ,Alicia‘, während ,Amethyst‘ mit dem klassischen Purpurrosa der Besenheide erfreut. Das strahlendste Rot entwickelt ,Aphrodite‘. ,Sandy‘ ist die erste Sorte, die ihre weißen Knospen vor lebhaft gelbem Laub präsentiert.

All diese Sorten wirken von September bis November, oft sogar noch im Dezember farbstark. Selbst Frost bis minus zehn Grad zerstört die Knospen nicht. Im März und April sollten die Sträucher dann gestutzt werden, damit sie verjüngt und blühwillig in die nächste Saison starten können. dpa / Tsp

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