Immobilien : Farbenfrohe Kletterkünstler

Auch als kultivierte Wildarten haben Clematis üppige Blüten und kommen im Garten gut zur Geltung

Tassilo Wengel

Clematis-Arten, auch Waldreben genannt, gehören mit ihren leuchtenden Blüten zu den attraktivsten Kletterpflanzen. Bei hiesigen Gärtnern beliebt sind vor allem die zahlreichen großblumigen Hybriden. Mit diesen speziellen Züchtungen können die Wildarten weder in Größe noch Farbenpracht konkurrieren. Dennoch auch unter den kultivierten Wildarten findet man höchst attraktive Vertreter. Ihre besonderen Merkmale sind eine üppige Blüte und die geringe Anfälligkeit gegenüber Krankheiten, wie zum Beispiel der gefürchteten Clematiswelke. Außerdem lässt sich bei entsprechender Auswahl der Pflanzen die Blütezeit verlängern, denn einige Clematis-Arten schmücken sich im Spätsommer oder Herbst mit dekorativen weißen oder silbrigen Fruchtständen.

Die bekannteste Art ist wohl die Berg-Waldrebe (Clematis montana). Sie stammt aus den Gebirgsregionen des Himalaja in Mittel- und Westchina. Mit ihrem starken Wuchs klettert sie bis in acht Meter Höhe, lässt sich aber im Garten durch Rückschnitt leicht im Zaum halten. Im Mai ist die Berg-Waldrebe dicht mit zwei bis fünf Zentimeter breiten, weißen Blüten bedeckt. Rosarote, bis sechs Zentimeter breite Blüten bringt die Varietät Clematis montana var. Rubens hervor. Die gleiche Blütenfarbe zeigt auch die Sorte Tetrarosa. Sie entfaltet ihre Pracht ebenfalls im Mai. Die bronzefarbenen Blätter sind ein weiteres Schmuckelement.

Etwa zur gleichen Zeit leuchten die blauen Blüten der Alpen-Waldrebe (Clematis alpina). Sie ist von den Pyrenäen über die Alpen bis zu den Karpaten und dem nördlichen Balkan verbreitet. Dünne, etwa zwei Meter lange Triebe klettern dort an Bäumen emport oder schlängeln sich um Krummholzkiefern. Die glockenförmigen Blüten stehen einzeln auf langen Stängeln, die in den Blattachseln erscheinen. Neben der Art sind auch einige Sorten in Kultur, von denen Francis Rivis mit großen tiefblauen Blüten besonders häufig angeboten wird.

Aus den Bergen der Mongolei

Wegen ihrer leuchtend gelben Blütenfarbe und ihrer Nachblüte im Frühherbst wird die Mongolische Waldrebe (Clematis tangutica) sehr geschätzt. Sie wächst nicht nur in den Bergregionen der Mongolei, sondern auch in Nordwestchina. Das Gehölz kann eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichen. Von Juni bis August erscheinen die aufrecht stehenden breit-glockigen Blüten an langen Stängeln. Ab September schmücken die Pflanze prachtvolle, silbrig-fedrige Fruchtstände. Danach erscheint eine reiche Nachblüte.

Eine ebenfalls gelb blühende Art ist die Orientalische Waldrebe (Clematis orientalis). Sie stammt aus Südrussland und der Ukraine und kann drei bis vier Meter hoch klettern. Die glockigen Blüten öffnen sich von August bis September. Kleine, dunkelbraune Nüsschen, die wollig behaart sind, folgen der Blüte.

Seit Jahrhunderten ist die Italienische Waldrebe (Clematis viticella) in Mitteleuropa in Kultur. Sie wurde bereits 1597 in zwei Farbnuancen beschrieben. Verbreitet ist diese zierliche, bis vier Meter hoch wachsende Pflanze von Südeuropa bis nach Kleinasien. Ihre Blütezeit ist August bis September. Die eiförmigen Blütenblätter sind purpurrosa bis violett gefärbt und anfangs glockenförmig, später flach ausgebreitet. Neben der Art gibt es sehr reizvolle kleinblütige Sorten, die Blüten mit vier oder sechs Blütenblättern tragen. Einige schöne Beispiele sind Alba Luxurians (weiß), Etoile Violett (dunkelviolett), Minuett (weiß, Blütenblattränder dunkelrosa), Kermesina (rot), Purpurea Plena (warmlila, gefüllt) und Rubra (warmes Rot).

Hoch hinaus zieht es die Rispenblütige Waldrebe (Clematis terniflora), die in Korea und China zu Hause ist. Sie wächst bis zu neun Metern hoch und entfaltet von September bis Oktober ihre weißen, etwas streng riechenden Blüten.

Umschlungene Bäume

Die wichtigste Voraussetzung für eine optimale Entwicklung der Pflanzen ist ein durchlässiger, nährstoffreicher und humushaltiger Boden, der leicht sauer bis alkalisch sein darf. Außerdem ist eine ausreichende Bodenfeuchte nötig, ohne dass Staunässe entsteht. Als Standort wählt man einen sonnigen bis halbschattigen Platz, der windgeschützt ist, wobei extreme Südlagen an Wänden nicht geeignet sind. Als Kletterhilfen können Mauern, Gerüste oder Zäune dienen. Aber auch an offenen Pavillons kommen sie ausgezeichnet zur Geltung. Pflanzt man Clematis an den Fuß von Bäumen, winden sie sich um die Stämme und dringen bald bis in die Krone vor, was ihrer natürlichen Wuchsart am nächsten kommt.

Das Pflanzloch, das etwa 35 Zentimeter lang, breit und tief sein sollte, wird höchstens einen halben Meter entfernt von der Kletterhilfe ausgehoben. Dem Aushub mischt man Komposterde, zwei Eimer Torfmull und zwei Handvoll Knochenmehl bei. Auf schweren Böden wie Lehm oder Ton wird etwas Sand hinzugefügt, auf sandigen Böden sollte dem Aushub außerdem etwas Lehm beigegeben werden, denn sehr trockene Böden behagen den Pflanzen nicht. Ein Teil der Mischung wird ins Loch gefüllt und die Pflanze eingesetzt. Waldreben sollten etwa eine Handbreit tiefer gepflanzt werden, als sie im Topf oder Container zuvor gestanden haben.

Waldreben lieben einen „kühlen Fuß“. Deshalb empfiehlt es sich, ein Zwerggehölz oder eine attraktive Staude vor die Clematis zu setzen, die dort als Schattenspender wirkt.

Eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen ist der Schnitt. Geschnitten wird knapp über einem Blattpaar. Der Zeitpunkt des Schneidens richtet sich nach der Hauptblütezeit. Frühjahrsblüher, wie die Berg-Waldrebe, lichtet man gegen Ende des Winters nur leicht aus, wobei die einjährigen Triebe möglichst erhalten bleiben müssen. An ihnen entwickeln sich die Blüten. Dagegen können die Sommer- und Herbstblüher im Frühjahr stark zurückgeschnitten werden. Sie treiben dann kräftig aus und blühen umso reicher.

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