Immobilien : Ferien am Wasser

Ferienhäuser im Umland von Berlin trotzen der Krise auf dem Immobilienmarkt. Und gute Objekte im Norden der Hauptstadt finden sogar Käufer unter zahlungskräftigen Wassersportlern aus der Hansestadt

Rita Gudermann

Die schmale Halbinsel, die den Mielitz- und den Teupitz-See voneinander trennt, ist gerade breit genug für die Seestraße und eine Reihe von Wassergrundstücken rechts und links. Wie Perlen auf einer Kette sind hier außergewöhnliche Häuser nebeneinander aufgereiht: eine leuchtend rosa Villa mit Toskana-Flair, ein Pseudofachwerkhäuschen, ein Holzhaus aus massiven Bohlen im Stil der Potsdamer ’Alexandrowka’, eine schmucklose, graue DDR-Datsche und ein Fertighaus der Firma HUF aus Glas und schwarzen Balken. Sogar ein rundes Haus lugt hinter großen Bäumen hervor.

Hier baut seit 100 Jahren jeder das, was ihm gefällt. Was in dem kleinen Örtchen Schwerin bei Teupitz, etwa eine Stunde südöstlich von Berlin aber nicht auf den ersten Blick zu sehen ist: Viele der großzügigen Häuser mit ihren üppigen Gartenanlagen sind gar nicht durchgängig bewohnt. Ulrich Springer vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte des Landes Brandenburg: „Das sind zum Teil Wochenendhäuser, aber so teuer und so komfortabel ausgestattet wie andernorts Einfamilienhäuser!“

Der Markt für erstklassige Wassergrundstücke und andere exklusive Ferienimmobilien verläuft nach anderen Gesetzen als der derzeit lahmende Immobilienmarkt. Für die richtig tollen Objekte werden noch immer Liebhaberpreise zwischen 150000 und 300000 Euro gezahlt. Alleinlage, Wasserblick, Bootsanlegeplatz und gehobene Ausstattung sind dann aber ein unbedingtes Muss.

In dem kleinen Ort Schwerin bei Teupitz mit seinen 32 Seen lässt es sich gut leben. Doch in dem 665-Seelen-Nest ist kaum so viel Geld verdienen, dass davon eine luxuriöse Villa zu bezahlen wäre. Gearbeitet wird in der Hauptstadt. Und so sieht man in vielen Einfahrten Autos mit Berliner Nummernschildern.

Jürgen Michael Schick, Vizepräsident vom Verband Deutscher Makler, glaubt jedoch nicht daran, dass Ferienimmobilien im Inland derzeit ein richtig großer Markt sind. Die teuren Luxusvillen für das Wochenende hält er für Einzelfälle. Dagegen seien bereits jetzt 500000 Deutsche stolze Besitzer einer Ferienimmobilie im Ausland. „Der Run auf den Süden ist ungebrochen, und wenn im Inland investiert wird, dann an Nord- oder Ostsee“, sagt Schick.

Und dennoch: Besonderes lockt die Berliner durchaus ins Umland. Zum Beispiel das „Hafendorf Rheinsberg“, etwa anderthalb Stunden nördlich der Hauptstadt, eine 134000 Quadratmeter große, ehemalige FDGB Ferienanlage. Hier entstehen 140 Ferienhäuser in Holztafelbauweise und mit Niedrigenergiestandard. Eine 56 Quadratmeter große Wohnung kostet 132000 Euro. Die ersten Häuser stehen; der Baufortschritt wird im Internet dokumentiert. Noch zeigt das Luftbild zwar eine graue Baustelle. Doch schon bald sollen um das Hafenbecken herum schmucke ’Ufer-Reihenhäuser’ und ’Inseldoppelhaushälften’ stehen.

Vor dem Haus, das inklusive Grundstück verkauft wird, wird sich der obligatorische PKW-Stellplatz finden. Und geht man durch das Haus hindurch, schwimmt hinter der Terrasse das Boot – am eigenen Steg. „Das sind alles Bootsfahrer hier“, sagt Carsten Heinrich von der Berliner Volksbank, die das Objekt vertreibt. „Und die Boote sind zum Teil teurer als die Häuser!“ Denn das Ferienobjekt hat eine ganz besondere Lage: Direkt an der Südspitze der Mecklenburger Seenplatte gelegen, ist das Hafendorf an das Bundeswasserstraßennetz angeschlossen. Von Rheinsberg gelangt man also mit dem Boot nach Berlin, Köln oder zur Ostsee. Heinrich ist zufrieden: „Es läuft gut, wir haben fünf Notartermine pro Monat, 80 Häuser sind verkauft.“

Dieser Erfolg wäre mit den eher seltenen kapitalstarken Käufer aus der Hauptstadt nicht mögich gewesen. Weil Rheinsberg aber auch von Hamburg in nur zwei Stunden zu erreichen ist, stammt ein Viertel der Käufer aus der Hansestadt. Ein weiteres Viertel bilden Bootsenthusiasten aus der Region Braunschweig-Hannover, die Mecklenburg-Vorpommern als Alternative zum Bootsstandort Holland entdeckt haben. Die restlichen 25 Prozent kommen aus Brandenburg, Sachsen, Stuttgart und München.

Ähnlich begehrt ist unter Käufern von Ferienhäusern unverändert die „Badeswanne von Berlin“, die Ostsee. Die Maklerin Kathrin Lange von Engel&Völkers, sagt: „Auf Rügen gehen Baugrundstücke derzeit am besten, aber nur in Alleinlage oder mit Wasserblick.“ Auch Villen am Wasser mit eigener Uferzone gebe es noch. „Für solche Bonbons werden emotionale Preise gezahlt, ein bis zwei Millionen Euro.“ Dafür gibt es mehrere Hektar große Ländereien und alte Parkbäume dazu. „Die Kunden sind zwischen 40 und 50, eine ganz spezielle Klientel – Prominenz, Adel oder auch Industrielle.“ Unter ihnen sind der ehemalige Chef des Reclam-Verlags, Hans Marquardt, der als „Muck“ bekannte Sänger Hartmut-Schulze Gerlach und der frühere Bob-Sportler Meinard Nehmer.

Für den Altersruhesitz wird dagegen eher die Komfortwohnung mit Fahrstuhl gewählt, Meeresblick inklusive. Junge Familien gehören eher selten zur Klientel von Kathrin Lange. Das Gros der Kunden ist 35 Jahre oder älter. Viele Vorruheständler ab 50 sind dabei. Aber auch Freiberufler sowie Künstler, die im Freien arbeiten wollen. Sogar Eigentumswohnungen, die eine Zeitlang nur noch schleppend verkauft wurden, gehen nach Angaben der Maklerin seit einigen Wochen wieder recht gut. Besonders im Mönchgut an der Strandpromenade. Die Preise für Eigentumswohnungen liegen auf Rügen bei 1800 Euro pro Quadratmeter für einfache Lagen, bis zu 2500 Euro für mittlere, bis zu 3000 Euro für gehobene Lagen. In Einzelfällen zahlen Käufer auch schon mal 5000 Euro pro Quadratmeter. Da ist dann jedoch der direkte Meerblick oder die Strandpromenade ein Muss. Selbstverständlich sind dann aber auch: ein guter Grundriss eine gehobene Ausstattung mit Kamin und eine großzügige Verglasung.

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