Fertigbau : Einzeller für Singles

New York setzt im Kampf gegen die Wohnungsnot Miniapartments aus dem Fertigbau ein. Mittlerweile leben mehr als dreißig Prozent der New Yorker allein.

Brigitte Dusseau
Einzug im Herbst. Die 55 Apartments in Modular-Bauweise werden von der Fabrik Capsys Corp in Brooklyn zusammengesetzt. Sie sind in Größen von 24 bis 34 Quadratmeter zu haben und sollen in Manhattan aufgebaut werden.
Einzug im Herbst. Die 55 Apartments in Modular-Bauweise werden von der Fabrik Capsys Corp in Brooklyn zusammengesetzt. Sie sind in...Foto: AFP/Jewel Samad

Im Kampf gegen die Wohnungsnot testen die New Yorker Behörden nun Apartments mit 24 bis 34 Quadratmetern Wohnfläche – der Bau von derart kleinen Wohneinheiten war in der US-Metropole bislang verboten. In einem ersten Wohnblock, der gerade in Manhattan entsteht, sollen im Herbst die ersten Mieter einziehen.

Gedacht ist das Pilotprojekt „My Micro NY“ für die steigenden Zahlen von Singles und Neuankömmlingen. Laut offizieller Statistik leben mittlerweile mehr als dreißig Prozent der New Yorker allein. „Die typische Kleinfamilie mit zwei Eltern und zwei Kindern gibt es nicht mehr so wie früher“, sagt der Projektentwickler Tobias Oriwol, der bei der Baufirma Monadnock Development arbeitet.

Angeboten würden aber immer noch viele Wohnungen mit zwei bis drei Schlafzimmern, „die den Bedürfnissen der neuen Haushalte in der Stadt nicht mehr gerecht werden“. Am Navy Yard in Brooklyn setzen Arbeiter die 55 Miniwohnungen gerade aus Fertigbauteilen zusammen. Mit Lastwagen sollen sie dann auf die Baustelle in Manhattan gebracht und montiert werden. Dann fehlen nur noch das Dach, die Fassade und letzte Feinarbeiten.

Ausgestattet sind alle Apartments mit Single-Küchen, Duschbädern und einem Abstellraum. In jeder Küche gibt es zwei Kochplatten, eine Mikrowelle, einen Mini-Kühlschrank und eine Mini-Spülmaschine – aber keinen klassischen Herd. Seine Firma habe viel Aufwand betrieben, um herauszufinden, „was die Leute wollen“, sagte Oriwol. Zusätzlichen Stauraum sollen die Bewohner dazumieten können, außerdem können sie eine große Gemeinschaftsküche, einen Fernsehraum, eine Waschküche, einen Fahrradschuppen und ein Fitnessstudio nutzen.

Der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg lobte das Projekt

Für das Pilotprojekt wurde eine Vorschrift von 1987 außer Kraft gesetzt, wonach Wohnungen in Neubauten in New York mindestens 37 Quadratmeter groß sein müssen. Diese Regelung, die ursprünglich Familien helfen sollte, werde den heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht, sagt Sarah Watson vom Citizens Housing Planning Council, der sich mit der Wohnungsnot in New York beschäftigt.

Für die vielen Ein-Personen-Haushalte gebe es nur wenig gut geschnittene Wohnungen und die Preise seien völlig überhöht. Bei „My Micro NY“ werden 22 der Mini-Wohnungen als Sozialwohnungen vermietet, die 33 anderen zum marktüblichen Preis. Weil die Wohnungen kleiner sind, sollen sie aber günstiger sein als andere Ein-Zimmer-Apartments in der Umgebung, für die rund 3200 Dollar (rund 2800 Euro) fällig werden.

Michael Bloomberg, New Yorks Bürgermeister von 2002 bis 2013 lobte das Projekt in den höchsten Tönen: „Modulare Konstruktion ist schneller, billiger, erlaubt einen hohen Qualitätsstandard und vermindert Abfälle und entlastet durch geringeren Lkw-Verkehr die Verkehrswege. Es ist auch für die Bauarbeiter sicherer, da die Fertigstellung in einer kontrollierten Umgebung stattfindet.“

Die Idee für Wohnungen in Modulbauweise ist nicht neu. In der früheren DDR wurden der Wohnungsnot nach dem zweiten Weltkrieg Plattenbauten entgegengesetzt. Durch vorgefertigte Betonelemente und vorinstallierte Bäder wurde so neuer Wohnraum rasch fertig.

(AFP/mit Tsp)

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