Immobilien : Finanzieren ist nicht gleich Finanzieren Baugeldverträge sollten auf die Lebenssituation zugeschnitten sein

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Wer jung ist und eine Immobilie finanzieren will, sollte einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Denn die Gefahr ist groß, dass eine unüberlegte Verschuldung den ganzen Lebensplan auf den Kopf stellt - und das Wohneigentum unter den Hammer kommt.

Einen Immobilienerwerb planen junge Paare häufig, wenn sie beide sicher in Lohn und Brot stehen, aber noch keine Kinder haben. Planen sie Nachwuchs ein, dann sollte sich daran auch die Finanzierung ausrichten. Und zwar bereits lange bevor der Haushalt auf drei Köpfe anwächst. Sie sollten sich also ganz anders verhalten als Häuslebauer, die um die vierzig Jahre alt sind. Diese wollen spätestens bei Eintritt ins Rentenalter die Schulden fürs Wohneigentum getilgt haben.

Junge Familie sollten sich auch nicht vom Sicherheitsbedürfnis der Kredithäuser beeinflussen lassen. Banken drängen meist zu einer möglichst raschen Tilgung der Kredite und empfehlen jungen Doppelverdienern häufig, einen möglichst großen Teil ihrer Einnahmen zur Kreditrückzahlung einzusetzen. Die Banker gehen dabei meistens wie folgt vor: Sie bieten zwei Darlehen an. Den kleineren der beiden Kredite soll der junge Haushalt innerhalb von drei bis fünf Jahren komplett zurückzahlen. Dabei ist die finanzielle Belastung so hoch, dass vor Ablauf des ersten Kredits die monatlichen Raten nicht zu bezahlen sind, wenn einer der zwei Partner arbeitslos wird. Das ist nicht auszuschließen und schon deshalb ist von dieser Finanzierungsstrategie abzuraten.

Zu bevorzugen ist folgende Lösung: Das junge Paar schließt mit dem Kredithaus einen Darlehensvertrag ab. Die Raten sind so hoch, dass sie diese im Notfall auch mit einem Einkommen bezahlen können. Zugleich vereinbaren sie Sondertilgungen. Diese erlauben ihnen, Teile des Kredites auf einen Schlag zurückzuzahlen, wenn etwa eine Erbschaft anfällt.

Gewiss, der Abbau der Schulden dauert hier eine halbe Ewigkeit, oft 30 Jahre. Doch das sollte die Familie in Kauf nehmen. Denn: Verbessern sich die Einkommensverhältnisse, dann erhöht sie nach Ablauf der ersten Zinsbindungszeit die monatliche Kreditrückzahlung einfach. Dagegen ist der umgekehrte Weg, eine Senkung der Tilgungsrate in angedspannten Zeiten äußerst schwierig.

Die geringere monatliche Belastung sollte die Familie sodann dazu nutzen, ein kleines finanzielles Polster für die Zukunft anzulegen. Diese Reserve kann sie später dazu einsetzen, um den vorübergehenden Verdienstausfall bei einem Partner während der Babypause zu überbrücken. Max Herbst

Der Autor ist Finanzberater.

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