Finanzierungslücke : Möckernkiez noch ohne "Weißen Ritter"

Das Projekt der Wohungsbaugenossenschaft weiter auf der Kippe. Die Baurbeiten ruhen nun schon seit einem Jahr.

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Stillstand. Das Bauprojekt „Möckernkiez“ an der Yorck-/ Ecke Möckenstraße in Berlin-Kreuzberg.
Stillstand. Das Bauprojekt „Möckernkiez“ an der Yorck-/ Ecke Möckenstraße in Berlin-Kreuzberg.Foto: Thilo Rückeis

Die Genossenschaft Möckernkiez e. G. hat Meldungen dementiert, nach denen sie einen Millionär gefunden haben soll, der das in finanzielle Schieflage geratene Bauprojekt in Kreuzberg definitiv rettet. „Es gibt leider noch keine Erfolgsmeldung“, sagte Möckernkiez-Vorstand Frank Nitzsche auf Anfrage dieser Zeitung. Auch gebe es „keine Verkaufsverträge“ für Teilflächen oder einzelne Gebäude „solange die Gesamtfinanzierung nicht gegeben ist“.

Wie berichtet sollen auf einem drei Hektar großen Teil des ehemaligen Bahngeländes zwischen Möckernstraße und Yorckbrücken am Gleisdreieck-Park in Kreuzberg 464 Genossenschaftswohnungen entstehen – barrierefrei und mit hohen Ökostandards.

Anfang Oktober 2014 wurde eine Baustopp ausgesprochen, weil die Finanzierung nicht gesichert war. Seit Monaten bemüht sich die Genossenschaft, eine Finanzierungslücke beim Eigenkapital zu schließen, um Vorgaben der Banken gerecht zu werden. Inzwischen werden Teilverkäufe des Geländes nicht mehr ausgeschlossen. Von einem barrierefreien Hotelprojekt hat die Genossenschaft inzwischen Abstand genommen.

An zweiter Stelle im Grundbuch zu stehen, ist riskant

Nach Informationen des Tagesspiegels interessiert sich dafür – unter anderen – Felix Gädeke von der Gruppe Gädeke & Sons. „Wir haben mit denen gesprochen“, bestätigte Gädeke aus Anfrage. Die Genossenschaftler seien aber nicht nur mit ihm im Gespräch: „Wir haben Interesse uns einzubringen, aber wie und was überhaupt – das kann man noch nicht sagen.“

Bei der Genossenschaft Möckernkiez sei „Einiges im Umbruch“. Die Berliner Immobilienunternehmer Gädeke & Sons haben unter anderem das Studentenwohnhaus „The Fizz Berlin“ realisiert – gemeinsam mit der International Campus AG. Das Bauprojekt war ein von beiden Unternehmen hälftig getragenes Joint Venture mit 212 Apartments in zentraler Lage in Mitte.

Nach Nitzsches Angaben sei es unmöglich für die Genossenschaft Möckernkiez Geld in einer Größenordnung von rund zehn Millionen Euro über Community-Plattformen respektive Crowdfunding zu mobilisieren. „Wir reden zwar mit einem Nachrang-Darlehensgeber, der an zweiter Stelle im Grundbuch steht, wenn er uns Geld gibt“, sagte Nitzsche. „Aber das ist natürlich ein bisschen riskanter als an erster Stelle zu stehen – und der will wissen, ob er sein Geld wiederkriegen kann.“

Der Senat schließt eine Bürgschaft des Landes aus

Menschen seien rar, die zu einer solchen Transaktion überhaupt finanziell in der Lage und dann zweitens auch noch willens seien. „Wir reden mit vielen Leuten“, sagte Nitzsche. Unterschrieben sei nichts.

Weil die Gesamtfinanzierung nicht gesichert ist, ruhen die Arbeiten an den Rohbauten seit rund einem Jahr. Eine Bürgschaft des Landes schließt die Senatsbauverwaltung bislang aus. Mit Blick auf die Errichtung des Tempodroms hieß es: „Berlin hat mit Bürgschaften in der Vergangenheit nicht immer gute Erfahrungen gemacht.“


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