Fischerinsel : Mitte stoppt Hochhausbau

Auf der historischen Keimzelle der Hauptstadt soll die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte kein Hochhaus bauen dürfen. Baustadtrat sieht bestehende Strukturen in Gefahr.

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Der geplante Neubau (Mitte) passt angeblich nicht in die Umgebung.
Der geplante Neubau (Mitte) passt angeblich nicht in die Umgebung.Foto: Promo

Weil sich das von der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) geplante 19-geschossige Hochhaus auf der Fischerinsel nicht in die Umgebung einfüge, hat das Bezirksamt Mitte jetzt einen Bauvorbescheid für das Projekt abgelehnt. Der zuständige Stadtrat Carsten Spallek begründete die Entscheidung auf Anfrage des Tagesspiegels mit den Worten: „Ein fremdes Bebauungselement zerstört die bestehenden Strukturen.“

Für die Beurteilung habe das Gebiet zwischen Gertraudenstraße, Mühlendamm, Spree und Spreekanal eine Rolle gespielt. Dieser Bereich werde geprägt, so Spallek, „durch die sieben- bis achtgeschossige Blockstruktur, die 21-geschossigen Wohnhochhäuser und ein- bis zweigeschossige Gebäude der Daseinsvorsorge“. Die einzelnen Typologien seien jeweils als Solitärgebäude ausgebildet und zögen sich zudem „restriktiv durch den gesamten Beurteilungsbereich“.

"Qualitätsvolle Mietwohnungen für breite Schichten"

Das geplante zusätzliche Wohnhochhaus mit seinen achtgeschossigen Blockrändern störe mit den unterschiedlichen Höhen den Strukturrhythmus und damit die Eigenart der Bebauung auf der Fischerinsel. Außerdem sei die geplante Gebäudetiefe der Randblöcke zu weit ausgelegt und damit nicht gebietstypisch.

Erst im September 2015 hatte die WBM die Pläne für einen 19-geschossigen Kopfbau an der Gertraudenstraße/Ecke Fischerinsel bekannt gemacht. 200 neue Wohnungen sollten entstehen, darunter „qualitätsvolle Mietwohnungen für breite Schichten der Bevölkerung“. Spezielle Angebote für Senioren waren ebenso vorgesehen wie auch Geschäfte im Erdgeschoss für die Nahversorgung und eine Tiefgarage mit bis zu 90 Stellplätzen.

Ein Hochhaus zu viel

Für das Projekt auf historischem Grund der alten Stadt Cölln hatte die WBM im Mai 2015 einen europaweiten Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Im September 2015 wurden die Berliner Büros DMSW Partnerschaft von Architekten und bbz Landschaftsarchitekten mit einem 1. Preis ausgezeichnet. In der Jury saßen auch Vertreter des Bezirksamts Mitte und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die WBM wollte die prämierten Pläne umgehend umsetzen. Sie freue sich über diesen „kühnen Entwurf“, hieß es.

Auf der Fischerinsel stehen bereits sechs Wohnhochhäuser aus den frühen 70er Jahren. Nun sollte ein siebentes hinzukommen. Die WBM stellte ihre Pläne in einen engen Zusammenhang zur erklärten Neubauoffensive des Berliner Senats.

Doch kam die geplante Verdichtung mit der Blockrandschließung hin zum Mühlendamm bei vielen Nachbarn nicht gut an. Ganz im Gegenteil: Wie berichtet protestierten Anwohner, Architekten und Stadthistoriker gegen einen Hochhausneubau auf dem Terrain des einstigen Cöllnischen Fischmarktes, einer Keimzelle der Großstadt Berlin. Unweit des geplanten Neubaus war im Jahr 2000 die Großgaststätte Ahornblatt abgerissen worden. Dort stehen jetzt das Novotel und ein Wohnblock.

Wie es am Mühlendamm nun weitergeht, ist unklar. Die WBM will den Ablehnungsbescheid zunächst prüfen. Eigentlich sollten jetzt archäologische Grabungen beginnen, bevor man im Frühjahr 2017 mit dem Ausheben der Baugrube anfangen wollte. Für den 58 Meter hohen Turmbau und den u-förmigen achtgeschossigen Sockelbau hatte das kommunale Unternehmen Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

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