Immobilien : Fuchs & Co. fühlen sich bei Menschen wohl Immer mehr Wildtiere erobern die Stadt

-

Es ist der Albtraum jedes Gärtners: Umgepflügte Beete, ausgerissene Wurzeln – die Wildschweine waren da. Auch Vertreter anderer Tierarten entdecken immer häufiger die Vorzüge der Stadt für sich: Parks, Friedhöfe, Industriebrachen und Stadtwälder dienen als Rückzugsgebiete für Füchse, Marder, Waschbären, Rehe oder Kaninchen. Uhus nisten sich im Kirchturm ein, Biber am Fluss. Für Hobbygärtner heißt es daher, Vorsorge zu treffen. Hausbesitzer müssen vor allem darauf achten, dass ihnen keine Marder „aufs Dach steigen“.

„Wildschweine können aus dem Stand einen Meter hoch springen. Ein Gartenzaun sollte daher mindestens 1,30 Meter hoch sein“, sagt Derk Ehlert, Jagdreferent des Landes Berlin. Auch sollte der stabile Zaun mindestens 40 Zentimeter tief in die Erde reichen, damit die Sauen ihn nicht aushebeln können. „Der Staat ersetzt keine Tierschäden, für die Sicherheit des Gartens ist jeder selbst verantwortlich.“ Derk Ehlert weiß, wovon er spricht: Berlin ist die „Wildschweinhauptstadt“ Deutschlands, rund 6000 der Schwarzkittel leben hier.

„Städte sind keine Betonwüsten mehr. Sie sind wertvolle Lebensräume geworden“, sagt Birgit Königs vom Naturschutzbund Deutschland. Auf dem Land dagegen gingen viele Kleinbiotope verloren. Gerade die intensive Landwirtschaft mit dem starken Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln treibe Tiere in die Städte. Denn Monokulturen verhindern Artenvielfalt. In einem grünen Wohngebiet geht es lebendiger zu.

Ein weiteres Plus menschlicher Siedlungen aus Wildtiersicht: Dort ist es wärmer als auf dem Land. Außerdem werden Tiere in der Stadt nicht gejagt. Das dürfte ein weiterer Grund für die wachsende Population von Fuchs & Co in der Nachbarschaft der Menschen sein. Nur bei kranken oder verletzten Tieren dürfen Jäger zur Waffe greifen. Kaninchen dürfen laut Ehlert allenfalls dann geschossen werden, wenn sie Wege oder Bahndämme mit ihren Bauten so unterhöhlt haben, dass Schäden drohen.

Rumort es pausenlos im Dachstuhl, stecken häufig Steinmarder oder Waschbären dahinter. „Es ist schwierig, Marder oder Waschbär aus dem Dach zu bekommen“, meint Birgit Königs. Gefangen werden dürfen sie nur mit Hilfe von Lebendfallen. Damit aus den putzigen Pelztieren keine Plagegeister werden, sollten Hausbesitzer möglichst jede Öffnung abriegeln. Offene Dachluken, lose Ziegel oder unbenutzte Schornsteine können beispielsweise Einstiege sein. Waschbären klettern allerdings auch an Dachrinnen hoch. Eine Metallmanschette um das Rohr schafft Abhilfe.

Viele Menschen füttern allzu unbedacht die oft zutraulichen Pelztiere. Doch auch bei Wildtieren gilt: Wer ihnen den Tisch deckt, lädt sie zum Bleiben ein. Offene Mülltonnen, weggeworfene Essensreste, freie Komposthaufen, Fallobst auf der Wiese oder Katzenfutter vor der Tür – Allesfresser wie Fuchs oder Wildschwein schlagen dankbar zu. Wer sich plötzlich einem Wildtier gegenüber sieht, muss – nach Ansicht von Experten – in aller Regel keine Angst haben und sollte möglichst Ruhe bewahren. Auffällig zutrauliche Tiere sollten aber der Polizei gemeldet werden. dpa/Tsp

Weiteres im Internet:

www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/wildtiere/index.shtml

0 Kommentare

Neuester Kommentar