Immobilien : Funktional und dekorativ

Mit dem Einsatz von viel Glas in der Architektur hat Licht- und Sonnenschutz immer Saison

Insa Lüdtke

Nach den langen und dunklen Wintermonaten wünschen sich wohl die meisten Menschen, dass uns die Sonne nun mit einer ebenso langen Periode an hellen Tagen entschädigt. Was Sonnenanbeter freut, kann neben der Schädigung der Haut und Blendung der Augen auch zum Aufheizen der Innenräume, Ausbleichen der Möbel und zu Verbrennungen an den Zimmerpflanzen führen.

Der zunehmende Einsatz von Glas in der modernen Architektur erfordert heute immer effektivere Sonnenschutzsysteme. „Sie sind jedoch nicht nur in der warmen Jahreszeit unverzichtbar, rund um das Jahr können Jalousien und Co. sogar die Energiekosten erheblich senken“, sagt Wolfgang Cossmann, Präsident des Bundesverbandes Rolladen und Sonnenschutz e. V. „Ein Rollladen macht eine Klimaanlage überflüssig, sorgt für Wärmeschutz im Winter und mindert die Gefahr von Einbrüchen. Außen liegende Maßnahmen sind am effektivsten.“ Sie funktionieren in erster Linie über Absorption, innen liegender Sonnenschutz überwiegend über Reflexion. Eine weit verbreitete Fehlmeinung ist die Annahme, dass die Sonnenstrahlung größtenteils als Wärmestrahlung auftritt. Lediglich zehn bis 15 Prozent der von der Sonne auf der Erde eintreffenden Strahlung bestehen aus kurzwelliger (Wärme-)Strahlung. Die fühlbare Wärme entsteht erst durch einen Absorptionsvorgang auf den der Sonnenstrahlung ausgesetzten Körpern beziehungsweise Gegenständen. Systeme, die von außen die Fensteröffnung oder die Fassade verschatten, können rund 75 Prozent der einfallenden Wärme abfangen. Wenn die langwelligen Wärmestrahlen aus dem Innenraum nicht mehr durch die Fensterscheibe nach außen entweichen können („Treibhauseffekt“), verringert sich die Sonnenschutzfunktion auf zirka 45 Prozent.

Wer es gerne hell hat, aber direkte Sonneneinstrahlung verbannen möchte, kann mit Jalousien individuell auf das Wechselspiel der Lichtintensität reagieren. Durch die stufenlose Regulierung – von außen, von innen oder sogar zwischen den Fensterscheiben angebracht – eignen sie sich als ein universell einsetzbarer Sonnenschutz. Eine Oberschiene lässt sich durch ihre geringen Ausmaße sowohl an jedem Fenster- oder Türsturz als auch innen an jeder Wand oder Decke befestigen. Neben Aluminium-Lamellen sind für den Innenraum immer öfter Holzjalousien gefragt. Die „Countryflor“-Kollektion vom Hersteller Blöcker bietet sechs edle Basswood-Hölzer in 35 Millimeter Lamellenbreite. Der UV-resistente Lack ist in sechs Farbtönen erhältlich. Ein textiles Leiterband unterstützt den nostalgischen Stil.

Modernes Ambiente vermitteln dagegen die dreh- und verschiebbaren Paneele „Profil 22“ und „Profil 33“ (Rosso Objekte/ Nimbus GmbH). Sie lassen sich an einer Schiene auf der Innenseite des Fensters anbringen. Die lichtdurchlässigen Mikroperforationsfolien wirken zudem schalldämpfend und können nach individuellen Wünschen bedruckt werden.

Wem Lamellen und Paneele zu starr sind, kann sich für ein Stoffrollo wie das „Duoflor“ (Blöcker) entscheiden. Es zeichnet sich durch ein simples und dennoch komfortables System aus: Die variabel beweglichen, luftigen Stoffbahnen sind bei dem ausgeklügelt konstruierten Doppelrollo sowohl an der Kopfleiste als auch am Aluminiumrohr befestigt. So rollt es einfach durch die manuelle Kettenbedienung über die zweiteilige Unterleiste mit Rolle und Beschwerung auf und ab. Der Stoffbehang des Doppelrollos ist aus feinem Polyestergarn mit nur 120 Gramm pro Quadratmeter sehr leicht gewebt, mit abwechselnd dichten und transparenten Blockstreifen. Der dekorative Effekt entsteht durch die Verschiebung der Streifen. So können Durchblick und Sichtschutz nach außen je nach Bedarf variabel gesteuert werden.

Auch für den Außenbereich sind textile Sonnenschutzsysteme sinnvoll. Mit Gelenkarmmarkisen lassen sich selbst große Terrassen problemlos verschatten. Dabei ist der Raumanspruch der Tragsysteme gering. Der Neigungswinkel des Sonnendachs lässt sich von waagerecht bis senkrecht jedem Sonnenstand anpassen. Der neuartige Markisenbezug „Soltis 93“ von der Firma Ferrari ermöglicht zwar einen effektiven Lichtschutz, die Mikroperforation erlaubt aber Durchsichtigkeit von unten. Durch das patentierte Vorspannverfahren verspricht der Hersteller selbst bei kritischen Wetterlagen eine hohe Stabilität.

Ebenfalls witterungsbeständige Markisentücher bietet die SKS Stakusit Bautechnik GmbH in verschiedenen Farben mit „Sun Line“ als Markisolette an. Der schienengeführte textile Sonnenschutz für Fenster erlaubt zwar ebenfalls den Blick von innen nach draußen, umgekehrt ist er blickdicht. Das System kann auch in Kombination mit einem Rollladen im Aufsatzkasten eingesetzt werden und lässt sich unabhängig voneinander bedienen. Über einen Motor betrieben, steuert ein Lichtsensor die individuellen Beschattungspositionen. Bei einem Sommergewitter zieht der Windwächter automatisch die Markise ein.

Nicht nur bei Sturm, auch wenn es im Herbst wieder kalt werden wird, kann ein Rollladen vor dem Fenster oft bares Geld wert sein. Zum Nachrüsten für alle herkömmlichen Fenster eignet sich zum Beispiel das Aufsatzsystem „Karo“ der Firma Roma Rolladensysteme. Es lässt sich problemlos in jede Fassade integrieren. Durch die zweiteilige Isolierung erreicht das Modell einen k-Wert von 0,6. In das Bauelement lässt sich ein Insektenschutzgitter integrieren. Die Rollladenstäbe „Comfort-Plus“ der Firma Rehau versprechen durch eine so genannte Mikrolochung sogar einen integrierten Insektenschutz.

Als variabler Sicht- und Sonnenschutz begeistert der klassische Fenster- oder Schiebeladen in jüngster Zeit immer mehr Bauherren und Architekten. Ob aus Holz oder Aluminium gehört er zu einem vielseitigen Bestandteil der Fassadengestaltung. Das verwendete Leichtmetall ist stabil und pflegeleicht mit einer langen Lebensdauer und ohne Wartungsaufwand. Holz besticht durch seine Natürlichkeit. Durch neue Verfahren der Oberflächenbehandlung hat sich die Wetterfestigkeit von Holzläden enorm verbessert. Die Schweizer Firma Kindt produziert zwar 80 Prozent Aluminium- und nur 20 Prozent Holzläden, derzeit vermerken die Schweizer in ihren Auftragsbüchern jedoch einen leichten Trend in Richtung Holz.

Sonnenschutz ist heute jedoch keine lokale Angelegenheit mehr: Selbst im Urlaub auf Mallorca können Hausbesitzer vom Liegestuhl aus den Sonneneinfall in ihr Wohnzimmerfenster daheim via Mobiltelefon oder Internet kontrollieren. „Was nach Zukunftsmusik klingt, ist technisch heute schon als ,intelligenter Sonnenschutz‘ machbar“, betont Cossmann, denn „Temperaturfühler, Lichtsensoren und Zeitschaltuhren können den Sonnenschutz vollautomatisch steuern“.

Wer sich über Möglichkeiten der Nachrüstung, Fragen der Montage und Trends rund um Materialien und Technik informieren möchte, kann sich beim „Ersten Rolladen- und Sonnenschutztag 2006“ am 20. und 21. Mai 2006 bei bundesweit rund 350 teilnehmenden Rollladen- und Sonnenschutz-Fachbetrieben beraten lassen.

Weiteres im Internet:

www.rolladen-und-sonnenschutztag.de

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