Immobilien : Gärtners Sehnsucht

Fast jedes Beet bietet noch eine Lücke für neue Pflanzen

Helga Daberkow

Der Garten ist winterfest, alle Geräte liegen geputzt im Gartenhaus. In diesen Wochen ziehen viele Gartenbesitzer Bilanz. Denn Gärten sind nichts Statisches – und zwar nicht nur, weil viele Hobbygärtner ständig von der Sehnsucht nach Neuem geplagt werden. Entscheidender noch sind Wachstum und Lebenszyklus der Pflanzen.

Die wichtigste Rolle kommt dabei Bäumen und Sträuchern zu. Aber auch mächtige Stauden beanspruchen Platz und verdrängen weniger Wuchsstarkes. Einiges lässt sich teilen und eindämmen, um das frühere Bild wieder entstehen zu lassen. Aber meist heißt es, Ausschau zu halten nach schattenverträglicheren Arten für das Staudenbeet, die mit dem geringeren Sonnenangebot zurecht kommen. Mal sind dann Feuchte liebende Arten gefragt wie Astilben und Funkien. Hat sich der Standort in Richtung Trockenheit verändert, könnten die Mandel-Wolfsmilch oder sogar wilde Alpenveilchen (Cyclamen hederacaea und Cyclamen coum) dort gedeihen.

Die Lebenserwartung von Pflanzen ist unterschiedlich: Fingerhut, Jakobsleiter, Islandmohn und Lupinen zum Beispiel sind kurzlebig. Schon nach drei Jahren können sie verschwunden sein. Dafür hinterlassen sie meist eine große „Kinderschar“, die aber an anderer Stelle aufwächst, als ursprünglich geplant. Andere Arten wie die Pfingstrosen, die Funkien, Yucca oder Herbstanemonen gedeihen zwar Jahrzehnte lang am gleichen Standort. Ihre Begleiter, mit denen sie einst farblich gut harmonierten, haben sich aber häufig irgendwann verabschiedet. Dunkle Winterabende sind in solchen Fällen geeignet, in Gartenbüchern nach neuen Partnern für die Veteranen zu suchen.

Bei der Planung zeichnet man am besten den Grundriss des Gartens auf ein Blatt Papier. Die Gehölze werden dabei samt Kronenumriss eingetragen. Bei noch nicht ausgewachsenen Exemplaren muss die Endgröße vermerkt werden. Nur so wird deutlich, welche Gartenteile jetzt oder bald von ihrem Schatten und Wurzelbereich beeinflusst werden. Ist die Grundstruktur des Gartens festgehalten, geht es ans Detail. Dabei sollte in Erinnerung gebracht werden, welche Partien zu welcher Jahreszeit besonders schön ausgesehen haben. Außerdem sollte der Hobbygärtner darüber nachdenken, wie sich die Ensembles ergänzen und in anderen Jahreszeiten fortsetzen lassen. Um Enttäuschungen zu vermeiden, ist es auch sinnvoll, Licht, Feuchte und Bodenart sorgfältig zu untersuchen. Sind Wachstum und Blüte aller Pflege zum Trotz unbefriedigend, hilft meist nur Umpflanzen. Der Gartenplan erleichtert dann die Suche nach dem richtigen Standort.

Müssen Pflanzen nur nach Etikettenfoto oder gar anhand einer schriftlichen Farbangabe ausgesucht werden, birgt die echte Blütenfarbe oft Überraschungen. Aber nicht immer muss dann wirklich der Spaten in Aktion treten. Manchmal fehlt nur eine vermittelnde Farbe. Vielleicht liegt die Ursache für eine scheinbar missglückte Farbzusammenstellung aber auch im ungünstigen Witterungsverlauf des Vorjahres. Ein spätes Frühjahr mit schnell steigenden Temperaturen lässt Pflanzen zusammen blühen, die sonst Wochen voneinander entfernt sind.

Sind alle Schwächen und Stärken des Gartens bilanziert, alle Stauden, Bäume und Sträucher notiert, die umgepflanzt, geteilt oder verschenkt werden müssen, ergeben sich meist wie von selbst Lücken, in die Neues einziehen kann. dpa / gms

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