Immobilien : Ganz tief unten ist es warm

Heizsysteme, die die Hitze im Erdinneren nutzen, werden immer beliebter – und billiger

Jutta Burmeister

Die Energie aus der Erde boomt. Immer mehr Bauherren nutzen ihr Grundstück als Wärmequelle für Heizung und Warmwasser. Die steigenden Öl- und Gaspreise sind dabei nur einer von mehreren Gründen für die Wahl einer „Erdsondenheizung“. Bei Bernd Gärtner etwa spielte die Unabhängigkeit eine Rolle: „Bei einer Ölkrise bin ich nicht den Versorgungsunternehmen ausgeliefert“, sagt der Häuslebauer aus Frohnau. Seine Nachbarin dagegen dachte an den Klimaschutz, als sie das rund 80 Meter tiefe Loch, aus dem die Wärme gewonnen wird, in ihrem Garten bohren ließ: 9,6 Tonnen Kohlendioxid jährlich bleiben im Vergleich zu einer konventionellen Heizung der Umwelt erspart, hat die Bundesregierung ermittelt – je Haus. Von neu verkauften Fertighäusern seien bereits knapp 70 Prozent mit umweltschonender Technik ausgestattet, sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF). „Die verwendeten Systeme basieren auf Sonnenstrahlung, Erdwärme und Biomasse.“

Doch trotz zweistelliger Zuwachsraten bei Erdwärmeheizungen in den vergangenen Jahren liegt Deutschland immer noch hinter anderen europäischen Ländern wie Schweden oder Island, wo fast jedes Ein- und Zweifamilienhaus mit der Technik ausgestattet ist. Nun hat Deutschland zwar, anders als Island, keine Geysire, die sich einfach anzapfen lassen. Aber auch hierzulande gibt es unter der Oberfläche Wärme im Überfluss: Nur 0,1 Prozent des Erdballs sind kühler als 100 Grad, 99 Prozent dagegen heißer als 1000. Man muss nur tief genug bohren: Installiert werden die Erdwärmesonden – vertikale Wärmetauscher – in einer Tiefe von 50 bis 300 Metern. Beträgt die Temperatur weniger als 100 Grad, kann die Wärme direkt zum Heizen genutzt werden, ab 150 Grad wird zudem eine Umwandlung in Elektrizität rentabel. Die Pumpe funktioniert im Prinzip wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt: Sie entnimmt die Wärme aus dem Wasser oder Erdreich, das dabei abkühlt, und heizt damit das Innere des Gebäudes. Nur manchmal scheitert die Bohrung: Einige Bundesländer erlauben nicht die notwendige Tiefe, andere fordern einen großen Grenzabstand zwischen Bohrloch und Nachbargrundstück. In diesen Fällen ist grundsätzlich zwar auch die Verlegung von Erdkollektoren in der Waagerechten möglich, diese haben aber einen erheblichen Platzbedarf und sind zudem störanfälliger als die konventionelle Variante.

Dass immer mehr Bauherren die Wärme der Erde nutzen, liegt vor allem an den Kosten: Während die Preise für Gas und Öl gestiegen sind, haben sich die Kosten für Erdsondenheizungen seit 2000 ungefähr halbiert. Zwar müssen Bauherren noch immer mit rund zehn Prozent höheren Anfangsinvestitionen rechnen als bei konventionellen Heizsystemen. Aber das holt man über die Jahre wieder hinein: Der Betrieb verursacht um bis zu 60 Prozent weniger Kosten. Spätestens in einigen Jahren rechnet sich der anfangs höhere Preis – ganz abgesehen vom guten Gewissen, etwas für den Klimaschutz getan zu haben.

Bei Haushersteller Okal zum Beispiel wolle inzwischen jeder dritte Bauherr eine Erdwärmeheizung, sagt Unternehmenssprecher Michael Ahlbrecht: „Mit steigender Tendenz.“ Auf den Trend reagieren viele Firmen mit Angeboten: Okal hat ein Paket für 5900 Euro geschnürt, bestehend aus Erdwärme- und Solaranlage sowie Fußbodenheizung. Und bei Schwabenhaus startet die „Initiative null CO2“: Jedes Haus wird serienmäßig mit einer Erdwärmeheizung oder – sollte dies nicht möglich sein – einer Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie einer kontrollierten Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Gleichzeitig übernehme man eine Garantie, dass bei einem Haus bis 140 Quadratmetern Wohnfläche monatlich nicht mehr als 30 Euro für Heizung und Warmwasser auszugeben seien, sagte Schwabenhaus-Geschäftsführer Hermann Seigerschmidt.

Weitere Vorteile der Erdwärme neben dem Verzicht auf fossile Brennstoffe und der CO2-Reduktion sind: kein Schornstein, geringer Strombedarf, lange Lebensdauer der Anlage und fast völlige Wartungsfreiheit sowie Platzersparnis durch die Fußbodenheizung, die im Sommer auch für Kühlung sorgt. Die KfW-Bank unterstützt den Einbau zudem mit einem besonders zinsgünstigen Kredit von bis zu 50 000 Euro (s. Kasten). Schwierig gestaltet sich allerdings noch die Suche nach einem geeigneten Anbieter: Viele Unternehmen haben Erdwärme als Marketinginstrument erkannt, ohne das fachliche Know-how zu bieten. Bauherren sollten deshalb auf jeden Fall eine Firma wählen, die alle Leistungen bündelt, um nicht mit Brunnenbauer, Installateur, Elektriker und Wärmepumpenhersteller einzeln verhandeln zu müssen. Auch ist es sinnvoll, sich schon beim Bau des Hauses zu entscheiden – ein Nachrüsten ist kompliziert und teuer.

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