Immobilien : Gartenspaß statt Schneckenfraß

Die lästigen Weichtiere haben nicht alle Pflanzen zum Fressen gern. Ein neuer Ratgeber

Waltraud Hennig-Krebs

Fast jeder Gartenbesitzer hat einen ganz persönlichen Trick, um den Nacktschnecken beizukommen. Die einen schwören auf Bierfallen, auf Mini-Barrieren oder funktionieren die Schleimer zu „Flugschnecken“ Richtung Nachbargarten um. Andere Hobbygärtner sammeln die Schädlinge morgens und abends ein, um sie anschließend zu vernichten. Und einige Wenige versuchen, ihren Garten mit indischen Laufenten schneckenfrei zu halten. Denn die amüsanten Tierchen stöbern mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn die Weichtiere in ihren Tagesverstecken auf, um sie anschließend zu verspeisen — allerdings mögen die watschelnden Hausgenossen auch Nutzpflanzen.

Doch wenn Nacktschnecken zur Plage werden, weil an den Stellen, wo Pflanzen standen, nur noch eine silbrige Spur zu sehen ist, greifen die meisten Privatgärtner zur chemischen Keule, dem „Schneckenkorn“, um Salat, Gemüse und Zierpflanzen zu schützen. Denn Nacktschnecken haben diese regenfesten Köderpellets zum Fressen gern. Nach Aufnahme der Körner ziehen sich die Schädlinge in den Boden zurück, um dort zu verenden. Nach Angaben der Hersteller sei die Anwendung für Nützlinge unbedenklich. Doch welche Methode man auch anwendet: Einen totalen Schutz gegen Nacktschnecken gibt es nicht — aber ihr Auftreten lässt sich stark einschränken.

Nun ist ein informatives Büchlein erschienen, das sich umfassend der Nacktschnecken annimmt: „Pflanzen, die Schnecken mögen oder meiden sowie Abwehrtipps gegen Schnecken“ lautet der Titel. Autorin ist die 45-jährige Susanne Sailer aus dem schwäbischen Ort Sulz am Neckar. Als sparsame Schwäbin hat sie sich immer wieder geärgert, wenn sie für teures Geld Setzlinge gepflanzt hat, die „am nächsten Tag weg waren“. Auf dem Buchmarkt fand sie keinen einschlägigen Ratgeber, also entschloss sie sich, selbst einen zu schreiben. Gut drei Jahre haben ihre Recherchen gedauert. Aus 9000 Berichten zu 1750 Pflanzen, die ihr hauptsächlich von Profi- und Hobbygärtnern aus den unterschiedlichsten Regionen über das Internet zugingen, hat sie die Pflanzen ausgewertet, bei denen mindestens fünf übereinstimmende Meinungen zur Widerstandsfähigkeit gegenüber Schnecken vorlagen.

Doch das genügte Susanne Sailer nicht: Sie machte ihr eigenes Grundstück zum Testgelände und pflanzte dort die „grünen Kandidaten“ an. 120 Nutz- und Zierpflanzen hat die Autorin ermittelt und in dem Kapitel „Empfehlenswerte Pflanzen"ausführlich beschrieben und bebildert. Anhand von farbigen Skizzen macht sie auch sogleich Gestaltungsvorschläge für den Garten.

Einen guten Überblick über den Gefährdungsgrad der Pflanzen geben die übersichtlichen Tabellen, bei denen die Gewächse alphabetisch geordnet sind; Symbole informieren darüber, wie hoch das Risiko bei bestimmten Pflanzen in den unterschiedlichen Wachstumsphasen ist, von Schnecken teilweise vertilgt zu werden. Der Hobbygärtner erfährt aber auch, dass beispielsweise fast alle Ziergräser schneckenfest sind. Sehr hilfreich ist die umfangreiche Übersicht, in der die Pflanzen genannt sind, mit denen man blühend und weitgehend schneckenfrei durchs Gartenjahr kommt.

Doch wer den Nacktschnecken den Garaus machen will, sollte auch deren Lebensweise kennen. Eine der aufgeführten Abwehrmaßnahmen ist beispielsweise, den Komposthaufen möglichst weit von Beeten entfernt anzulegen. Auch die unterschiedlichen Fressgewohnheiten beschreibt die Autorin. So ernährt sich beispielsweise die Spanische Wegschnecke hauptsächlich von frischem Grün. Da natürliche Feinde diese Schädlinge wegen ihrer bitteren Schleimabsonderungen verschmähen, können sie sich ungestört vermehren und so das biologische Gleichgewicht extrem stören.

Neben Empfehlungen für mechanische und biologische Gegenmittel informiert die Autorin auch über chemische Möglichkeiten der Bekämpfung. Vor allem gibt sie Überlebenstipps für gefährdete Pflanzen. Der empfehlenswerte Ratgeber im Taschenbuchformat, den Susanne Sailer im Selbstverlag vertreibt, hat keine Patentrezepte parat, gibt aber viele nützliche Informationen, die helfen, einen Schneckenbefall so gering wie möglich zu halten.

Susanne Sailer: Pflanzen, die Schnecken mögen oder meiden sowie Abwehrtipps gegen Schnecken. 112 Seiten. 12,90 Euro. Verlag Susanne Sailer, Viehhausweg 20, 72172 Sulz a. N., Telefon und Fax: 074 54 / 37 84, E-Mail: info@schneckeninfo.de.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben