Gebote im Stakkatotakt : Auktionstermin beim Amtsgericht

Immobilienschnäppchen bei der Zwangsvollstreckung – die Verkehrswerte erleichtern die Orientierung.

Peter Sissovics
Trotz Krise. Die Zahl der Zwangsversteigerungstermine ist rückläufig. Überdurchschnittliche Rückgänge verzeichnen Berlin und Brandenburg.
Trotz Krise. Die Zahl der Zwangsversteigerungstermine ist rückläufig. Überdurchschnittliche Rückgänge verzeichnen Berlin und...Fotomontage: Jens Schierenbeck/dpa/gms

Steigende Preise, Inflationsgefahr, Bankencrash? Spätestens seit der Finanzkrise um Zypern machen sich auch die letzten deutschen Kapitalanleger und Sparer Sorgen um ihre Bankguthaben. Sachwerte sind angesagt. Der Run auf deutsche Immobilien in den Großstädten treibt mitunter seltsame Blüten.

So gilt es mehr denn je: Rein in die Sachwerte, rein in Immobilien. Immobilienmakler sind überlastet und verdienen sich derzeit die sprichwörtlichen „Goldene Nasen“. Ein Schlaraffenland? Was heute nicht gekauft wird, kostet morgen schon wieder mehr. Dies gilt nicht nur für München und Hamburg, sondern in zunehmendem Maße für Berlin.

Ein Objekt ist schnell gefunden. Dann kommt es aber. Zum Kaufpreis kommen Maklergebühren, Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten, die sich im Extremfalle auf bis zu 13,5 Prozent des Immobilienkaufpreises addieren.

Ganz Schlaue wollen sich diese Kosten sparen. Was liegt näher als die Wunschimmobilie übers Amtsgericht via Zwangsversteigerung zu kaufen? Neben dem Adrenalinkick beim Bieten können Makler- und Notargebühren gespart werden. Das rechnet sich wenn es klappt. Wenn es klappt!

Fritz Häberle wollte das am Beispiel Berlin einmal genau wissen. Ein bisschen im Internet über „Zwangsversteigerungen“ googeln und schon ist man Experte. Da gibt es die 70-Prozent-Regel und die 50-Prozent- Regel. Erstere bedeutet: Mindestens 70 Prozent des Verkehrswertes bieten beim ersten Termin und die Wohnung oder das Haus ist meins – oder seins. Eigentlich einfach. Jetzt gilt es noch herauszufinden, wo und wann versteigert wird! Kein Problem. Auch hier hilft das WWW. Die Landesjustizverwaltungen betreiben ein Internetportal unter www.zvg-Portal.de/

Hier wurde Häberle auch schnell fündig. Täglich finden in verschiedenen Bezirken der Stadt im Portal veröffentlichte Zwangsversteigerungen statt. Schnell sind die Termine notiert. Informationen ? Auf dem Portal gibt es Gutachten, Bilder, Lagepläne, alles um die erste Neugier zu befriedigen. Wozu also das Objekt noch besichtigen? Häberle machte sich auf zum ersten Termin in ehrwürdigen Gemäuern. 10 Uhr Charlottenburg, Amtsgerichtsplatz 1, Saal 120. Die Idee hatten auch noch ein paar weitere Zeitgenossen. Jeder beäugt jeden. Wer würde bieten, sind Nachbarn des Schuldners da? Besucher unter 30? Fehlanzeige. Ein Aufgalopp der „Best Ager“! Eine Lautsprecherstimme fordert die rund dreißig Besucher um Schlag 10 Uhr auf, näherzutreten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben