Immobilien : Gefährliches Prachtstück

Pflanzenschützer warnen vor dem Laubholz-Bockkäfer, einem Baumschädling aus Asien

Peter Becker

Ein außergewöhnlich prachtvoller Käfer ist der Asiatische Laubholzbock – aber auch ein so gefährlicher Baumschädling, dass Hartmut Balder vom Berliner Pflanzenschutzamt warnt: „Die Situation kann äußerst Besorgnis erregend werden, falls er sich eingebürgert hat.“ Seit einigen Jahren wird der in Fernost beheimatete Holzschädling auch in Europa eingeschleppt. In diesem Jahr wird es sich zeigen, ob er einen ganzen Vermehrungszyklus durchlaufen hat und sesshaft geworden ist. Die Pflanzenschützer bitten daher die Gartenbesitzer, Befallserscheinungen an Bäumen sofort zu melden.

Denn die Schäden, die mit der „Einbürgerung“ entstehen, sind schwerwiegend: Bei starkem Befall unterbrechen die Bohrgänge der Larven den Nährstofftransport von der Wurzel in die Blätter. Die Bäume welken und sterben ab. Aber auch bei leichterem Befall dringen Fäulnispilze durch die Bohrlöcher in den Baum ein: Bei Wind können Äste abbrechen oder Stämme umstürzen.

Das Auftauchen von Anoplophora glabripenis, so der wissenschaftliche Name des Insekts aus der Familie der Bockkäfer, hängt vermutlich mit den Exporterfolgen der chinesischen Marmor- und Granitindustrie zusammen. Deren Natursteinplatten, die per Schiff in die ganze Welt gehen, werden nämlich mit billigem Holz gesichert. Und in diesen Balken gehen die Raupen und Puppen des Schädlings auf ihre Reise um den Globus.

In den USA, als weltweit einem der größten Importeure von Naturstein, tauchte das Tier bereits 1996 auf. Selbst in der frostreichen Region um Chicago konnte es überleben und befiel alsbald Ahornarten und Rosskastanien. An ganzen Straßenzügen wurden die Bäume gefällt und geschreddert. Doch es gelang nicht, den Schädling wieder auszurotten. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass er und seine Larven sich von vielerlei verschiedenen Baumarten ernähren.

In Europa wurde der Käfer in einzelnen Exemplaren erstmals Ende der 90er Jahre gesichtet. Den bislang einzigen Alarm gab es 2001 im österreichischen Braunau, wo sich eine Population etabliert hatte. Die Pflanzenschützer dort fällten sofort mehrere Dutzend Bäume. Im selben Jahr fand man ihn in Sachsen – an der Plane eines LKW hängend. Die Fracht bestand aus chinesischem Granit auf Holzpaletten und kam von Bremerhaven.

Wenn man nun berücksichtigt, dass das Tier in unseren Breiten einen Entwicklungszyklus von zwei Jahren haben dürfte, versteht man die Aufmerksamkeit der Pflanzenschützer. „Jeder Bürger, der beobachtet, ist uns eine Hilfe“, sagt Balder. Doch Panik ist nicht angebracht. Die Chancen zur Gegenwehr sind noch gut. Denn es gibt einige sichere Zeichen für einen Befall. Da ist zunächst das runde Ausflugloch des Käfers im Frühsommer: Es ist mit circa einem Zentimeter Durchmesser ungewöhnlich groß. Hiesige Bockkäfer, die nahe Verwandte von Anoplophora sind, bohren allenfalls Löcher von fünf Millimetern in die Baumrinde, wenn sie im Inneren des Holzes aus ihrer Puppe geschlüpft sind. Allerdings: Wenn man solch ein Loch in der Rinde festgestellt hat, ist der Schädling schon ausgezogen und hat sich auf die Suche nach einem paarungsbereiten Partner gemacht.

Ein glücklicher Umstand für die Bekämpfung ist, dass die Tiere jedoch schlechte Flieger sind. Denn sie entfernen sich von ihrem Brutbaum kaum mehr als einen Kilometer. Statt dessen klettern sie zunächst in die Krone und fressen an Rinde und jungen Trieben, hierzulande vor allem an Ahorn, Pappel und Linde. Dieser so genannte Reifungsfraß verrät das Tier: Absterbende Äste in der Krone weisen auf Bockkäferbefall hin. Allerdings könnten es auch heimische Arten sein.

Als Käfer lebt Anoplophora nur noch ein bis zwei Monate. Eine Woche nach der Kopulation legt das Weibchen die weißen, fünf bis sieben Millimeter großen Eier auf den Wirtsbäumen ab. Dazu beißt es kleine Gruben in die Rinde. Als Folge der Verletzung tritt an der Stelle häufig Saft aus, der wiederum Wespen oder Hornissen anlockt.

Die aus dem Ei geschlüpfte Larve nagt sich nach elf Tagen zunächst in die Rinde und später ins Splintholz. Sie erreicht eine stattliche Größe, kann bis zu fünf Zentimeter lang werden und bohrt Gänge von bis zu acht Millimetern Durchmesser. Ein Indiz für den Befall können Nagespäne sein, die sich am Fuß des Baumes befinden.

Die Puppe zeigt bereits die langen Fühler, die noch aufgerollt auf den Bauch gelegt sind. Sie können beim geschlüpften Männchen mehr als das Doppelte der Körperlänge betragen. Beide Geschlechter tragen die charakteristische schwarz-glänzende Grundfarbe. Über den ganzen Körper sind unregelmäßig weiße Flecken verteilt. Beine und Teile der Fühler schimmern metallisch blau. Das Weibchen ist größer und kompakter als das Männchen. Es erreicht mit 3,5 Zentimetern (ohne Fühler) beachtliche Maße.

Auch in den Heimatländern China, Korea und Japan ist der Schädling gefürchtet. Denn er befällt nicht nur kranke oder geschwächte Bäume, sondern auch völlig gesunde. Hierzulande könnten alle Laub- und Obstbaumarten gefährdet sein, weshalb die Maßnahmen rigoros sind. „Die einzige Möglichkeit ist, die befallenen Bäume sofort zu fällen und zu verbrennen“, sagt Professor Alfred Wulf von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig. Das heißt: Wer die Pfanzenschützer ruft, läuft Gefahr, dass sie mit der Motorsäge kommen. Allerdings: Wenn die Pflanzenschützer nicht kommen, macht der Käfer die Bäume klein.

Vorbeugende Gegenmaßnahmen müssten spätestens an den Zielhäfen einsetzen, wie der BBA-Experte für Quarantänefragen, Jens-Georg Unger, erläutert: „Wenn keine wirksame Behandlung für Holzverpackungen etabliert wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Käfer und viele andere fremde Schädlinge in Europa endgültig eingeschleppt und etabliert werden.“

Pflanzenschutzdienste: Berlin: Telefon 70 00 06 - 40, Brandenburg: Telefon 03 35 / 52 17 - 0. Ein Faltblatt der Bundesanstalt über den Käfer kann unter www.bba.de/veroeff/popwiss/alb.pdf heruntergeladen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben