Immobilien : Gekauft gilt nicht

Nur ein Zufallsfund macht den vierblättrigen Klee zum Glücksbringer

Gert D. Wolff

„Das Glück ist oft sehr klein, man muss geduldig sein.“ So belehrt uns eine wohlmeinende Spruchweisheit, deren Wahrheitsgehalt unzählige Lottospieler Woche für Woche aufs Neue erfahren müssen. Weil Geduld aber nicht jedermanns Sache ist, haben Menschen von alters her versucht, ihrem persönlichen Glück auf die Sprünge zu helfen. Dafür sah der Volksglaube eine Vielzahl überlieferter Praktiken und Hilfsmittel vor, von denen es hieß, dass sie Fortunas Gunst bewirken könnten. Zu den seit Jahrhunderten beliebtesten Glücksbringern zählt bis heute das vierblättrige Kleeblatt, eine eher seltene Form des Wiesenklees, auch Rotklee oder Fleischklee genannt – botanisch: Trifolium pratense.

Schon für das Finden eines solchen Glücksbringers benötigt man eine gute Portion Glück. Denn die Chance, einen Vierklee unter seinen in der Regel dreiblättrigen Artgenossen zu finden, beträgt nach den Erkenntnissen von Fachleuten nur etwa ein Prozent. Kein Wunder also, dass clevere Geschäftsleute uns längst einen gezüchteten GlückskleeVerschnitt beschert haben. Als Massenware kommt er regelmäßig vor dem Jahreswechsel auf den Markt, pflegeleicht im Töpfchen. Diese vierblättrige Zuchtform des Sauerklees geht auf Oxalis-Arten aus Mexiko zurück. Sie ist mit unserem traditionellen Glücksklee von der grünen Wiese nicht einmal verwandt. Der durfte, damit seine Zauberkraft wirken konnte, nach überliefertem Aberglauben auch auf keinen Fall gekauft sein. Nur wer ihn „ungesucht gefunden“ und eine Reihe anderer Bedingungen erfüllt hatte, konnte auf seine Glück bringende Kraft hoffen.

Wann und weshalb das vierblättrige Kleeblatt zum Glücksbringer wurde, ist unbekannt. Die Ursprünge verlieren sich im Dunkel des Altertums. Der Legende nach nahm Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies ein vierblättriges Kleeblatt mit in die Welt als Erinnerung an die verlorene glückliche Zeit im Garten Eden. Das seltene Vorkommen könnte zwar eine Erklärung für die Entstehung des Aberglaubens sein: Weil man Glück benötigte, ein solches überhaupt zu finden, musste auch das vierblättrige Kleeblatt selbst Glück bringen. Als wahrscheinlicher für den Ursprung des Kleeblattglaubens gilt allerdings die uralte Symbolik des Wiesenklees. Der kraftvolle Wuchs des Schmetterlingsblütlers und die heilige Dreizahl seiner Blätter haben ihn schon in früher Zeit zu einem Inbegriff der Lebenskraft gemacht. Heute ist er aufgrund seines hohen Eiweißgehalts eine der wichtigsten Futterpflanzen.

Bei den keltischen Druiden wurde das Kleeblatt als heilige Symbolpflanze verehrt und später im Christentum als Sinnbild der Dreifaltigkeit gedeutet. So soll der Legende nach der irische Nationalheilige St. Patrick Ende des fünften Jahrhunderts den schwer zu bekehrenden Iren das Geheimnis der Trinität an einem Kleeblatt erklärt haben. Auch heute noch ist ja der „shamrock“ die irische Nationalpflanze. In der mittelalterlichen Minnedichtung kommt immer wieder der grüne Klee als Symbol der demütig harrenden, der irdischen und der Gottesminne vor.

Als früher häufig verwendete Grabbepflanzung sollte der Klee wohl ein Hinweis auf die Auferstehung und das ewige Leben sein. Die Redensart „Jemanden über den grünen Klee loben“ geht nach einer von mehreren möglichen Erklärungen darauf zurück, dass man über Tote nur Gutes sagen soll. Ein solches Lob für einen Lebenden fällt daher – wie für einen Verstorbenen – über Gebühr gut aus. Das seltene vierblättrige Kleeblatt – schon früh ein Sinnbild der vier Himmelsrichtungen und der Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde – wurde in christlicher Zeit aufgrund seiner Form zu einem Sinnbild des Kreuzes Christi, das alles Böse abwehrt und Segen bringt.

Wie groß der Glaube an die Glück bringende Kraft des Vierklees früher war, belegt ein 1571 erschienenes Buch mit dem Titel „Der alten Weiber Philosophey“. Darin heißt es: „Welcher ein Kleeblatt mit vier Blettern findet, der sol das in wirden halten, sol sein Lebenlang glückselig und reich sein.“

Nach alt überlieferter Vorstellung war das vierblättrige Kleeblatt ein geradezu universeller Glücksbringer und zugleich ein vortreffliches Schutzmittel gegen alle erdenklichen Unbilden. Es verhieß seinem Besitzer Glück im Spiel und in der Lotterie, schützte vor Zauber, Hexen und Blitzschlag. Außerdem machte es „hellsichtig“, so dass man das wahre Wesen einer Person erkennen konnte. Auch in Liebesdingen galt das zauberkräftige Vierblatt als hilfreich: Heimlich in den Schuh einer geliebten Person geschmuggelt, bewirkte es, dass man diese für sich gewinnen konnte. Und einem Reisenden vor der Abfahrt heimlich in die Kleider eingenäht, sollte das zauberkräftige Blatt ihn vor jedem Unglück schützen. Selbst gegen Lernprobleme hielt man es für ein probates Mittel: Ins Schulbuch gesteckt, verhalf das getrocknete Kleeblatt angeblich zu besseren Noten. Ein am Himmelfahrts- oder Fronleichnamstag gefundenes vierblättriges Kleeblatt verhieß nach altem Aberglauben einen guten Tod und die ewige Seligkeit.

Nach alter Überlieferung konnte das Pflanzenphänomen auch das Gegenteil bewirken. Dann nämlich, wenn jemand allzu häufig die begehrten Glücksbringer mitbrachte. So hieß es beispielsweise in Schwaben: „Wer leicht findet vierblättelten Klee / Der kriegt viel Ach und Weh.“ Womit wir wieder bei der empfohlenen Geduld und Bescheidenheit beim Warten auf das Glück wären.

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