Immobilien : Gericht verurteilt Fonds-Multi wegen Sittenwidrigkeit Der ehemalige Chef der Capitals Egon Banghard soll Anlegergetäuscht haben

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Der 9.Zivilsenat des Stuttgarter Oberlandesgerichtes hat Egon Banghard, ehemaliger Chef des Berliner EishockeyClubs „Capitals“ und Vermittler von geschlossenen Immobilienfonds, zu hohem Schadenersatz an einen düpierten Anleger verurteilt. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass Banghard beim Verkauf von Beteiligungen an zwei Immobilienfonds der Dr. Hanne-Gruppe (Fonds14 Seniorenresidenz „Dresdner Hof“, Leipzig; Fonds16 Pflegezentrum „Fiedler Carrée“, Dresden) Anleger über Risiken dieser Beteiligungen hinwegtäuschte. Dabei habe sich der Fondsverkäufer von eigenen Interessen leiten lassen, weil er ohne das Geld argloser Anleger eigenes Kapital in das wenig wirtschaftliche Projekt hätte stecken müssen.

Die Richter stellten in dem Urteil, das dem Tagesspiegel vorliegt, fest: „Ein solches Verhalten ist im höchsten Maße anstößig und damit als sittenwidrig im Sinne des Paragrafen 826 Bürgerliches Gesetzbuch zu bewerten“. Nach der Auffassung von Rechtsanwalt Stefan Frisch von der Kanzlei Tilp&Kälberer in Tübingen ist der Paragraf 826 ein „scharfes Schwert“. Dieses hätten Gerichte in der Vergangenheit nur bei ganz und gar unseriösen Geschäftspraktiken wie Warentermingeschäften gezogen. „Schärfer kann ein Gericht es kaum formulieren“, so Frisch.

Erstritten hat Frisch das Urteil im Namen eines von Banghard zu einer Fondsbeteiligung überredeten Anlegers. Dieser hatte Ende 1998 sein Geld an den Unternehmer überwiesen im Vertrauen auf die in Banghards Hochglanzprospekten versprochenen Renditen. Doch das Geschäft schlug fehl. Das Seniorenheim, das mit dem Geld gebaut und bewirtschaftet werden sollte, hatte keine Chance auf wirtschaftlichen Erfolg. Denn zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehr Plätze in Altersheimen als Bedarf.

Die Krise am Markt für Seniorenimmobilien war nach Auffassung der Richter sowohl Banghard als auch seinem Geschäftspartner Jürgen Hanne bekannt. Sie hätten trotzdem weitere Anleger geködert und ihnen die mit der Marktflaute verbundenen Gefahren für das eingesetzte Kapital verschwiegen. Deshalb trafen die Richter das harte Urteil über Banghard. „Der hat die Anleger schließlich ins offene Messer laufen lassen“, sagt Frisch.

Banghard bestritt vor Gericht, vom Zusammenbruch des Marktes für Seniorenheime gewusst zu haben. Doch die Richter verwiesen auf Tagesspiegel-Berichte aus dem Oktober 1998 an dieser Stelle über den zusammenbrechenden Markt und die Geschäftspraktiken von Hanne und Banghard sowie auf Veröffentlichungen in den Branchenblättern „Platow-Brief“ sowie „Der Anlegerschutz“. Die breite öffentliche Wirkung von Berichten insbesondere in überregionalen Tageszeitungen könne nicht an dem ehemaligen Fondsmulti vorbeigegangen sein.

Die ganze Härte der Richter bekam Banghard nach Auffassung von Rechtsanwalt Frisch auch deshalb zu spüren, weil er den Verkauf der Fondsanteile vorantrieb, um nicht eigenes Geld in die wirtschaftlich riskante Immobilie stecken zu müssen. Gegenüber dem Bauherrn hatte Banghard mit seiner Berliner GmbH eine so genannte Schließungsgarantie abgegeben. Hätte er nicht genügend Anleger gefunden, hätte Banghards GmbH und damit letztendlich der Geschäftsmann selbst einspringen müssen.

Richtungsweisend könnte das Urteil werden, weil die Richter nicht eine Gesellschaft, sondern Banghard persönlich zu Schadenersatz verurteilten. Häufig erstreiten Anleger zwar Urteile gegen Gesellschaften. Doch wenn sie den Gerichtsvollzieher zu den Firmen schicken, sind diese oft aufgelöst oder insolvent. In diesem Fall ist das anders: Banghard muss persönlich den Fondsanteil zurücknehmen und dem Anleger sein Geld zurückzahlen. Allerdings wird sich der Gläubiger einreihen müssen. Vor ihm hatte Fußballlegende Franz Beckenbauer einen Titel gegen Banghard erstritten. Tsp

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