Gewerbeansiedlung am BER : Ready for departure

Erst einmal sollen Investoren kommen, dann gibt es auch Bebauungspläne.

Peter Sissovics
Ungenutztes Potenzial. Rund 600 Hektar geeignete Flächen warten im Umfeld des BER auf Käufer und Mieter.
Ungenutztes Potenzial. Rund 600 Hektar geeignete Flächen warten im Umfeld des BER auf Käufer und Mieter.Foto: imago

BER, der Code des internationalen Dachverbandes der Fluggesellschaften IATA für den künftigen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“ steht auch für eine riesige Wirtschaftsregion am und um den neuen Flughafen herum, mit gewaltigen Potenzialen.

Wer aber in den vergangenen Wochen eine der Besucherrundfahrten über den BER miterlebte, fragt sich intensiv: Was ist hier los, in dieser Geisterstadt? Der Besucherbus fährt vorbei an leer stehenden Parkhäusern, ungenutzten Gewerbeflächen und einem nicht eröffneten 4-Sterne-Hotel von Steigenberger. Kein Bauarbeiter weit und breit, der die Ruhe stört. Nur wenige Sicherheitsleute, die offenbar kaum etwas zu bewachen haben. Die Mitreisenden im Bus schweigen ehrfurchtsvoll angesichts dieses monumentalen, offenbar in Paralyse erstarrten Areals.

Ein subjektives Empfinden? Vielleicht „steppt der Bär“ und nicht nur der Berliner Bär ja im Umfeld des BER, dem Auge des Betrachters zunächst verborgen.

Tatsächlich haben sich in den vergangenen Jahren am und um den BER rund 130 kleine und mittelständische Dienstleistung- und Logistik-Unternehmen angesiedelt. Auch international bekannte Firmen wie Dachser, Mercedes-Benz, MAN oder Air Berlin fanden hier gute Bedingungen.

Die Stimmung ist positiv

Zwischen der südlichen Berliner Stadtgrenze und der Autobahn A 10 hat man im direkten Flughafenumfeld die Qual der Wahl unter rund 18 Gewerbegebieten, die vor Jahren schon von finanzierungsbereiten Investoren erworben wurden und bei denen das Baurecht teilweise heute schon umgesetzt wurde.

Die Stimmung bei vielen der dort eingezogenen Firmen – trotz mehrfacher gescheiterter „BERöffnung“ – überwiegend positiv. Thorsten Golm von der IHK Cottbus sagt: „Die Region entwickelt sich zwar still und leise, aber sehr positiv“. Allerdings, das Gros der ansässigen Gewerbetreibenden ist offensichtlich eher weniger flughafenaffin. Es ist die Verkehrs-Infrastruktur, die Anbindung an Straße und Schiene um den BER, was bei Unternehmen Zugkräfte ausgelöst hat.

Die Grundstückspreise und Mieten für Gebäude und Hallen sind nicht höher als andernorts an der Stadtgrenze. Käufer und Mieter zahlen derzeit (noch) keinen Flughafenbonus – mit Ausnahme des unmittelbaren Flughafenareals. Die Preisentwicklung wird auch von den Mitgliedern des Gutachterausschusses für den Landkreis Dahme Spreewald bestätigt. Demzufolge konnten sich die Bodenrichtwerte für Gewerbegrundstücke vom Index des Berliner Umlandes seit Jahren nur selten abkoppeln.

Frank Marwitz vom Logistikunternehmen Marlog, seit vielen Jahren ein ausgesprochener Kenner der Szene und als Projektentwicklungsdienstleister bestens vernetzt, bringt es auf den Punkt: Preisschübe seien vorerst nicht zu erwarten, denn die Verunsicherung von Miet- und Kaufinteressenten sei derzeit groß und damit das Interesse eher verhalten. „BER muss jetzt schnell kommen und Tegel sollte parallel dazu schließen, darauf warten alle, am und um den BER“, so Marwitz.

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