Gewerbeimmobilien : Eine Nummer zu groß

Immer mehr Buch-Kaufhäuser in den Innenstädten schließen ihre Filialen. Nun sieht die Branche die Politik am Zug.

Christina Sticht
Thalia, eine Douglas-Tochter, gab seit 2012 rund 20 Standorte auf.
Thalia, eine Douglas-Tochter, gab seit 2012 rund 20 Standorte auf.Foto: Bernd Thissen/dpa

Eine Buchhandlung mit leeren Regalen ist ein trauriger Anblick: Bei Lehmanns in Hannovers City gab es keine Zeitschriften mehr, die Krimi-Ecke war verwaist. In Eingangsnähe stand ein Grabbeltisch mit reduzierten Rätselbüchern, Kalendern und Krimskrams. Am 17. Januar schloss das wohl größte Buch-Kaufhaus der niedersächsischen Landeshauptstadt. Trotz des engagierten Mitarbeiter-Teams sei es nicht gelungen, die Fläche von 3500 Quadratmetern dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben, begründete das Unternehmen das Ende seiner bundesweit größten Filiale.

Noch bis vor wenigen Jahren galten die Branchenriesen Thalia oder Hugendubel als Schreckgespenst. Vielerorts mussten inhabergeführte, traditionsreiche Buchläden dichtmachen, weil in der Nähe die durchgestylte Filiale einer Kette eröffnete. Als defizitäre Tochter des Konzerns Douglas gab Thalia jedoch seit Anfang 2012 rund 20 Standorte auf, unter anderem in Bonn und Dortmund. Deutschlands zweitgrößter Buchhändler Hugendubel setzt auf kleinere Filialen und schließt im April sein 4000-Quadratmeter-Haus in Stuttgart.

Sterben die Buchhandlungen angesichts der übermächtigen Internet-Konkurrenz von Amazon? Ist im digitalen Zeitalter das Angebot von Hunderten Büchern zum Durchblättern beim Kunden nicht mehr gefragt? Ein mehrstöckiges Erlebnishaus mit Leseecken und angeschlossenem Café scheint sich gerade in Premiumlagen angesichts steigender Mieten nicht mehr zu rechnen.

Amazons Geschäftsmodell schreckt Kunden ab

Die Branche ist trotzdem optimistisch. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagt: „Dass die großen Ketten die Anzahl ihrer Filialen reduzieren, ist ein Marktbereinigungsprozess, aber kein Indiz für einen schwächelnden deutschen Buchmarkt.“ Viele „Amazon-Rückkehrer“ kämen in die Buchläden. „Die Leute sind sehr sensibel geworden für Geschäftsmodelle wie das von Amazon, dessen Chef sagt, man müsse Verlage jagen wie Gazellen, und der ein Monopol anstrebt.“

2013 sei die Entwicklung des Onlinegeschäfts erstmals rückläufig, während der Buchhandel vor Ort ein Plus machte, so der Börsenverein-Chef. Amazon dagegen beobachtet nicht, dass Buchkunden weniger im Internet bestellen. „Wir können eine solche Entwicklung nicht bestätigen“, heißt es aus der deutschen Zentrale in München.

"Das ist keine gute Entwicklung"

Die Münchner Bücherliebhaberin Marion Kropp lässt sich aber lieber in einen Laden inspirieren, statt am Computer Romane zu bestellen. Als die Malerin erfuhr, dass Hugendubel ausgerechnet die Filiale am Marienplatz schließen will, startete sie eine Online-Petition für ihren Erhalt. „Den Hugendubel am Marienplatz kennt und liebt jeder. Er ist eine Institution, die dahin gehört“, betont Kropp und schwärmt vom einmaligen Blick durch die Glasfassaden auf das Rathaus.

Enttäuscht ist sie, dass die Kommunalpolitiker ihr Anliegen so wenig unterstützt hätten. Nach jetzigem Stand zieht Hugendubel in diesem oder nächsten Jahr aus. Die Rede ist davon, dass die Telekom die Immobilie mieten wird.

Auch wenn es kein Massensterben von Buchhandlungen gibt, sieht der Börsenverein Handlungsbedarf. Es gebe Gespräche mit kommunalen Spitzenverbänden, wie man politisch umsteuern könne, sagt Skipis. Buchläden seien Orte des kulturellen Austausches. „Wenn derzeit Buchhandlungen verschwinden, werden sie durch Billigmodeketten oder Handy-Läden ersetzt. Das ist keine gute Entwicklung.“ In Hannover jedenfalls soll nach dem Auszug der Lehmanns Buchhandlung unter anderem eine Drogeriekette in das altehrwürdige Geschäftshaus einziehen.

(dpa)

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