Immobilien : „Graffiti-Szene wird krimineller“

Justizsprecherin: Es bleibt nicht beim Sprayen – häufig kommen andere Straftaten hinzu

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Wenn die Berliner Justizverwaltung sich so eindeutig äußert, spricht das Bände: „Das kriminelle Verhalten verfestigt sich. Die Graffiti-Szene betritt zunehmend eine professionelle Liga“, sagt Sprecherin Juliane Baer-Henney. Immer häufiger „gehören Rohheits- und Eigentumsdelikte zu den Folge- und Begleitstraftaten“ von Sprayaktionen, immer öfter werden im Zusammenhang mit Graffitistraftaten Jugend- und Freiheitsstrafen ohne Bewährung ausgesprochen.

Allein im zweiten Quartal 2006 lagen 3750 Ermittlungsverfahren gegen Unbekannte und 1276 Verfahren gegen bekannte Täter auf den Schreibtischen von Staats- und Amtsanwaltschaft. Zahlen über rechtskräftige Graffiti-Urteile gibt es Baer-Henney zufolge nicht, weil Graffiti als Sachbeschädigung erfasst werde und häufig mit anderen Taten einhergehe wie Körperverletzung, Diebstahl oder Hausfriedensbruch. In diesen Fällen sieht die Strafprozessordnung vor, dass ein Verfahren zugunsten des schwerer wiegenden eingestellt werden kann – der Beschuldigte kommt dann beispielsweise wegen Körperverletzung und nicht wegen Sachbeschädigung vor Gericht.

Dass die Täter älter werden, ist in Berlin zwar zu beobachten, Zahlen gibt es aber nur aus Hamburg: Lag der Anteil der erwachsenen Täter im Jahr 2000 noch bei 17,5 Prozent, hatte sich diese Zahl im Jahr 2004 fast verdoppelt auf 34,6 Prozent.

Wie Polizisten berichten, kursieren in der Sprayerszene Namen von Anwälten, „die einen raushauen“. Dabei sei jedes Verharmlosen der Graffitidelikte falsch, heißt es in der Justizverwaltung. „Wären es nur Dumme-Jungen-Streiche, wäre die Szene weniger verfestigt, als das der Fall ist“, sagt die Justizsprecherin. Die Politik habe das Problem lange auf die leichte Schulter genommen. In der Folge fehlt das Unrechtsbewusstsein, bestätigt die Justizbehörde: „Besonders bei älteren Tätern greifen die normalen Präventionsmaßnahmen nicht mehr, nur jüngere sind damit noch zu beeindrucken", sagt Baer-Henney. Tsp

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