Großprojekt in Brandenburg : Bambi-Häuschen am Langen Trödel

In Zerpenschleuse, vierzig Kilometer nördlich von Berlin, entsteht eine Ferienhaussiedlung. Eines der Häuschen steht schon – das Musterhaus.

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Hafendorf Zerpenschleuse: 80 Liegeplätze auf 13 000 Quadratmeter Wasserfläche Grafik: Helma Ferienimmobilien GmbH
Hafendorf Zerpenschleuse: 80 Liegeplätze auf 13 000 Quadratmeter WasserflächeGrafik: Helma Ferienimmobilien GmbH

Viele Menschen träumen davon, ein Ferienhaus zu besitzen. Wer diesen Traum träumt, denkt meist an ein Haus im Mittelmeerraum (siehe nebenstehenden Artikel) – oder, wenn es denn schon in Deutschland sein soll, an einen Zweitwohnsitz an der Ostseeküste, auf Usedom oder Rügen vielleicht. Aber ein Ferienhaus in Zerpenschleuse, einem Ortsteil der Gemeinde Wandlitz, gut vierzig Kilometer nördlich von Berlin? Dort, wo zwar das Biosphärenreservat Schorfheide nah ist, wo es aber weit und breit keine Ostsee gibt, keine Kreidefelsen und auch sonst keine spektakulären Sehenswürdigkeiten?

Ja, genau dort soll demnächst der Bau des Hafendorfs Zerpenschleuse mit nicht weniger als 200 Ferienhäusern beginnen. Eines der Häuschen steht schon – ein Musterhaus, das Kaufinteressenten zeigen soll, was sie erwartet. Und es wird viele Kaufinteressenten geben, ist Per Barlag Arnholm überzeugt, der geschäftsführende Gesellschafter der Helma Ferienimmobilien GmbH, die das Feriendorf realisieren will. „Eine Analyse von uns“, sagt Arnholm, „hat gezeigt, dass sich viele Berliner Familien den Kauf eines Ferienhauses unter zwei Bedingungen vorstellen können: Das Ferienhaus darf nicht mehr als 150 000 Euro kosten, und es darf maximal eine Stunde Fahrzeit von Berlin entfernt sein.“

Bei der Suche nach einem Standort, der diesen Kriterien entspricht, stieß Arnholm auf Zerpenschleuse. Das beschauliche Dorf mit rund 950 Einwohnern ist von Berlin aus über die Autobahnabfahrt Finowfurt zu erreichen. Nach Angaben der Helma Ferienimmobilien dauert das etwa dreißig Autominuten, während Google Maps die Fahrzeit ab Alexanderplatz auf 51 Minuten beziffert.

Auch die Preisschwelle von 150 000 Euro unterschreiten die Ferienhäuser locker: Der kleinere Haustyp, Rehkitz genannt, ist nämlich bereits für 99 950 Euro zu erwerben – inklusive 300 bis 350 Quadratmeter großem Grundstück. Viel Wohnraum gibt es dafür allerdings nicht: Das Bambi-Häuschen weist gerade mal 50 Quadratmeter Wohnfläche auf, also etwa so viel wie eine Berliner Zwei-Zimmer-Wohnung. Etwas größer ist mit 67 Quadratmeter Wohnfläche der auf den Namen Biber getaufte zweite Haustyp. Ein dritter, etwas geräumigerer Haustyp soll nach Auskunft Arnholms noch hinzukommen.

Eine Marina soll Berlin-Touristen anlocken

Bescheiden ist auch die Ausstattung: In der Basisvariante gibt es zwar einen Kamin, aber darüber hinaus keine Heizung. Wer eine Fußbodenheizung mit Luft/Wasser-Wärmepumpe haben will, muss dafür extra bezahlen. „Das Haus ist als Sommerhaus konzipiert“, erläutert Arnholm. Wer Weihnachten dort verbringen wolle, könne ja den Kamin anfeuern. Allerdings, versichert Arnholm, seien die Häuser gedämmt und damit durchaus auch im Winter bewohnbar.

Möglich ist der günstige Preis auch deshalb, weil die Helma Ferienimmobilien GmbH das Baugrundstück laut Arnholm „preiswert“ vom Voreigentümer erwerben konnte. Da es bereits einen Bebauungsplan gibt, kann es mit dem Bau der Häuser demnächst losgehen. Ab Anfang 2014 wird auch das Straßennetz im Hafendorf angelegt. Ebenfalls 2014 wird eine Marina mit 80 Bootsliegeplätzen entstehen, die die künftigen Eigentümer der Ferienhäuser vom Betreiber der Marina anmieten können.

Voraussetzung für den Bau dieser Marina ist eine für die Region im Norden Berlins wichtige Infrastrukturmaßnahme: Nach langer Verzögerung wird Zerpenschleuse endlich wieder an den Oder-Havel-Kanal angeschlossen. Denn im Juni dieses Jahres feierte die Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg (WIN) den ersten Rammschlag für den Ausbau des Langen Trödels. So heißt ein seit Jahrzehnten stillgelegtes Teilstück des Finowkanals, das jetzt saniert und durch den Bau einer neuen Schleuse wieder schiffbar gemacht wird. Sie freue sich, „wenn Investoren das touristische Potenzial, das durch die Wiederschiffbarmachung des Langen Trödels gegeben ist, sehen und nutzen“, lässt sich deshalb Jana Radant, die Bürgermeisterin der Gemeinde Wandlitz, zitieren.

Neben wassersportbegeisterten Berlinern hat Projektentwickler Per Barlag Arnholm aber noch eine andere Nachfragegruppe im Visier: „Berlin-Touristen, speziell mit Kindern, die einen Kurzurlaub rund um Berlin planen.“ Arnholm glaubt deshalb, dass seine Ferienhäuser auch für Kapitalanleger eine lohnende Investition darstellen. Für realistisch hält er eine Vermietungsdauer von über 200 Tagen im Jahr. Dabei bezieht er sich auf Erfahrungswerte von zwei ähnlichen Anlagen in Bad Saarow und Wendisch Rietz, die er als Chef des mittlerweile vom Markt verschwundenen Unternehmens Kristensen Group Deutschland vor einigen Jahren am Scharmützelsee errichtet hat.

Allerdings wird Zerpenschleuse mit dem touristisch gut erschlossenen Scharmützelsee wohl erst einmal nicht mithalten können – für größere Einkäufe zum Beispiel werden sich die Ferienhausbewohner ins immerhin 15 Kilometer entfernte Wandlitz begeben müssen.

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