Immobilien : Groth – die Rückkehr

Kaum ein anderer baute in Berlin so viel wie Klaus Groth. Dann geriet der Baulöwe in den Strudel der Bankenaffäre. Nun will die Bundesanstalt für Arbeit Groth und Partnern das Filetgrundstück Köbis-Dreieck verkaufen. Ein Millionengeschäft winkt

Ralf Schönball

Es ist eines der letzten Grundstücke Berlins, um das sich die Investoren reißen. Denn es liegt im Herzen der Stadt. Unmittelbar gegenüber der CDU-Parteizentrale. Mitten im „Diplomatenviertel“. Das so genannte Köbis-

Dreieck, Grundeigentum der Bundesanstalt für Arbeit, steht zum Verkauf. Genauer gesagt: Es stand zum Verkauf, denn die Verträge sind geschlossen. Allerdings bleibt ein kleiner, aber doch wichtiger Vorbehalt: Der Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit muss diesen Verträgen noch zustimmen.

Und so lange die Unterschrift von Florian Gerster unter den Verträgen fehlt, würden sich die Beteiligten am liebsten in Schweigen hüllen. Nur im Umfeld jener, die über den Verkauf des Filetgrundstückes entscheiden, rumort es. In einem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es: „Das Bau- und Immobilienmanagement der Bundesanstalt für Arbeit hat eine erkennbare Groth-Präferenz.“ Dies sei auch der Grund dafür, dass ein anderer Bieter keine Chance gehabt habe. Dabei soll der Wettbewerber mehr Geld für das Bauland geboten haben. Und er soll das schlüssigere Konzept für die Bebauung der wertvollen City-Brache gehabt haben.

BA dementiert „Groth-Präferenz“

Über eine angebliche Präferenz des während der Bankenaffäre in die Schlagzeilen geratenen Bauträgers Klaus Groth will man bei der Immobilientochter der Bundesanstalt für Arbeit nichts wissen. Christoph Weber, einer von zwei Geschäftsführern, sagt: „Der Nachweis der Finanzierung war schwierig.“ Im Klartext: Der unterlegene Wettbewerber, eine Gruppe um den Unternehmer Heskel Nathaniel, habe das erforderliche Eigenkapital zum Erwerb des Grundstückes nicht aufbringen können. Deshalb sei das Geschäft im Wert von rund 50 Millionen Euro nicht zu Stande gekommen.

Im Übrigen habe Nathaniels Unternehmen eine faire Chance gehabt, das Kapital zu beschaffen. Denn die Immobilientochter der Bundesanstalt habe eine „Anhandgabe“ des Grundstücks verfügt: Das heißt, Nathaniels Gruppe habe eine gewisse Zeit mit dem Areal arbeiten und Baupläne entwickeln können, um dadurch Banken und Geldgeber für eine Finanzierung ihres Projektes gewinnen zu können.

Keine Chance zur Prüfung

Doch dem widerspricht Nathaniel: „Wenn wir diese Anhandgabe bekommen hätten, hätten wir auch die Finanzierung unseres Asia-Business-Centers (siehe Kasten) zu Stande gebracht.“ Und sein Architekt Roman Meyer erklärt: „Das Problem am Köbis-Dreieck lag doch genau darin, dass allen Bewerbern außer Groth bis heute weitgehend unklar ist, wie das Grundstück bebaut werden kann.“ Ohne diese Angaben riskiere kein Geldgeber sein Kapital und keine Bank gebe Kredit.

Hintergrund: Um prüfen zu können, ob sich ein Bauvorhaben wirtschaftlich rechnet, sind genaue Angaben über die Größe der nutzbaren Flächen erforderlich. Dadurch können Banken ermitteln, wie viel Miete durch die Neubauten in die Kassen der Entwickler fließen. Und von der Höhe dieser Einnahmen hängt es ab, ob und wie viel Kredit ein Geldhaus gewährt.

Doch die Chance, in so konkrete Verhandlungen mit Geldgebern einzusteigen, sollte die Gruppe Nathaniels nach Auffassung der daran Beteiligten nie bekommen. Weil die Entwickler um Groth und kein anderer das Grundstück erhalten sollte. Über die Gründe für diese Entscheidung wollen die unterlegenen Wettbewerber nicht spekulieren. Doch nachdem diese Entscheidung gefallen war, seien alle Türen zu gewesen für Nathaniel. So sei ein frühzeitig vereinbarter und bestätigter Termin mit der zuständigen Baustadträtin Dorothee Dubrau am Tag der Zusammenkunft geplatzt. Angebliche Begründung im Vorzimmer der Baustadträtin: „Frau Dubrau hat einen Termin mit Herrn Groth.“

Nach Auffassung des Architekten der Gruppe ist noch etwas verwunderlich: Der Senat habe eine Studie für die Entwicklung der Brache bei Machleit und Partner in Auftrag gegeben. Diese Arbeit sei allerdings dem Ausschreibungsverfahren der Bundesanstalt nicht beigefügt worden.

Klaus Groth will von Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Vergabe des Grundstückes nichts wissen. Im Übrigen sei seine Gruppe nur zu „einem kleinen Teil“ an dem Konsortium beteiligt, das das Grundstück von der Bundesanstalt kaufen und bebauen will. Groth sei für die technische Entwicklung zuständig. Mehr könne er zu dem ganzen Vorhaben nicht sagen. So habe er es mit dem Partner, dem Baukonzern Hochtief, vereinbart.

Frank Strothe, Niederlassungsleiter Nord-Ost der Hochtief-Projektentwicklung, sagt über die Vergabe des Grundstückes: „Zu dem Zeitpunkt, als die Bundesanstalt mit dem Wettbewerber verhandelt hatte, haben wir naturgemäß keine Informationen dazu erhalten.“ Zum Zeitpunkt des Verfahrens habe er lediglich über „allgemeine Marktinformationen“ verfügt. Demnach seien „die Verhandlungen mit dem Wettbewerber seitens der Bundesanstalt beendet worden, weil dieser den Kaufpreis nicht belegen konnte.“ Erst nachdem diese Gespräche gescheitert seien, sei seine Gruppe zum Zuge gekommen.

Mit im Boot bei Hochtief und Groth ist auch ein langjähriger Auftragnehmer der Bankgesellschaft Berlin: die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Die KPMG soll sich bereits vor etwa drei Jahren um den Kauf des Areals bei der Bundesanstalt für Arbeit bemüht haben. Ohne Erfolg. Durch den Einstieg in die Gruppe um Groth und Hochtief könnten die Berater nun doch zum Zuge kommen. Ganz billig soll die Wirtschaftsprüfer dieser Umweg nicht gekommen sein: Die Berater sollen eine Bürgschaft im Wert von fünf Millionen Euro abgegeben haben.

Die neue Adresse von KPMG

Im Gegenzug dürfen die Berater ihre neue Büroadresse wählen: Sie werden wohl in wenigen Jahren ihre Kunden aus dem Vorstand des Berliner Bankenkonzerns in prominenter Lage an der Spitze des Köbis-Dreieckes empfangen können. Denn die KPMG will eine der geplanten Neubauten erwerben.

Der größte Gewinner bei dem Grundstücksdeal ist jedoch Klaus Groth: Er kommt wieder ins Geschäft. Der Baulöwe war mit seiner Gesellschaft in schwierige Fahrwasser geraten, als die Immobilienpreise in Berlin zusammenbrachen. In dieser Zeit hatte Groth aber auch aus anderen Gründen für Schlagzeilen gesorgt: Seine Firma hatte die Ausschreibung für den Neubau der Bibliothek der Technischen Universität gewonnen. Die Bauverwaltung hatte nach der Empfehlung des Ingenieurbüros Ruths entschieden. Dieses Büro hatte zuvor mehrmals für Groth gearbeitet. Eine unabhängige Vergabekammer sah darin einen deutlichen Verstoß gegen die Gleichbehandlung der Bieter und hob die Entscheidung auf.

Ein zweites Geschäft von Groth sollte wenig später den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Bankenaffäre beschäftigen. Eine Tochter des landeseigenen Geldhauses wollte mit dem Bauträger eine gemeinsame Gesellschaft gründen. Und eine Bankentochter sollte neben dem Anteil des landeseigenen Geldhauses auch Groths Kapital in die Gesellschaft einbringen: Sie wollte dem Bauträger einen Kredit über fast den gesamten Millionenbetrag gewähren. Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses nahmen Anstoß an dieser „Subventionierung eines Bauträgers“. Sie luden Klaus Groth als Zeugen vor und fragten nach einem Zusammenhang zwischen dem Kredit und etwaigen Parteispenden des Baulöwen an die damals regierende CDU. Ein solcher Zusammenhang konnte nicht festgestellt werden.

Für Klaus Groth selbst sind diese Vorwürfe Teil einer „Medienkampagne“. Die Berichterstattung habe seinem Unternehmen geschadet und zu Personalabbau gezwungen. Ob sein Unternehmen nicht vielmehr wegen der Rezession am Immobilienmarkt seine vielen Neubauten nur mit Verlust verkaufen konnte? „Wir kennen unsere Situation“, sagt Groth, „und wir kämpfen wie die Löwen.“

Groths „strategische Planung“

Doch nun, da das Grundstück am Köbis-Dreieck in Reichweite ist, zeichnet sich die Rückkehr von Groth an. Es scheint, als sollte der Baulöwe Recht behalten mit einer Prognose, die er seinen Wirtschaftsprüfern bereits vor zwei Jahren machte. In der „strategischen Planung“ seiner Gruppe für die Geschäftsjahre 2001 bis 2005 hatte Groth das Köbis-Dreieck als Einnahmequelle längst fest eingeplant. In dem internen Papier beträgt das Volumen des Bauvorhabens: 344,6 Millionen Mark, 12 Prozent davon bekommt die Groth-Gruppe als „Deckungsbeitrag“.

Ein anderes Projekt muss der Baulöwe aus seiner Liste allerdings streichen: Das ist mit einem Umsatz von 105,7 Millionen Mark aber auch viel kleiner – die TU-Bibliothek.

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