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Bei einigen Nadelgehölz-Arten und Sorten wachsen die Äste mähnenartig bis zum Boden

Tassilo Wengel

Ungewöhnliche Wuchsformen wirken bei Ziergehölzen meist attraktiv. Das gilt besonders für die ausdrucksstarken Hängeformen wie bei der Weide, Birke oder Buche. Doch auch einige Nadelgehölze präsentieren diese eleganten, schleppenartig herabhängenden Zweige. Sie gehören allerdings eher zu den Seltenheiten und sollten im Garten einen besonderen Standort erhalten, wo sie wirkungsvoll zur Geltung kommen. Für die meisten dieser Gehölze ist viel Platz nötig. Damit sie sich optimal entwickeln und ihre ganze Schönheit entfalten können, sollten sie frei stehen.

Unter allen Nadelgehölzen besticht vor allem die Hängeform der Atlaszeder Cedrus atlantica ,Glauca Pendula‘ durch ihre aparte Wuchsform. Ein solches Exemplar benötigt besonders viel Platz. Denn die Sorte wird bis zu zehn Meter hoch, die Krone bis zu acht Meter breit. Die Äste werden nicht selten anfangs waagerecht geleitet und können dann mehrere Meter lang werden. Diese ausladenden Hauptäste müssen mit Pfählen abgestützt werden, damit sie nicht abbrechen. Von ihnen gehen die mähnenartig bis zum Boden hängenden Zweige ab, die für die malerische Wirkung sorgen.

Cedrus atlantica ,Glauca Pendula‘ ist schon seit über hundert Jahren in Kultur. Sie wurde in Frankreich in Sämlingsbeeten gefunden und anschließend vermehrt. Ein besonders schönes Exemplar steht im Arboretum de la Vallée aux Loups in Châtenay-Malabry, sieben Kilometer südlich von Paris. Der Baum wurde 1885 am Ufer eines Wassergrabens gepflanzt und hat inzwischen eine gewaltige Ausdehnung. Der Durchmesser der Krone ist mittlerweile auf 26 Meter angewachsen.

Auch von der Notka-Scheinzypresse (Chamaecyparis nootkatensis) gibt es attraktive Sorten in Hängeform. Die Art stammt aus dem pazifischen Nordamerika und ist von Südwestalaska bis Oregon und Washington verbreitet. Dort gedeiht sie in Höhenlagen von 650 bis 2500 Meter und bildet eine gleichmäßige Krone mit überhängendem Gipfeltrieb.

In Kultur ist vor allem Chamaecyparis nootkatensis ,Pendula‘, die zu den elegantesten Nadelgehölzen gehört. An dem bis 15 Meter hohen Stamm stehen die Äste locker und unregelmäßig kandelaberförmig ab. Für die dekorative Wirkung sorgen vor allem die dicht mit Nadeln besetzten hängenden Zweige. Während die Nadeln der Sorte ,Glauca‘ blaugrün sind, hat die Sorte ,Aurea‘ im Austrieb hellgelbe, später gelbgrüne Nadeln.

Dekorativ sind auch zwei Sorten der Lawsons-Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana). ,Intexta Pendula‘ wächst flach bogenförmig, wird zwar nur 150 Zentimeter hoch, dafür aber bis zu fünf Meter breit. Zehn Meter oder auch höher wird die Sorte ,Intexta‘. Sie wächst aufrecht. Die Äste sind elegant ausgebreitet, die Zweige und auch die Triebe sind überhängend. Die Nadeln sind meist blaugrün bereift.

Von den japanischen Inseln Honshu, Kyushu und Shikoku, aus China und Korea stammt der Tempel-Wacholder (Juniperus rigida). Die Art wurde 1861 nach Europa eingeführt und gehört seitdem mit ihrem eigenwilligen Wuchs zu den schönsten Arten der Gattung. Oft schon vom Boden an mehrstämmig, erreicht die Pflanze höchstens acht Meter Höhe und wächst kegel- bis säulenförmig. Im Alter entwickelt der Tempel-Wacholder eine breit ausladende Krone und ausgebreitete Äste, an denen dünne Zweige wie lange Mähnen herabhängen.

Auch unter den Fichten gibt es Vertreter, die mit einem sehr eleganten Habitus aufwarten können. Das gilt vor allem für die Siskiyou-Fichte (Picea breweriana). Sie stammt aus dem pazifischen Nordamerika und kommt in einem kleinen Gebiet zwischen Oregon und Kalifornien vor. Dort wächst sie nahe der Baumgrenze bis etwa 2000 Meter Höhe an trockenen, felsigen Berghängen. Der bis 20 Meter hohe Baum hat einen kegelförmigen Wuchs mit waagerecht abstehenden Ästen. Die langen Zweige hängen wie Gardinen herab und sorgen damit für eine aparte Wirkung. An alten Bäumen können diese Zweige bis zu drei Meter lang werden.

Ausgesprochen bizarr wirken die schleppenartigen Zweige der Hängefichte Picea abies ,Inversa‘, einer Sorte, die bereits 1884 in England gefunden wurde. Das im Wuchs aufrechte Gehölz wird zwischen fünf und zehn Meter hoch. Allerdings ist es ratsam, den Stamm, der dazu neigt, in einer gewissen Schräglage zu wachsen, rechtzeitig mit einem Stab abzubinden. Die Äste wachsen streng abwärts dicht am Stamm angepresst. Die Nadeln sind dicklich, glänzend grün.

Für alle genannten Gehölze ist ein sonniger Platz ideal, wobei auch lichter Schatten vertragen wird. Allgemein gedeihen sie am besten auf sandig-lehmigen bis lehmigen, mäßig nährstoffreichen Böden. Während der Tempel-Wacholder trockene Standorte bevorzugt und nur kurzzeitig mehr Feuchtigkeit verträgt, sollte man Atlaszedern, Scheinzypressen und Fichten in länger anhaltenden Trockenperioden zusätzlich wässern.

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