Haus : Bauen unter Leistungsdruck

Worauf können sich Bauherren berufen, wenn sie ein Objekt „schlüsselfertig“ herstellen lassen?

WAS STEHT INS HAUS?

Nachdem wir ein Grundstück erworben haben, suchten wir uns eine Baufirma, die uns ein Haus nach unseren Vorstellungen bauen sollte. Wir waren schließlich sehr glücklich, eine Firma gefunden zu haben, die uns das Haus schlüsselfertig anbot. Unter „schlüsselfertig“ haben wir uns vorgestellt, dass wir ein komplett fertiges Haus bekommen und keine Einschränkungen bestehen. Unsere Nachbarn haben uns jetzt darauf hingewiesen, dass wir alles genau in der Baubeschreibung hätten regeln müssen, da „schlüsselfertig“ nichtssagend und unverbindlich sei. Stimmt das?

WAS STEHT IM GESETZ?

Problematisch ist in der Tat, dass der Begriff „schlüsselfertig“ im Gesetz nicht geregelt und in der Rechtsprechung nicht klar definiert ist. Daher ist es üblich, dass bei dem Angebot zur schlüsselfertigen Errichtung eines Hauses die Baufirma eine sogenannte Bau- und Leistungsbeschreibung beifügt. Diese Beschreibung sollte von einem Bauherrn so genau wie möglich danach geprüft werden, ob darin all die – ganz konkreten – Vorstellungen enthalten sind. Ist das nicht der Fall, sollte der Bauherr sie entsprechend seinen Wünschen ergänzen. Die Baufirma wird dann wiederum prüfen, ob sie diesen Vorstellungen entsprechen kann. Zumeist werden einzelne Leistungen oder die geschuldeten Standards verhandelt, bis eine Einigung erzielt wird. Daher kommt es tatsächlich auf die vorbeschriebene und verhandelte Bauleistungsbeschreibung an, da dort konkret festgelegt wird, was im Einzelnen geschuldet ist. Ihre Nachbarn haben also durchaus Recht, wenn sie angeben, dass in dieser Baubeschreibung möglichst viel enthalten sein sollte. Denn aus einer ungenauen Bau- und Leistungsbeschreibung können sich zum Beispiel unvorhergesehene Mehrkosten ergeben. So urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) im vergangenen Jahr, dass es immer auf den genauen Vertragsinhalt ankommt, selbst wenn ein Angebot „schlüsselfertig“ abgegeben wurde. Zulasten eines Bauunternehmers kann gerade nicht von einer grundsätzlich pauschalierten Leistung ausgegangen werden.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Ich kann nur allen Bauherren dringend empfehlen, Bau- und Leistungsbeschreibungen so gründlich wie möglich zu prüfen. So sollten alle Leistungen, Baustoffe und Materialien ebenso vollständig beschrieben werden, wie der erwartete Qualitätsstandard. Weil grundsätzlich nur das geschuldet ist, was in der Baubeschreibung vereinbart wurde, sollten professionelle Dienstleister herangezogen werden, die die Verhandlungen begleiten oder zumindest die gewollte Leistung überprüfen und hinterfragen. Denn nur dann können Sie als Bauherr richtig beurteilen, ob der Preis für die Herstellung des Hauses angemessen ist. Alle Unklarheiten gehen meist zulasten des Bauherrn. Dies führt dazu, dass unvorhergesehene Mehrkosten auftreten, wenn Ihre Vorstellungen erst durch Nachträge zum Bauvertrag neu vereinbart werden müssen.

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