Haus oder Wohnung : Mieterstadt Berlin wäre gern eine Stadt der Eigentümer

Über die Hälfte der Hauptstädter wünscht sich eine eigene Wohnung oder ein Haus, zeigt eine Umfrage.

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Eigenheim – Glück allein. Mit dieser Perspektive beschäftigen sich immer mehr Berliner.
Eigenheim – Glück allein. Mit dieser Perspektive beschäftigen sich immer mehr Berliner.Foto: imago/Westend61

Berliner galten lange als besonders umzugsfreudig – alle paar Jahre zogen sie von einer Mietwohnung in die nächste. Doch angesichts der steigenden Mieten hat sich das geändert. Heute träumen die meisten Berliner vom Eigenheim: 57 Prozent würden gerne in eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus ziehen. 40 Prozent haben über den Immobilienkauf bereits ernsthaft nachgedacht. Das zeigt eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Info im Auftrag der Berliner Bank erstellt hat und die dem Tagesspiegel vorab vorliegt.

Demnach wünschen sich die Berliner im Ostteil der Stadt tendenziell eher ein eigenes Haus, während die Verbraucher im Westteil lieber eine Eigentumswohnung hätten. Besonders groß ist der Wunsch, ein Eigenheim zu besitzen, unter den Jüngeren – auch wenn sie sich eine Immobilie häufig noch nicht leisten können: 78 Prozent der 18- bis 29-Jährigen träumen von den eigenen vier Wänden. „Die anziehenden Preise am Berliner Mietwohnungsmarkt spielen hier sicherlich eine gewichtige Rolle“, sagt Stefanie Salata, Chefin der Berliner Bank.

Erfüllt haben sich die meisten Berliner den Eigenheim-Wunsch bislang allerdings nicht. So gaben in der Umfrage nur 20 Prozent der Befragten an, schon jetzt eine Immobilie zu besitzen. Dabei ist der Anteil der Wohnungs- oder Hausbesitzer im Westen der Stadt mit 22 Prozent etwas höher als derjenigen im Osten (16 Prozent). Das deckt sich in etwa mit der letzten Befragung des Statistischen Bundesamtes: Demnach fällt die Eigenheimquote in Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten besonders gering aus. So wohnen in Bremen zum Beispiel bereits gut 40 Prozent der Einwohner in den eigenen vier Wänden.

Fast jeder dritte Berliner würde eine Immobilie komplett auf Pump finanzieren

Dass das durchaus von Vorteil sein kann, zeigt eine Untersuchung, die die Bundesbank diese  Woche vorgelegt hat. Denn wer eine Wohnung oder ein Haus besitzt, konnte zuletzt von der kräftigen Wertsteigerung profitieren – wer sein Geld dagegen auf Tages- oder Festgeldkonten angelegt hat, leidet seit Jahren unter den niedrigen Zinsen. „Tatsächlich profitiert der mittlere deutsche Haushalt überhaupt nicht von steigenden Immobilienpreisen, weil die Eigentumsquoten in Deutschland besonders gering sind“, heißt es in der Studie.

Doch ein Eigenheim muss man sich auch erst einmal leisten können – und wollen. Etwas mehr als jeder vierte Berliner würde dafür maximal 1500 Euro pro Quadratmeter ausgeben. Im Osten der Stadt sind die Berliner im Schnitt sogar nur bereit, knapp 1300 Euro zu zahlen – dabei liegt der Durchschnittspreis pro Quadratmeter derzeit bei 1544 Euro. Erschreckend ist zudem die Tatsache, dass fast jeder dritte Berliner bereit wäre, eine Immobilie vollständig auf Pump zu finanzieren. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind sogar 40 Prozent für eine vollständige Finanzierung per Kredit.

Wie gut, dass es dafür nicht unbedingt einen Grund gibt: 43 Prozent der Berliner sind nämlich mit ihrer Wohnsituation durchaus zufrieden.

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