Immobilien : Helle Freude

Wege, Bäume und Wasser lassen sich im Garten mit Licht effektvoll in Szene setzen

Insa Lüdtke

Kaum hat die Gartensaison mit ihren langen Grillabenden begonnen, da werden ab Mitte Juni die Tage schon wieder kürzer. Gerade bei Dunkelheit aber erfreut sich das „Wohnzimmer im Grünen“ als ein lauschiger Ort für laue Sommernächte immer größerer Beliebtheit. „Wenn sich die Dämmerung langsam über den Garten senkt, kann man trotzdem helle Freude an ihm haben“, schwärmt Wendelin Jehle, Geschäftsführer des Schleitzer Erlebnisgartens in München. Denn nach Sonnenuntergang kann die entsprechende Beleuchtung Bäume, Sträucher und Wasserflächen romantisch in Szene setzen. Dabei sollte man nicht jeden Quadratmeter in helles Licht tauchen, sondern gezielt einzelne Details betonen und weiche Übergänge schaffen. „Ich plane am liebsten mit indirektem Licht und mit Leuchten, die dem Garten wie einer Bühnenkulisse Weite und Tiefenwirkung geben“, beschreibt Jehle seine Arbeitsphilosophie.

Doch neben der Atmosphäre sorgt Licht auch für Sicherheit: Die Gartenbeleuchtung beginnt an der Pforte. Eine gute Ausleuchtung ist nicht nur angenehm für Bewohner und Gäste, sie hält gleichzeitig ungebetene Besucher ab. Der Gartenweg „selbst“ – versehen mit einzelnen leuchtenden Pflastersteinen – kann den Weg weisen. Das Material solcher Steine ist witterungsbeständig und UV-stabil. Die lediglich zwölf Volt schwachen Leuchtdioden (LED: Light-emitting Diode) können problemlos fest in den Boden integriert werden.

Eine Alternative sind über dem Boden beidseitig des Weges installierte Lichtquellen. Dafür eignen sich besonders nach unten gerichtete Lampen oder Pollerleuchten. Neu aufgelegt wurde der Designklassiker „3-2 ½“ des Dänen Poul Henningsen aus dem Jahr 1924. Eine Abdeckung über der Leuchte schützt vor Blendung. Denn wichtig ist die Lichtrichtung. Sie sollte immer der Blickrichtung entsprechen.

Aber auch abgelegene Stellen im Garten lassen sich mit einer über dem Boden angebrachten Beleuchtung erhellen. Mit einer Funkfernsteuerung erspart man sich unnötige Wege. Der Einsatz eines Dimmers bietet zusätzlich die Möglichkeit, die Leuchten der Umgebungshelligkeit und der gewünschten Lichtintensität anzupassen. Wer keine Dauerbeleuchtung wünscht, installiert einen Bewegungsmelder.

Zweifellos zum romantischen Blickfang werden Baumkronen oder auch einzelne Pflanzen oder Objekte, wenn sie mittels Punktstrahlern ins rechte Licht gerückt werden. Sie wirken dann besonders plastisch. Allerdings können ständig beleuchtete Laubbäume, bedingt durch den „Helligkeits-Stress“ im Herbst schneller ihre Blätter fallen lassen.

Licht ist aber nicht gleich Licht: „Weißes Licht wirkt hart und hebt die Konturen stärker heraus“, weiß Jehle, „gelbliches Licht leuchtet wesentlich wärmer. Mit blauem und rotem Licht wird der Garten in eine theatralische Kulisse verwandelt.“ Eine mit grünem Licht angestrahlte Baumkrone wirkt allerdings künstlich. Ein Spot zwischen Pflanzen hindurch auf eine Hausmauer geworfen, ergibt dagegen schöne Schattenspiele.

Ganz neue, unerkannte Seiten zeigt der Garten, wenn Licht Gräser und Farne aus ihrer Umgebung hervorhebt – Effekte, die bei Tageslicht nicht möglich sind. Der Designer Klaus Begasse hat sich bei seinem Entwurf „Reeds“ die Natur zum Vorbild genommen: Feine 155 und 165 Zentimeter hohe Leuchtstäbe werden schon beim kleinsten Windhauch bewegt, so dass ein attraktives Lichtspiel entsteht. Auf der runden Bodenplatte der Leuchte sind dünne und flexible Stäbe aus glasfaserverstärktem Kunststoff installiert, auf deren Spitze weiße Leuchtdioden angebracht sind.

Einen dekorativen Anblick in der Dunkelheit kann bei entsprechender Zurückhaltung die Kombination von Wasser und Licht bieten. Doch sollten grelle Farben und eine überfrachtete Wasserfläche vermieden werden. Geeignet für eine schöne Wasserbeleuchtung sind schwimmende Kugellampen. Für einen Teich mit acht Quadratmetern Wasserfläche genügen zwei wasserdichte Lampen mit einer Leistung von je fünf Watt.

Aber auch die Terrasse lässt sich mit ungewöhnlichen Lichtquellen gestalten. Einen Blickfang dürften die Leuchtquader zum Sitzen bieten, beispielsweise „Lux-us“, entworfen von Max Kistner oder „Verdeluce“. Mit diesem Entwurf hat der Designer Franco Raggi die Funktionen einer Leuchte mit denen eines Pflanzgefäßes (34 oder 100 Zentimeter hoch) verbunden.

Wer einen Garten neu anlegt, sollte die Beleuchtung gleich mitplanen, rät Jehle. Die speziellen Erdkabel müssen verlegt sein, bevor Wege gepflastert oder Beete bepflanzt werden. Auch Leerrohre bieten sich an, in die später Kabel eingezogen werden können. Sie sollten in 60 bis 80 Zentimeter Tiefe liegen und am besten mit einer Ziegelschicht abgedeckt sein. Niedervoltanlagen haben den Vorteil, dass bei ihnen ein Transformator den Netzstrom in ungefährliche Zwölf-VoltNiederspannung wandelt. Daher können die Kabel auch oberirdisch liegen. Sie bieten bei einem möglichen Umbau die nötige Flexibilität und sind auch vom Laien gefahrlos zu installieren. Denn lediglich der Transformator wird mit einer Netzstromsteckdose verbunden. Sie muss allerdings vor Feuchtigkeit geschützt werden. Der Gartenfachmann warnt: Alle „Elektroinstallationen, die im Garten angebracht werden und Nässe und Frost ausgesetzt sind, gehören in die Hände eines Fachmanns“.

Trotz aller Technik – die Pflanzen spielen die Hauptrolle: „Man sollte darauf achten, dass ihnen die Lichtquellen nicht zu nahe kommen, denn gerade Halogenstrahler entwickeln eine starke Wärme, die Teile der Pflanzen tatsächlich verbrennen könnten“, sagt Jehle. So sind Leuchtdioden empfehlenswert, denn sie geben fast keine Wärme ab und verbrauchen wenig Strom. Sie haben allerdings nicht die gleiche Spotwirkung wie Halogenstrahler, bringen aber dennoch schöne Lichteffekte.

Trotz modernem Kunstlichtzauber – Fackeln mit einem Korpus aus Edelstahl oder schlichtes Kerzenlicht gehören bei einer Gartenparty einfach dazu. Natürliches Licht wirkt romantisch, ist flexibel und preiswert. Und es hat noch einen Vorteil: Einzeln oder selbst in der Fülle wirkt es nie billig oder kitschig.

Informationen: Peter Hagen: Licht im Garten. Verlag Eugen Ulmer, 2004. 80 Seiten. ISBN 3-8001-4233-3. 9,90 Euro; Wolfgang Seifert: Faszination Licht im Garten, Verlag Busse & Seewald, 2001. 110 Seiten. ISBN: 3-512-03236-2. 24,50 Euro; Broschüren zum Thema: Fördergemeinschaft Gutes Licht im Internet unter www.fgl.de.

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