Immobilien : Herrlich – aber gefährlich

Fingerhüte sind mit ihren farbenfrohen Blütenständen attraktiv und sehr giftig

Waltraud Hennig-Krebs,Tassilo Wengel

Pflanzen mit giftigen Substanzen in Blüten, Blättern oder Wurzeln begegnen uns überall im Alltag. Sie wachsen in Parks, auf Wiesen und in Wäldern. Auch in fast allen Hausgärten sind sie anzutreffen, als Blumen, Stauden oder als Gehölze. Die Gefahr, die von derartigen Gewächsen ausgeht, ist dennoch gering. Die meisten Gartenbesitzer wissen um die Giftigkeit ihrer Pflanzen, und es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Gärtner ihm unbekannte Beeren probiert oder aus Neugier irgendwelche Blätter kaut.

Anders verhält es sich bei Familien mit Kindern. Da ist immer Vorsicht geboten. Dem Nachwuchs kann man zwar erklären, warum sie keine Pflanzen essen oder abreißen sollen. Doch ein gewisses Risiko bleibt. Wer also sicher gehen will, sollte in einem Garten, in dem Kinder unbeaufsichtigt spielen, auf die Anpflanzung von Gewächsen verzichten, deren über der Erde liegende Pflanzenteile giftig sind. Wer unsicher ist, ob sich bereits giftige unter den bereits vorhandenen Pflanzen befinden, sollte mit einem Bestimmungsbuch seinen Garten durchforsten. So mancher Gartenbesitzer wird staunen, wie viele „Bekannte“ darunter sind, die als leicht oder sehr giftig eingestuft werden.

Zu den Pflanzen, die ausgesprochen attraktiv, aber hoch giftig sind, gehören die Fingerhüte (Digitalis) aus der Familie der Rachenblütengewächse (Scrophulariaceae). Sie sind mit ihren hohen farbenfrohen Blütenständen eine Zierde für jeden Garten, ob in der Staudenrabatte oder am Gehölzrand. Sowohl der lateinische Gattungsname, abgeleitet von digitabulum, als auch die deutsche Bezeichnung bezieht sich auf die Blütenform.

Die wohl bekannteste Art ist der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), allerdings nicht nur als giftige Garten-, sondern auch als Arzneipflanze, aus deren Blättern Herz stärkende Mittel gewonnen werden. Ihre roten, mitunter auch weißen glockigen Blüten entfaltet diese Art von Juni bis August. Sie sind hell purpur gefärbt mit dunklen, hell umrandeten Flecken im Inneren der Blüte. Als zweijährige Pflanze bildet der Rote Fingerhut im ersten Jahr eine prächtige Rosette, im zweiten Jahr entwickelt sich der attraktive, bis zwei Meter hohe Blütenstand.

Im Garten werden neben der Wildart vor allem Hybriden angepflanzt, von denen ein umfangreiches Sortiment mit interessanten Farben zur Verfügung steht. Beispielsweise bei den bis zu 150 Zentimeter hohen Excelsior-Hybriden. Die Blütenstände sind dicht mit großen, mehr seitlich abstehenden weißen, rosa oder roten Blüten besetzt, die sich weit öffnen und den Blick in das gesprenkelte Innere ermöglichen. Eine ebenfalls prachtvolle Züchtung sind die Shirley-Hybriden. Sie werden vor allem in verschiedenen Rosaschattierungen angeboten und erreichen eine Wuchshöhe von annähernd zwei Metern. Das Innere der Blüten ist häufig weißlich und lebhaft gesprenkelt. Apart sind auch die Sorten ,Apricot‘ mit gelblich-dunkelrosa Blüten und die ,Gelbe Lanze‘, die hellgelb blüht.

Alle diese imposanten Fingerhüte lassen sich gut mit zahlreichen anderen Pflanzen kombinieren. Ob am Gehölzrand oder auf dem Staudenbeet bietet sich als dekorative Begleitpflanzung der Pracht-Storchschnabel (Geranium x magnificum) an, eine blauviolett blühende Pflanze. Auch andere Bodendecker wie der Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) oder Elfenblumen (Epimedium) sind zu empfehlen. Duftig und verspielt wirken Akelei (Aquilegia-Hybriden), Sterndolden (Astrantia major) oder Pfirsichblättrige Glockenblumen (Campanula persicifolia).

Eine besonders ausdauernde Art ist der Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora). Er ist von den Alpen bis nach Westsibirien verbreitet und bevorzugt Standorte im lichten Schatten oder Halbschatten. Diese langlebige Gartenstaude wird etwa einen Meter hoch, blüht von Juli bis August und beeindruckt mit außen ockerfarbenen, innen braunen, weit offenen Blüten.

Schneidet man den Stängel nach der Blüte ab, wird die Bildung von Nebenrosetten angeregt. Dadurch erhöht sich die Lebensdauer der Pflanze, die den Garten über viele Jahre schmücken kann. Schön wirkt sie am Gehölzrand in Gemeinschaft mit Echtem Labkraut (Galium verum), Frauenmantel (Alchemilla mollis) und anderen Arten mit Wildstaudencharakter.

Durch Kreuzung von Purpurrotem und Großblütigem Fingerhut entstand 1926 einer der schönsten Fingerhüte: Digitalis x mertonensis. Die Pflanze mit ihren lachsrosafarbenen großen Blüten wird 80 Zentimeter hoch und blüht bereits im Mai und Juni. Um einem Überaltern vorzubeugen, sollte man diesen Fingerhut alle zwei bis drei Jahre nach der Blüte teilen.

Eher selten und daher meist nur in speziellen Gärtnereien erhältlich, ist der Kleinblütige oder Gelbe Fingerhut (Digitals lutea). Seine hellgelben Blüten stehen in einem schönen Kontrast zu den länglichen, dunkelgrünen Blättern. Er blüht von Juni bis September und wird 50 bis 100 Zentimeter hoch. Auch der Rostfarbige Fingerhut (Digitalis ferruginea) mit einer Wuchshöhe von etwa 125 Zentimetern wird eher selten angeboten. Seine etwa vier Zentimeter großen orchideenartigen, bräunlichen Blütenglöckchen, die im Hochsommer erscheinen, verleihen der Pflanze ein leicht exotisches Aussehen.

Eine ausgesprochene Liebhaberpflanze ist auch der Wollige Fingerhut (Digitalis latana). Er wird zwischen 70 und 180 Zentimeter hoch und zeigt von Juni bis August seine rosa, weißen oder gelben mit verschiedenen Flecken und Zeichnungen versehenen Blüten.

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