Historisches Gebäude in Berlin.Mitte : Spreedreieck-Erbauer kauft Palais Unter den Linden

Früher Sitz einer Schlafwagengesellschaft, zu DDR-Zeiten Sitz der Französischen Botschaft, nach der Wende Spekulationsobjet: Das „Französisches Palais“ Unter den Linden ist nach rund zwanzig Jahre Leerstand verkauf worden. Ein einen in Berlin nicht ganz unbekannten Investor.

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Im Herzen der Hauptstadt. Das Französische Palais, verkauft an den Investor des Spreedreieck-Hauses, liegt vis-à-vis der Komischen Oper.
Im Herzen der Hauptstadt. Das Französische Palais, verkauft an den Investor des Spreedreieck-Hauses, liegt vis-à-vis der Komischen...Foto: JJL

Das geschichtsträchtige „Französische Palais“ Unter den Linden 40 hat einen neuen Eigentümer. Käufer ist der Hamburger Harm Müller-Spreer, Immobilieninvestor in seiner Heimatstadt und in Berlin. Der neue Eigner ist auch in der Hauptstadt seit Jahren aktiv, vor allem in Mitte: Hier gehören Müller-Spreer eine Reihe von Grundstücken in bester Lage, darunter das umstrittene Spreedreieck, zu dem der „Tränenpalast“, die ehemalige Ausreisehalle der Grenzübergangsstelle Bahnhof Friedrichstraße gehört.

Der Kaufpreis für das Objekt Unter den Linden 40 liegt nach Angaben der im Alleinauftrag vermittelnd tätigen Jones Lang LaSalle GmbH im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Verkäuferin ist die Bavaria Immobilien Management GmbH & Co Unter den Linden 40 KG.

Spreedreieck
Nicht jedermanns Sache. So sieht das Gebäude tatsächlich aus: Die Fassade ist viel dunkler als im Entwurf. Tausende Lamellen verstärken diesen Eindruck noch.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: David von Becker
11.11.2010 16:37Nicht jedermanns Sache. So sieht das Gebäude tatsächlich aus: Die Fassade ist viel dunkler als im Entwurf. Tausende Lamellen...

„UdL 40“, wie das Baudenkmal von Brancheninsidern genannt wird, gehört mit mit den wuchtigen Kolossalpilastern im Obergeschoss zu den interessantesten Immobilien in Berlin. Lange lag es im Dornröschenschlaf. Die Lage zwischen zwischen dem Café Einstein und dem Hauptstadtstudio des ZDF könnte kaum besser sein.

Die Planung übernimmt David Chipperfield

Die im Krieg unbeschädigte Immobilie mit rund 10 000 Quadratmeter Bestandsfläche und der Möglichkeit, auf 17 000 Quadratmeter zu erweitern, steht nach Auszug der französischen und italienischen Botschaft seit Anfang der 90er Jahre weitgehend leer. Nun soll der in den Jahren 1906 bis 1908 errichtete Bau nach einer Komplettsanierung ab 2016 als Büro- und Geschäftshaus genutzt werden. Müller-Spreer beauftragte den britischen Stararchitekten David Chipperfield mit der Umplanung.

Das Gebäude beeindruckt mit seiner reich verzierten Fassade.
Das Gebäude beeindruckt mit seiner reich verzierten Fassade.Foto: JJL

Die künftige Bauhöhe dürfte sich an der des ZDF-Hauptstadtstudios orientieren. Zum Areal gehören auch die Grundstücke Mittelstraße 41-42, Neustädtische Kirchstraße 3 und das unbebaute Grundstück Mittelstraße 44. Ob und in welchem Umfang Bestandsbauten abgerissen werden dürfen, muss der Investor nun mit den Denkmalschützern klären.

Das Gebäudeensemble bietet eine der letzten Möglichkeiten, im historischen Bestand in Berlins exklusivster Lage ein Projekt zu entwickeln. Und so vergingen in dem Bieterverfahren mit über 350 Investoren aus aller Welt zwischen dem Versand des Exposés und dem Notartermin gerade einmal drei Monate.

Zu DDR-Zeiten gab es hier Exquisit-Geschäfte

Erbaut wurde das „Französische Palais“ durch „Wagons-Lits“, eine internationale Schafwagengesellschaft. Von Beginn an schmückten sich aber auch Mieter wie Benz Autosalon, Lanz Traktoren, die Mitropa, Hutschenreuther, die Cunard-Linie und der Norddeutsche Lloyd mit der feinen Adresse.

Prunkvoll zeigen sich auch die Innenräume.
Prunkvoll zeigen sich auch die Innenräume.Foto: JJL

Zu DDR-Zeiten waren im „Französischen Palais“ so genannte Exquisit-Geschäfte untergebracht, wie der Autor Dagobert Hoebbel in seinem Buch über „UdL 40“ berichtet: Kleidung und Kosmetika konnten zu gehobenen Preisen erworben werden.

Accor, als Rechtsnachfolger von Wagons-Lits, erhielt das Palais nach der Wende zurück und verkaufte 1993 an den Immobilienentwickler Jürgen Schneider. Nach dessen Insolvenz 1994 gehörte das Haus seit 1997 zunächst der Bankgesellschaft Berlin.

Viele Berliner und Touristen dürften das Haus vor allem als Sitz der "Berlin Story" und der gleichnamigen Buchhandlung kennen. "Wir sind mit Harm Müller-Spreer im Gespräch über die Zukunft", heißt auf der "Story"-Internetseite.

Buchtipp: Dagobert Hoebbel: Unter den Linden 40. Ein Stück Berliner Boulevard und seine Umgebung. Berlin Story Verlag , 120 Seiten, 82 Abb., 21,0 x 21,0 cm, Preis 29,95 €, nur über den Verlag zu beziehen

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