Immobilien : Hopfen, ein wertvoller Rohstoff

-

DER ROTE PUNKT

Jede Woche gibt der Botanische Garten eine Liste mit besonders sehenswerten Pflanzen heraus, die durch ihre Blüten oder auch Früchte beeindrucken. Sie sind auf dem Gelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Aus Platzgründen können wir nur jeweils ein Gewächs vorstellen. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.bgbm.org .

Freiland . In einigen Gegenden Süddeutschlands gehört der Hopfen zum Landschaftsbild. An meterhohen Stangen, die aneinander gereiht große Felder bedecken, rankt das Blattwerk. Angebaut wird dort allerdings die Kulturform von Humulus lupulus, wie der wissenschaftliche Name des Gemeinen Hopfens lautet, der einzigen bei uns heimischen Wildart.

Der Standort der „Pflanze der Woche“ im Arzneipflanzengarten weist auf eine weitere Verwendungsmöglichkeit hin. Denn nicht nur fürs Bier brauen benötigt man den Hopfen. Er wird auch als Heilpflanze genutzt. Denn in den Zapfen sind die Bitterstoffe Humulon und Lupulon enthalten sowie ätherische Öle und Gerbstoffe. Diese Inhaltsstoffe sind häufig in Präparaten zu finden, die unter anderem gegen nervöse Magenbeschwerden, bei Schlafstörungen und allgemeiner Nervosität eingesetzt werden.

In wilder Form wächst der Hopfen in nährstoffreichen Stauden und ausdauernden Unkrautfluren, in Bruch- und Auenwälder – überall dort, wo es feuchte bis nasse Ton- und Lehmböden gibt. Der Wurzelstock ist etwa 30 bis 40 Zentimeter lang und zehn bis 15 Zentimeter dick. Er bildet den Reservespeicher für die heranwachsende Pflanze, die sich bis zu einer Wuchshöhe von etwa 75 Zentimetern nahezu ausschließlich aus dem Wurzelstock ernährt. Die Haupt- und Triebwurzeln, die eine Länge von über drei Metern erreichen, dienen zur Aufnahme von Nährstoffen und vor allem zur Wasserversorgung. Im Frühjahr wachsen aus dem Wurzelstock die Triebe, diese sind mit Klimmhaaren besetzt. Sie dienen zur besseren Haftung beim Hochranken. Der Hopfen windet sich im Uhrzeigersinn bis zu sechs Meter – in Kultur etwa zwölf Meter – an anderen Pflanzen oder Rankhilfen empor.

Hopfenpflanzen sind zweihäusig. Das heißt, an einer Pflanze sind entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten. Sie stehen in achselständigen Rispen. Die weiblichen Rispen werden durch die verwachsenen Nebenblätter mit zahlreichen gelben Lupulindrüsen zapfenartig vergrößert. Sie verdecken nach der Reife die Blüten fast vollständig. In diesen Drüsen sind die Sekrete mit den wertvollen Inhaltsstoffen.

Heutzutage wird Hopfen fast ausschließlich zur Herstellung von Bier verwendet. Zwei Hauptinhaltsstoffe des Lupulins spielen dabei eine wichtige Rolle: Humulone und Lupulone erzeugen den leicht bitteren Geschmack des Bieres, das Aroma kommt vom Hopfenöl. Auf diesen natürlichen Rohstoff können auf Qualität achtende deutsche Brauereien (Reinheitsgebot) nicht verzichten. Denn Versuche, Hopfen durch andere Rohstoffe oder gar synthetische Produkte zu ersetzen, sind entweder gescheitert oder wirtschaftlich uninteressant.

Wann Hopfen in Europa erstmals zur Bierbereitung verwendet wurde, ist bis heute umstritten. Eine These lautet, dass die Verwendungsmöglichkeit ursprünglich aus dem Kaukasus zu uns gekommen ist. Das wäre eine Erklärung dafür, dass der russische Name für Hopfen „chmelj“ lautet, was auch Rausch bedeutet. Mit großer Sicherheit steht fest, dass in der Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert die Hopfenkultur in Mitteleuropa ihren Anfang nahm. Als der ursprüngliche Wildhopfen nicht mehr genügend Dolden für die Verwertung lieferte, begann man mit seiner Kultivierung. W.H.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben