Immobilien : Ihren Platz an der Sonne verdient

CHRISTOF HARDEBUSCH

Neue Solaranlagen auch im Breitentest störungsfrei / Mietrecht ist hinderlichVON CHRISTOF HARDEBUSCH Thermische Solaranlagen, zur Brauchwassererwärmung, zur Heizungsunterstützung oder für beides, finden sich auf immer mehr Berliner Dächern.Ende 1996 waren bereits 2000 derartige Anlagen in Betrieb.Was diese beeindruckenden Zahlen nicht verraten: Funktionieren diese Anlagen überhaupt, und wenn ja, wie gut eigentlich? Eine bislang noch nicht veröffentlichte Bestandsaufnahme über die Leistungsfähigkeit großer Solaranlagen in Berlin zeigt ein durchwachsenes Bild. "Zehn Prozent der Anlagen laufen hervorragend, zehn Prozent zufriedenstellend und zehn Prozent schlecht.Über den Rest können wir keine Aussagen treffen", sagt Uwe Hartmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.(DGS), die die Untersuchung im Auftrag der Bauverwaltung durchführte.Grund für die hohe Dunkelziffer: Entweder haben die Anlagen keine Meßvorrichtung, und wenn sie doch eine haben, wurden die Werte nicht abgelesen."Für große Anlagen sollten Meßgeräte zur Pflicht werden", fordert Hartmann denn auch.Dennoch läßt die Bestandsaufnahme - untersucht wurden 51 Anlagen mit mindestens 20 Quadratmetern Kollektorfläche - einige Rückschlüsse zu. K Befund Nummer Eins: Solaranlagen rechnen sich frühzeitig geplant im Neubau besser als im Altbau.Denn im Bestand werden zur Installation häufig Mauerdurchbrüche und andere Sonderarbeiten fällig, die den Gesamtpreis in die Höhe treiben. K Befund Nummer Zwei: Neuere Anlagen der sogenannten "dritten und vierten Generation" arbeiten in der Regel sicher und problemlos.Dies bestätigt ein Breitentest der Stiftung Warentest Berlin, der bereits 1994 diese Diagnose stellt. K Befund Nummer Drei: Bauherren sollten sich nicht von hohen Wirkungsgradziffern beirren lassen.Vakuum-Flachkollektoren und Vakuum-Röhrenkollektoren erweisen sich hierin zwar den altherbebrachten Flachkollektoren als überlegen, sind aber in der Anschaffung deutlich teurer und bringen keine, den Mehrpreis kompensierenden Mehrerträge."Röhrenkollektoren eignen sich in der Regel dort, wo die Fläche knapp ist oder besondere Auflagen, etwa durch den Denkmalschutz, aufgeständerte Flachkollektoren untersagen", sagt Hartmann. In der Praxis entscheiden auch andere Faktoren über Erfolg oder Mißerfolg einer Anlage: "Die beteiligten Gewerke müssen gut aufeinander abgestimmt sein, sonst gibt es im Betrieb Probleme", sagt Sabine Wengel.Sie ließ auf ihrem Friedrichshainer Altbau eine solare Brauchwasseranlage mit 46 Quadratmetern installieren, Kostenpunkt: 100 000 DM.Seit drei Monaten ist die Anlage in Betrieb.Die beteiligten Gewerke wie Heizungsbauer, Solarbauer und Planer hatten einige Abstimmungsprobleme, die sich auf den Betrieb auswirkten.Pumpen waren nicht kompatibel oder erzeugten zu viel Druck.Mittlerweile haben die Ingenieure diese Anfangsprobleme gelöst. Ein anderes Problem kann nur der Bundestag lösen."Weil wir von der Sonne natürlich keine Quittung erhalten, ist es rechtlich nicht zulässig, unseren Mietern die erzeugte Wärme in Rechnung zu stellen", sagt Wengel.Hintergrund: Vermieter dürfen Mietern nur die Energie weiterverkaufen, die sie selbst beim Gas- oder Öllieferanten gekauft haben und in Rechnung gestellt bekamen - so will es das Mietrecht.Im Gegensatz zur Gasag liefert die Sonne ihre Energie aber gratis.Dürften die Vermieter ihre Energielieferung umlegen, könnten sie davon Instandhaltungsrücklagen für die Solaranlage bilden.Derzeit darf der Vermieter nur die nicht geförderten Investitionskosten auf die Kaltmiete umlegen; Wartungsaufwendungen kann sie bei der jährlichen Abrechnung von Betriebskosten am Jahresende von den Mietern zurückverlangen. Das Gütesiegel "Hervorragend" hat in der DGS-Untersuchung die solare Brauchwasseranlage des diakonischen Seniorenwohnheims Mathilde Kirschner im Bezirk Tiergarten erhalten.Seit 1994 läuft die 112,5 Quadratmeter große Flachkollektoranlage störungsfrei.Trotz des günstigen Anschaffungspreises zählt sie in Punkto Warmwasserertrag zu den besten Anlagen Berlins."Für uns ist das ein Beitrag zur Erhaltung der Schöpfung", begründet die Umweltbeauftragte des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg, Birgit Schirmeier, ihr Engagement.Besonders in Heimen und Krankenhäusern mit ihrem konstanten Bedarf an warmem Wasser seien solarthermische Anlagen sehr zu empfehlen.Zumal ein Selbstverbraucher tatsächlich an der Energierechnung spart, und nicht den Lücken der Gesetzgebung ausgeliefert ist.

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