Immobilien : Im Zeichen von Euro und Globalisierung

MICHAEL HARTER

Zum vierten Mal fand vom 12.bis 14.November im französischen Cannes die bedeutendste europäische Fachmesse für Einzelhandelsimmobilien statt.Auf der sogenannten Mapic informierten sich über 2700 Besucher an den Ständen von rund 1400 Firmen aus mehr als 40 Ländern.Wie die bekanntere, Pflichtveranstaltung Mipim findet auch die Mapic im Kongreßzentrum an der einst mondänen Promenade Croisette statt: zwischen Yachthafen und Hotelpalästen.Auch die Teilnehmer der Mapic rekrutieren sich aus den Führungsetagen von Projektentwicklern, Einzelhandelskonzernen, Investoren und Finanzierern, sowie aus Beratern und Architekten und natürlich aus Baukonzernen.

In diesem Jahr stand die Konferenz verstärkt im Zeichen der Internationalisierung, wenn nicht sogar der Globalisierung der Einzelhandelsmärkte.Dabei waren insbesondre die mit den Expansionsplänen von Konzernen verbundenen Immobilienprojekte Thema.So suchten auf der Mapic schwedische und britische Betreiber von Factory Outlet Centern nach deutschen und italienischen Einzelhändlern.Französische Immobilienfonds dagegen stellten ihre Investitionen in Einzelhandelsimmobilien in Polen, Tschechien und Ungarn vor.Schließlich zeigten norwegische und dänische Bauträger die Pläne für weitere Shopping Center in Warschau.

In der polnischen Hauptstadt stießen die nordischen Länder auf französische Partner.In derselben Lage hatte sich bereits die französische Einzelhandelskette Carrefour eingekauft.Sie will einen "Hypermarché" eröffnen.Dieser soll als Magnet Besucher in das Areal lotsen und damit auch anderen Einzelhändlern in der Mall gute Geschäfte verschaffen.Das hofft zumindest die für die Vermietung von Restflächen zuständige Immobilienberatung Healey & Baker.

Auch deutsche Unternehmen zeigten starke Präsenz in Cannes, allen voran die Metro Immobilien Holding.Sie akquirierte für ihre Einkaufszentren in Deutschland, Polen und der Türkei noch Mieter.Ebenso in Cannes vertreten: das mittelständische Unternehmen DIVA-Immobilien.In Zusammenarbeit mit der GfK Marktforschung GmbH bietet es multimediale Analysen der Einzelhandelsstruktur von Städten auf CD-ROM an.Angesichts der zunehmenden Verflechtung der europäischen Einzelhandelsmärkte zählten auch die Folgen des Euros zu den Schwerpunktthemen der Messe.

Eine stärkere Konzentration von Unternehmen sei zu erwarten, wobei kleine, unflexible Einzelhändler das Nachsehen haben werden, so der gemeinsame Nenner der Debatten.Für Miguel Rodriguez, Finanzdirektor des Projektentwicklers Grupo Riofisa, ist zudem ausgemacht, daß vor allem Spanien von dem gemeinsamen Markt profitieren wird.

Zahlreiche neue Mieter erwartet Rodriguez, denn der Euro werde das Wachstum des iberischen Marktes antreiben.Hintergrund des Optimismus: Da die Wechselkurse in Euroland festgezurrt sind, braucht kein Unternehmen unkalkulierbare Abwertungen oder Aufwertungen seiner nationalen Währung zu befürchten.Für die Spanier ist nach Europa Südamerika der zweitgrößte Markt.Dort handeln die Unternehmen traditionell mit US-Dollar.Doch auch hier, so glauben die Spanier, könnte bald der harte Euro ihre Geschäfte erleichtern.

Die neue Maßeinheit hat nicht nur Vorteile.Michel Paillard weist auf die kostspielige Übergangszeit hin.Er ist Finanzdirektor der französischen Kette Auchan.Sie führt fast 200 Hypermarchés in Europa.Paillard geht davon aus, daß sein Unternehmen die Preise für seine Auslagen mindestens drei Jahre lang doppelt auszeichnen muß.So lange werde es dauern, bis auch der letzte Kunde weiß, wieviel Euro sein Baguette kostet.Der Auchan-Chef glaubt allerdings, daß sich die meisten Käufer mit der neuen Währung identifizieren können.Auch sieht der Unternehmer im Euro ein Instrument zur günstigen, langfristigen Finanzierung von Einzelhandelsimmobilien.Das werde seine Firma nutzen, um ihren Expansionskurs voranzutreiben.

Auf Abstand zum Euro blieben bis dato die Briten.Nicht mehr lange, glaubt Byrne Murphy.Er ist Vize-Präsident der britischen BAA McArthurGlen.Das Unternehmen entwickelt das Factory Outlet Center in Eichstädt bei Berlin.Murphy ist überzeugt, daß sich Großbritannien spätestens im Jahre 2000 dem Euro anschließen wird.In den nächsten 18 Monaten verdoppelt Murphys Firma die Verkaufsflächen ihrer Factory Outlet Center (FOC) von derzeit 120 000 Quadratmeter auf insgesamt 250 000 Quadratmeter.Die Zahl der Läden werde sich von 600 auf 1750 erhöhen.Da die Gesellschaft nicht nur auf den Britschen Inseln, sondern auch in Italien, Deutschland, Spanien und den Benelux-Länder mit FO-Centern vertreten ist, würde sie von einer Einführung des Euro profitieren.

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