Immobilien : Im Ziellauf liegt Brandenburg vorne

CHRISTOF HARDEBUSCH

Im Wettstreit um besseres Angebot von Wohneigentum stimmt Brandenburg Förderprogramme besser ab als BerlinVON CHRISTOF HARDEBUSCH Der "Eigentumsstrategie Berlin 2000" des Senats sei es gedankt: Der Markt für Einfamilienhäuser in der Stadt gerät in Bewegung.Rund 100 Quadratmeter Wohnfläche in den eigenen vier Wänden, zusammen mit einem 160 bis 200 Quadratmeter großen Grundstück sind für weniger als 350 000 DM zu haben - so die Verheißung.Inzwischen sind mehrere Anbieter in der Lage, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen - vorausgesetzt sie bekommen billige Grundstücke vom Land Berlin.Kaufwillige müssen bei solchen Angeboten allerdings auf den Keller und viele weitere Extras verzichten.Außerdem steckt ein Pferdefuß in der Förderung.So liegen unter dem Strich die günstigeren Angebote nach wie vor im Brandenburgischen Umland. "Wir wollen die Preissenkungspotentiale im Hausbau ausschöpfen", sagt Wolfgang Hummel, Referent in der Bauverwaltung, über das Anliegen der "Eigentumsstrategie".Dieses Ziel ist auch in Sichtweite.Das hat unlängst die Wohnungsbaugesellschaft Hohenschönhausen (Howoge) aufgezeigt.Ihr "Berlin-Brandenburg-Haus", ein traditioneller Kalksandsteinbau mit Satteldach, wird schlüsselfertig 200 000 DM kosten.Die Gesellschaft strebt einen Komplettpreis mit Grundstück von 350 000 DM an.Wo die Eigenheime allerdings stehen werden, ist bislang noch ungewiß: "Wir arbeiten konzentriert daran, Grundstücke zu bekommen", sagt Howoge-Sprecher Norbert Beyer. Ihre Grundstücke längst gefunden hat die Wohnbauten-Gesellschaft "Stadt und Land".Sie bietet ein Reihenhaus in Holztafelbauweise inklusive 165 Quadratmeter großem Grundstück für 307 000 DM an.Das schlichte, funktionale Gebäude - Ausbaumöglichkeiten gibt es gegen Aufpreis - ist Teil der Siedlung "Gartenstadt Rudow" am südlichen Stadtrand.Städtebaulich ist die Siedlung gelungen.Auch ökologisch: Ein Blockheizkraftwerk versorgt sie mit umweltfreundlich erzeugter Energie.Einen Markt für dieses Produkt gibt es auch.1000 Nachfragen in der Mehrzahl von jungen Familien mit Kindern liefen auf, "30 bis 40 davon sind ernsthafte Interessenten", sagt Stadt und Land-Sprecherin Karin Petzold. Ernsthaft interessiert war auch Wolfgang Erfurth.Seine nähere Prüfung des Angebots ernüchterte ihn allerdings.Da das Land der Gesellschaft das Grundstück bereits preiswerter überlassen hat, kommt eine Förderung des Landes für den Käufer des Hauses nicht mehr in Betracht.Diese hier nicht gewährte Förderung besteht aus zinsverbilligten Darlehen: Die Eingangszinssätze liegen je nach Einkommen des Antragstellers zwischen 2,1 und 4,4 Prozent.Das ist um ein Vielfaches günstiger als marktübliches Baugeld von Banken und Versicherungen.Nur durch das billige Baugeld wäre für "Normalverdiener" das preiswerte Wohneigentum erschwinglich.Der enttäuschte Interessent Erfurth errechnet aus dem Wegfall der Förderung Mehrkosten von 80 000 DM: "So wird das 300 000 DM-Haus flugs zum 400 000 DM-Haus", rechnet er dieser Zeitung vor.Diese Rechnung ist etwas hoch gegriffen.Der Quadratmeter Bauland in Rudow Süd kostet nur 450 DM, Erschließung inklusive.Das liegt deutlich unter dem Durchschnittspreis für Grund und Boden in der Hauptstadt. Allerdings räumt auch Heinrich Kahrs von "Stadt und Land" ein: "Der Wegfall der Förderung hebt für bestimmte Kundenkreise die Vorteile des günstigen Baulandes wieder auf".Nachrechnen lohnt sich also, gerade für Haushalte mit geringen Einkommen, immer - professionelle Beratung ist empfehlenswert. Der Anspruch auf Landesförderung besteht überall dort nicht, wo das Land im Rahmen der "Eigentumsstrategie" die Baugrundpreise nicht nach Verkehrswert, sondern durch ein Bieterverfahren ermittelt.Dies gilt nicht nur für die "Gartenstadt Rudow", sondern auch für drei Projekte in Biesdorf-Süd.Unter anderem wird hier die Wohnungsbaugesellschaft Marzahn Eigenheime plus Grundstück für 350 000 DM anbieten."Berlin will eine Doppelförderung vermeiden", erläutert Axel Föbinger von der Baugrund AG.Die Baugrund erschließt den Grund und Boden und führt die Bieterverfahren durch.Der so erzielte Bodenpreis, 350 DM pro Quadratmeter, ist für Berliner Verhältnisse außerordentlich kundenfreundlich; der Wegfall der Landesförderung nicht immer.Verlautbarungen aus der Bauverwaltung zufolge wird über dieses Förderproblem aber noch diskutiert. Brandenburg geht mit seinem Programm "Märkisches Haus / Märkisches Wohnen" ähnliche Wege wie Berlin.Flächensparendes und kostengünstiges Bauen heißt auch hier die Devise.Und das Umland macht es aus Sicht von "Normalverdienern" besser als die Hauptstadt: Hier kollidiert die Neubauförderung nicht mit dem Eigentumprogramm - sondern ist darauf abgestimmt.So locken jenseits der Landesgrenze Hausangebote, die trotz der Berliner Preisoffensive attraktiv bleiben.Zum Beispiel in der künftigen S-Bahn-Stadt Hennigsdorf.Dort feierte die Wohnungsbaugesellschaft Hennigsdorf (HWB) in der vergangenen Woche Richtfest für ihre Siedlung "Am Waldrand".Das Angebot: Reihenhäuser in Holzrahmenbauweise inklusive Grundstück für 325 000 DM.Im Preis enthalten sind Balkon, Dachaustritte mit Gaube und verstärkter Glaseinsatz zur besseren natürlichen Innenraumbeleuchtung. In Berlin gibt es Derartiges oft nur gegen Aufpreis.Eingebettet sind die Häuser in ein an die 20er Jahre erinnernde Siedlung.Sie stehen im Karree, in dessen begrünter Mitte kein Auto fährt.Das wird vor allem Kinder freuen und deren Eltern beruhigen.Individualisten mögen dies eher abschreckend finden, denn das Grün ist Gemeinschaftseigentum."Die individuelle Wohnform Eigenheim wird durch dieses Element gemeinschaftlichen Wohnens bereichert", sagt HWB-Geschäftsführer Holger Schaffranke.Und eine Antwort auf die neuen günstigen Berliner Angebote hat er auch schon: Die abgespeckte Version des HWB-Hauses wird mit Grundstück nur noch 275 000 DM kosten.

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