Immobilien : Immergrün mit leuchtenden Früchten

Vielfältig sind die Blattformen und -farben der Stechpalmen. Doch nur wenige Arten sind frosthart

Tassilo Wengel

Zu den verkannten Schönheiten im Garten gehören noch immer die Stechpalmen (Ilex). Sie sind vor allem als immergrüne Gehölze mit lederartigen, meist stachligen Blättern bekannt. Doch wer sich mit ihnen näher beschäftigt, wird überrascht sein, wie unterschiedlich vor allem die Blattformen und -farben, aber auch die roten und schwarzen, seltener die gelben Früchte der zahlreichen Sorten sind.

Obwohl die Stechpalme – auch Hülse genannt – in unseren Gärten immer etwas fremd und exotisch wirkt, ist sie ein ursprüngliches Gehölz unserer heimischen Pflanzenwelt. Sie kommt vor allem als Unterwuchs in Buchen-, Eichen- und Hainbuchenwäldern vor und reicht in ihrer Verbreitung vom atlantischen Europa bis nach Asien. Ilex ist nur eine der etwa 300 Arten umfassenden Gattung, die eine eigene Familie, die Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae), bildet. Die meisten Verwandten unserer hiesigen Stechpalme wachsen in tropischen Gebieten der Erde und sind aus diesem Grunde auch nicht winterhart. Wer sie jedoch als Kübelpflanze frostfrei überwintert, kann eine interessante Sammlung zusammentragen. Für den Garten eignen sich wegen der geringen Frosthärte nur wenige Arten, von denen viele schöne Sorten zur Auswahl stehen.

Am bekanntesten ist die Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolium), die bereits in alten Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts erwähnt wird und manchen Klostergarten zierte. Sie entwickelt sich zu einem immergrünen, schmal bis breit kegelförmig wachsenden Strauch oder zu einem Baum bis zu 15 Metern Höhe. Die dunkelgrünen Blätter sind elliptisch bis lanzettlich, fünf bis neun Zentimeter lang, leicht gewellt und stachlig gezähnt bis ganzrandig. Von Mai bis Juni erscheinen kleine weiße, duftende Blüten. Im Herbst bilden sich an den weiblichen Pflanzen leuchtend rote Früchte. Diese Beeren sind sehr dekorativ, aber für Menschen als Nahrung giftig. Vögel vertragen sie dagegen gut, besonders Drosseln und Kernbeißer futtern sie besonders gern.

Manche Stechpalmen schmücken sich reich mit Früchten, wenn man männliche Sorten wie Atlas oder Laurifolia zur Bestäubung dazu pflanzt. Unter den grünlaubigen Sorten sind beispielsweise „Alaska“ (rote Früchte), „Amber“ (orangegelbe Früchte), „Bacciflava“ (gelbe Früchte), „J. C. van Tol“ (orangerote Früchte) oder „Siberia“ (hellrote Früchte) zu empfehlen.

Faszinierend ist die Vielfalt der bunblättrigen Stechpalmen. Einige Sorten bilden reichlich Früchte, die in auffälligem Kontrast zum gelbgrünen oder weißgrünen Laub stehen. Schöne Beispiele dafür sind „Gold Flash“ (gelb gefleckt, rote Früchte), „Golden van Tol“ (gelb gerandet, orangerote Früchte)‚ „Handsworth New Silver“ (weiß gerandet, rote Früchte) oder „Rubricaulis aurea“ (gelber Rand, rote Früchte).

Durch Kreuzung von Ilex aquifolium mit der sehr winterharten Ilex rugosa enstand die immergrüne Ilex x meservae. Die Sorten zeichnen sich durch sehr gute Frosthärte sowie dunkle Blätter aus und können teilweise auch mit schönen Früchten aufwarten. In Kultur sind vor allem die beiden weiblichen Sorten „Blue Angel“ und „Blue Princess“ mit blaugrünen Blättern und leuchtend roten Früchten sowie die männliche Sorte „Blue Prince“. Schön ist auch „Golden Girl“, ein dichter Strauch mit gelben Früchten. Sie eignen sich alle gut für geschnittene Hecken von ein bis zwei Metern Höhe.

Einen Formschnitt verträgt auch die Japanische Stechpalme (Ilex crenata) gut, die von Nord- bis Südjapan verbreitet ist. Diese immergrüne Art erreicht eine Höhe und Breite von zwei bis drei Metern und hat kleine elliptische bis länglich-lanzettliche Blätter bis drei Zentimeter Länge. Sie sind glänzend dunkelgrün und haben einen gesägten Blattrand. Von Mai bis Juni erscheinen kleine weiße bis hellgelbe Blüten aus denen sich schwarze Beeren entwickeln. Inzwischen gibt es etwa 150 Sorten, die wegen ihrer guten Schnittverträglichkeit vielseitig einsetzbar sind, allerdings teilweise eine geringe Frosthärte aufweisen.

Weniger empfindlich dagegen sind „Braddock Heights“ (dunkelgrüne Blätter, Höhe 150 Zentimeter), „Green Hedge“ (dunkelgrüne Blätter, Höhe 120 Zentimeter), „Helleri“ (Blätter zierlich, Höhe 50 Zentimeter) und „Fastigiata“ (Wuchs säulenförmig, Höhe drei bis vier Meter). Diese Sorte eignet sich besonders für Hecken. Als flach wachsender Strauch ist „Golden Gem“ mit seinen gelbgrünen Blättern im Winter besonders attraktiv. Die Sorte „Glory“ – meist als „Glorie Gem“ bezeichnet – wächst kugelförmig. Für den Steingarten oder als Kübelpflanze eignet sich „Stokes“, eine sehr niedrige, gedrungen wachsende Sorte.

Kaum bekannt, aber besonders schön ist die sommergrüne Rote Winterbeere (Ilex verticillata). Dieser Strauch bildet länglich lanzettliche Blätter bis sieben Zentimeter Länge, die sich im Herbst gelb bis orange färben. Von Juni bis Juli erscheinen in den Blattachseln der weiblichen Pflanzen weiße Blüten in Büscheln, aus denen sich leuchtend rote Früchte bilden. Sie schmücken oft die gesamte Länge der Zweige und bleiben bis zum Spätwinter erhalten. Die Rote Winterbeere ist gut frosthart und gedeiht am besten auf einem vollsonnigen, aber kühlen Standort und feuchtem Boden.

Dagegen benötigen alle immergrünen Stechpalmen einen windgeschützten, halbschattigen bis schattigen Standort und vertragen nur in den luftfeuchten Küstengebieten volle Sonne. Der Boden sollte humusreich sein und immer eine gewisse Feuchtigkeit aufweisen, denn trockenen Boden vertragen Stechpalmen nicht. Besonders schädlich sind für sie Kahlfröste mit austrocknenden Winden, weil sie nicht – wie zum Beispiel die immergrünen Rhododendren – die Blätter zusammenrollen und die Verdunstung einschränken. Da sie bei gefrorenem Boden kein Wasser aufnehmen können, vertrocknen sie; gewissen Schutz bietet eine dicke Laubdecke, die den Boden frostfrei hält.

Bezugsquellen: Havelländische Baumschule, Chausseestraße 13 a, 14542 Plessow, Tel. 033 27/ 409 02, Fax: 033 27/ 409 03, www.havellaendische-baumschulen.de ; Hans-Georg Buchtmann, Hafenstraße 14, 26316 Varel / Jadebusen, Tel. 044 51 / 49 36.

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