Immobilien : Immergrün und essbar

Der Echte Lorbeer ist nicht nur eine dekorative Kübelpflanze, sondern auch Gewürzlieferant

Tassilo Wengel

Eine unserer ältesten Kulturpflanzen ist der Lorbeer (Laurus). Bereits um 1500 wurde er in den Gärten von Kaiser Maximilian I. (1459-1519) gehegt und gepflegt. Zu den Vorzügen des Ziergehölzes gehört, dass es pflegeleicht und immergrün ist und durch Schnitt leicht geformt werden kann. Außerdem wird sein aromatisches Laub als Küchengewürz geschätzt. Wer eine Kübelpflanze besitzt, kann getrost immer wieder Blättchen ernten. Dieser Verlust macht den Lorbeer-Kronen nichts aus.

Die Heimat des Lobeers erstreckt sich über das gesamte Mittelmeergebiet bis nach Kleinasien und auch auf den Azoren und auf Madeira ist er zu finden. Seine Kulturgeschichte reicht weit bis in das Altertum zurück: Die Griechen widmeten ihn als Symbol der Reinheit dem Gott Apollon. Man pflanzte Haine an den Tempeln, und bei den Spielen in Delphi wurden die Sieger mit Lorbeerkränzen geschmückt. Später verehrten die Römer den Gott und übernahmen den Brauch der Griechen. Mit Lorbeer schmückten sich Dichter und Wissenschaftler. Auch Feldherren bekränzten sich mit den immergrünen Blättern nach gewonnenen Schlachten bei ihren Triumphzügen durch Rom.

In der Renaissance ernannte man den besten Dichter seiner Zeit zum poeta laureatus. Einer der ersten war Francesco Petrarca (1304-1374), italienischer Lyriker und Geschichtsschreiber, der als Wegbereiter des europäischen Humanismus gilt. Seit dieser Zeit waren geistige Leistungen eines Lorbeerkranzes würdig und noch heute bezeichnet man einen preisgekrönten Wissenschaftler als Laureat. Die lateinische Bezeichnung der Lorbeerfrucht bacca lauri steckt in den Worten für die Universitätsgrade baccalauréat in Frankreich und bachelor im Angelsächsischen. Und „Lorbeeren“ kann mitunter jemand ernten, der erfolgreich war. Die medizinische Bedeutung des Lorbeers erkannte bereits die Äbtissin Hildegard von Bingen (1099-1179).

Seit dem 17. Jahrhundert wird das nicht winterharte Gehölz als Zierpflanze verwendet. Vor allem kunstvoll geschnittene Exemplare gehörten neben mediterranen Pflanzen zum Bestand in Orangerien. Den Höhepunkt seiner Beliebtheit erlangte der Lorbeer vor allem in der Wilhelminischen Zeit, wo er zwischen 1870 und 1918 bei festlichen Empfängen und Begräbnissen als schmückendes Beiwerk unentbehrlich war. Damals bezog man die Pflanzen vor allem aus Belgien, wo hauptsächlich in den Gebieten um Brügge und Gent zahlreiche Gärtnereien die Pflanze kultivierten. Abnehmer fanden sich in ganz Europa, auch in Russland, bis der erste Weltkrieg diesem Boom ein Ende bereitete.

Erst seit rund zwanzig Jahren ist der Lorbeer erneut auf dem Vormarsch und wieder eine belgische Spezialität. Allerdings vor allem als so genannter „Küchenlorbeer“, der als zweijährige Pflanze von etwa 30 Zentimetern Höhe ein lukratives Geschäft ist. Denn die Anzucht formvollendeter Säulen oder Kugeln auf Hochstamm gezogen, ist langwierig, erfordert Geduld und gärtnerisches Können. Um eine Krone von etwa 50 Zentimetern Durchmesser zu erhalten, können bis zu zehn Jahre vergehen.

Vom Lorbeer, der eine eigene Familie (Lauraceae) bildet, sind nur zwei Arten bekannt. Auf den Azoren und den Kanarischen Inseln endemisch (nur dort vorkommend) ist Laurus azorica. Er wird etwa fünfzehn Meter hoch und bildet die Baumschicht in den so genannten Lorbeerwäldern. Diese Art hat als Zierpflanze keine Bedeutung. Kultiviert als Kübelpflanze wird der „Echte Lorbeer“ (Laurus nobilis), eine Art, die im gesamten Mittelmeerraum und auf dem Balkan verbreitet ist und im Tessin das nördlichste Vorkommen hat. Das Gehölz bildet immergrüne, hohe Sträucher, seltener Bäume. Der Wuchs ist kegelförmig und die elliptischen, an beiden Enden zugespitzten Blätter sind glänzend dunkelgrün, maximal zehn Zentimeter lang und haben häufig einen leicht gewellten Rand. Im März erscheinen kleine grünlichgelbe Blütenbüschel in den Blattachseln, aus denen sich schwarze, längliche „Lorbeeren“ bilden. Das geschieht allerdings nur dann, wenn man männliche und weibliche Pflanzen besitzt. Schneidet man den Lorbeer regelmäßig in Form, muss man ohnehin in den meisten Fällen auf die Bildung der Blüten verzichten. Neben der Art kann man gelegentlich eine gelbliche Auslese finden, die als ,Aurea‘ angeboten wird.

Der Lorbeer erhält von Mitte Mai an einen sonnigen Standort im Freien, sollte aber vor intensiver heißer Mittagssonne geschützt werden. Er gedeiht auch im lichten Schatten noch gut. Gegossen wird er nur mäßig, so dass keine Staunässe auftritt. Nach Bildung der Triebe verträgt er auch kurzzeitig Trockenheit. Er sollte bis in den August hinein alle zwei Wochen gedüngt werden.

Sobald die Temperaturen beträchtlich unter den Gefrierpunkt sinken, kommt die Pflanze in einen hellen frostfreien Raum mit Temperaturen bis zu zehn Grad Celsius. Auch ein halbdunkles, trockenes, kühles Quartier ist geeignet. Dann darf die Temperatur fünf Grad Celsius nicht übersteigen. Während der Winterzeit wird nur sporadisch gegossen. Denn auf zu viel Wasser reagiert die Pflanze mit Blattfall und Wurzelkrankheiten. Ab Mitte Februar kann man mit dem Formschnitt beginnen, sofern das nicht schon im August geschehen ist. Dazu verwendet man eine Garten- und keine Heckenschere. Da die Wundränder der Blätter verbräunen, dürfen sie beim Rückschnitt nicht verletzt werden. Um besonders schöne und dichte Pflanzen zu erzielen, entfernt man nach dem Neuaustrieb die Spitzen nach zwei Blättern. Alle vier bis fünf Jahre sollte das Ziergehölz umgepflanzt werden.

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