Immobilien : Immobilien als Altervorsorge überschätzt? Berenberg Bank rechnet mit Verfall der Preise

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Immobilienbesitz ist in Deutschland nach Einschätzung des Generalbevollmächtigten der Hamburger Berenberg Bank, Michael Schramm, keine Garantie mehr für eine gesicherte Altersvorsorge. „Wenn man weiß, dass es in der nächsten Generation weniger Nachfrage nach Wohnraum geben wird, muss man sich die Frage stellen, ob Immobilien im eigenen Vermögen noch richtig gewichtet sind“, sagte Schramm der Deutschen PresseAgentur. 60 Prozent des Vermögens deutscher Familien liege in vermieteten Immobilien.

Schon jetzt seien Immobilienpreise in mittelgroßen Städten wie Kiel, Lübeck oder Neumünster zurückgegangen, berichtete Schramm. Als Gründe für ein künftiges Überangebot an Wohnraum nannte er den zu erwartenden Bevölkerungsrückgang in Deutschland sowie strukturelle Veränderungen an den Wirtschaftsstandorten. Nach einer Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes sinkt die Zahl der Einwohner vom Jahr 2013 an bis 2050 auf rund 75 Millionen Einwohner (mittlere Variante).

„In den vergangenen Jahrzehnten gab es durch eine wachsende Bevölkerung, durch Modernisierungen und Steuervorteile bei Immobilienverkäufen Gewinne, die zum Teil gigantisch waren“, sagte Schramm. Das sei so nicht fortzuschreiben, unter anderem weil alle Parteien Steuersubventionen auch für Investoren reduzieren wollten.

Bei der Modernisierung von Häusern und Wohnungen liege Deutschland mit seinem Standard über europäischem Durchschnitt: „Die Renditen ragen nicht mehr in den Himmel.“ Der Bankmanager erwartet, dass die Ansprüche von Mietern an Immobilien steigen werden. „Dann kann die Wohnung in Hamburg im fünften Stock mit nachträglich eingebauter Dusche nicht mehr konkurrieren mit einer vergleichbaren Wohnung – aber mit Fahrstuhl.“

Durch das Verlangen der deutschen Wirtschaft nach flexiblen Arbeitskräften werde es zu noch mehr Mobilität kommen. „Das wird dazu führen, dass sich Menschen drei Mal überlegen, ob sie Eigentum erwerben, auch wenn der Wunsch nach Immobilienbesitz in Deutschland tief verwurzelt ist“, sagte Schramm.

„Wenn sich die persönlichen Ansprüche verändern und Wirtschaftsstandorte in Frage gestellt werden, dann muss sich jeder Immobilienbesitzer auch die Frage stellen: Ist meine Immobilie wirklich die beste Altersvorsorge?“ Es sei in Deutschland nicht mehr per se gesichert, dass sie im Wert steigen. Gerade bei selbst genutzten Immobilien könnten wirtschaftliche Risiken in einer Phase kommen, in der man nicht mehr neues Vermögen aufbauen kann, aber einen Verkaufserlös für die Versorgung im Seniorenwohnheim dringend benötige, ergänzte Schramm.

In Berlin sind die Preise für Wohnungen und Eigenheime in den vergangenen zehn Jahren bereits stark gesunken. So stellte der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in vielen Lagen eine Halbierung der Werte fest. Auch kommerzielle Marktforscher wie das Institut feri bestätigte diese Entwicklung. Neben dem allgemeinen Preisverfall kam es jedoch zuletzt zu einer „Sonderkonjunktur“ in begehrten Stadtteilen wie Mitte oder Prenzlauer Berg. Hier stiegen die Preise um etwa zehn Prozent. dpa/ball

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