Immobilien in Italien : Sehnsucht öffnet alle Türen

Der „italienische Traum“ besteht weiter. Auf der Suche nach dem mediterranen Lebensgefühl bauen Ausländer verfallene Dörfer wieder auf – nicht nur in der Toskana.

von und Hanns-Jochen Kaffsack
Steiniger Weg ins Dolce Vita. Die Sanierung der Burg Fighine mit Nebengebäuden in der Toskana war ein aufwendiges Projekt.
Steiniger Weg ins Dolce Vita. Die Sanierung der Burg Fighine mit Nebengebäuden in der Toskana war ein aufwendiges Projekt.Foto: A. Armellini/dpa

Zypressen, Kastanienbäume, Pinien und Eichen umgeben das malerische Dorf Fighine in den toskanischen Bergen bei Siena. Es drohte, wie so viele verlassene Mini-Ortschaften irgendwo in Italien, ganz dem Zahn der Zeit zum Opfer zu fallen. Die „Retter“, Max und Joy Ulfane, stammen aus Südafrika – und hatten aus Liebe zur pittoresken Toskana nicht nur eine Villa, sondern dieses ganze Dorf gekauft. Um die mittelalterlichen Steingebilde rund um ein Schloss nach und nach wieder auf Vordermann zu bringen. „Wir wollten immer etwas in Italien besitzen“, erinnert sich Joy. Also gut, dass Max ein Bankexperte ist.

Von Ligurien im Nordwesten von „Bella Italia“ bis nach Sizilien legen Ausländer in den vergangenen Jahren Hand an, um sich im Schweiße ihres Angesichts und mit einer Finanzierung im Rücken den mediterranen Traum zu erfüllen. Häufig sind die Deutschen, Schweizer, Holländer, Engländer und vor allem auch Amerikaner Nachfahren jener Auswanderer, die ihr Glück einst ebenfalls in der Ferne suchten. Max und Joy Ulfane gehören nicht zu dieser Spezies. Sie waren von London aus immer wieder nach Italien zum Urlaub angereist, bevor sie dann Nägel mit Köpfen machten. Das restaurierte Fighine ist heute fest in angelsächsischer Hand, präsentiert sich im Internet nur auf Englisch.

„Es sah aus wie eine schlafende Schönheit, mit Efeu bedeckt“, sagt Max Ulfane der dpa, wie es in Fighine vor 18 Jahren aussah, als sie das Mini-Dorf erwarben. Nach zähen Verhandlungen machten sie aus dem Chaos über die Jahre hinweg Ordnung. „Was man noch mehr braucht als Geld, das ist Geduld“, fügt Joy an. Immerhin hatte in dem verlassenen Dorf, in das sie sich verliebt hatten, kaum ein Haus noch ein heiles Dach. So war über Jahre viel fachmännische Hilfe gefragt.

Landflucht in Boomzeiten ließ anmutige kleine Dörfer, oft mit einer bereits wackeligen Burg oder einem Kastell, in italienischen Tälern oder an den Berghängen im Landesinneren zurück. Besonders deutlich ist das in Sizilien zu beobachten, wo manches Dorf an den Berghängen der Vergreisung seiner Bewohner entgegendämmert. Hier ist nur noch am Monatsersten etwas los: Wenn in der Postfiliale die Pensionen ausgezahlt werden.

Meist sind es dann ausgesprochene Italien-Freaks, die mit ansteckender Energie andere mitziehen. Wie in dem 450-Seelen-Dorf Airole im ligurischen Val Roja. Dort ist heute jeder dritte stolze Hausbesitzer ein Ausländer, Deutsche, Niederländer und Franzosen tragen zu einem kosmopolitischen Europa im Mini-Format bei. Krise hin, Krise her, 2012 kauften 4600 ausländische Familien Häuser in Italien, Tendenz steigend, hielt der „Corriere della Sera“ fest. Der „italienische Traum“ besteht weiter.

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