Immobilienkredite : Auf eine hohe Tilgungsrate kommt es an

Notenbankpolitik könnte zur weiteren Verbilligung von Darlehen und zu steigenden Preisen führen.

von

Nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent durch die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet der Baugeldvermittler Interhyp damit, dass Baufinanzierungskunden von günstigen Zinsen für Immobilienkredite profitieren. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Gleichzeitig könnten die Preise für Immobilien weiter anziehen.

„Die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung sind in den vergangenen Tagen zum Teil bereits auf rund 2,5 Prozent gesunken, vor allem bei hohen Eigenkapitalanteilen. Damit haben sich Darlehen in den vergangenen zwei Monaten um rund 0,3 Prozentpunkte verbilligt“, sagte Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG. Für Immobilienkäufer bedeute der Zinsschritt in Verbindung mit der zuletzt gesunkenen Rendite für deutsche Staatsanleihen, dass Baufinanzierungskunden derzeit von günstigen Zinsen für Immobilienkrediten profitieren.

Ausschlaggebend für die jüngste EZB-Entscheidung waren nach Einschätzung der Finanzierungsexperten mehrere Faktoren. Unter anderem sei die Inflationsrate im Euroraum auf 0,7 Prozent gesunken – die niedrigste Inflationsrate seit vier Jahren. Die geringe Teuerungsrate sei ein deutliches Zeichen für eine niedrige Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Die Anleger hätten wie in den letzten Monaten auch reagiert: In Ermangelung an Alternativen investierten sie in Aktien und Staatsanleihen. Auch wenn sich einige Investoren zwischenzeitlich immer wieder an italienische und spanische Papiere getraut haben, so blieben deutsche Staatsanleihen der sichere Hafen. Die hohe Nachfrage sorgte dafür, dass die Renditen sinken. Zuletzt notierten zehnjährige Bundesanleihen bei rund 1,7 Prozent.

Die EZB-Entscheidung zeigt, dass die wirtschaftlichen und geldpolitischen Schwierigkeiten im Euroraum noch lange nicht ausgestanden sind. Die europäischen Währungshüter folgen der lockeren Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Deshalb müssen Immobilienkäufer eher nicht mit erheblich steigenden Konditionen für Immobilienkredite rechnen. „Allerdings haben wir in diesem Jahr starke Schwankungen gesehen, zum Teil auch Zinserhöhungen um 0,5 Prozentpunkte innerhalb weniger Wochen“, sagt Interhyp-AG-Vorstand Michiel Goris. „Wer ein Vorhaben plant, sollte die derzeit günstigen Zinsen nutzen und sie sich am besten langfristig sichern.“

Nachdem die Zinsen für Darlehen im September auf knapp drei Prozent gestiegen waren, können eigenkapitalstarke Immobilienkäufer im November nun für rund 2,5 Prozent finanzieren, zum Teil noch darunter. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung sind für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kommen laut Interhyp jedoch nur für Anschlussfinanzierer mit einer geringen Restschuld oder Immobilienkäufer in- frage, die hoch tilgen können beziehungsweise Flexibilität benötigen.

Grundsätzlich rät Interhyp dazu, das aktuelle Zinstief zu nutzen, um die historisch niedrigen Konditionen für 10, 15 oder sogar 20 Jahre zu fixieren. So kosten Kredite mit 20 Jahren Zinsbindungen derzeit nur rund 3,3 Prozent. Ebenso gilt weiterhin die Empfehlung, Tilgungsraten von mindestens zwei Prozent zu vereinbaren. Diese sorgen für eine schnelle Entschuldung und minimieren das Risiko einer teuren Anschlussfinanzierung. Darlehen sollten in einer überschaubaren Zeit abbezahlt werden können, möglichst bis spätestens zum Rentenbeginn. Absolute Planungssicherheit erhalten Darlehensnehmer mit Volltilger-Darlehen, die am Ende der Laufzeit vollständig abbezahlt sind. Möglichkeiten, sich einen zinsgünstigen Kredit für die Zukunft zu sichern – etwa für den Zeitpunkt, wenn die Zinsbindung des aktuellen Kredits ausläuft – sind zum Beispiel Bauspar- oder Forward-Darlehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben