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Bananen- und Strelitziengewächse können auch im Zimmer leicht zwei Meter Höhe erreichen

Tassilo Wengel

Tropische Topfpflanzen mit ihren prächtigen Blüten und Blättern geben Terrassen und Balkonen im Sommer einen Hauch von südländischem Flair. Doch spätestens, wenn die Temperaturen sinken, stellt sich die Frage, wohin mit den Wärme liebenden, mehrjährigen Gewächsen im Winter. Denn sie benötigen auch in der dunklen, kalten Jahreszeit einen hellen Standort mit Temperaturen nicht unter zehn Grad Celsius. Wer solche Voraussetzungen bieten kann, sollte sich an ein exotisches Bananen- oder ein Strelitziengewächs heran wagen.

Fast das ganze Jahr über werden die bizarren Blüten der Paradiesvogelblume (Strelitzia reginae) als Schnittblumen angeboten. Die deutsche Bezeichnung geht auf die vogelkopfähnlichen Blüten zurück: Aus einem kahnförmigen, rot, blau und grün gefärbten Hochblatt erheben sich zahlreiche Blütenblätter wie der Schopf eines Kranichs. Während die äußeren Blütenblätter kräftig orange sind, leuchten die inneren - auch Honigblätter genannt - himmelblau. Letztere sind schnabelförmig und hüllen die Staubgefäße ein. Die metallisch grünen Laubblätter, die in ihrer Form denen der Bananenstaude ähneln, verraten die Verwandtschaft mit den Bananengewächsen (Musaceae). Ursprünglich gehörten auch sie zu dieser Gattung, bilden aber nach aktueller botanischer Auffassung eine eigene Familie, und zwar die der Strelitzengewächse (Strelitziaceae).

Zu dieser Gattung gehören fünf Arten, die alle in Südafrika ihre Heimat haben. Von dort kamen die ersten Pflanzen 1773 nach Europa. William Aiton, damals Direktor des Botanischen Gartens in Kew bei London, benannte die Pflanze nach der Prinzessin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, der späteren Frau König Georgs III. von England.

Als Zimmerpflanzen werden Strelitzien schon lange kultiviert. Das gilt vor allem für Strelitzia reginae. Sie ist eine mehrtriebige, stammlose, ein bis zwei Meter hohe Staude mit immergrünen, länglich ovalen, ledrigen Blättern. Der Blütenstand kommt aus der Basis und sitzt auf einem kräftigen Stängel. Die Paradiesvogelblume braucht einen sonnigen, luftigen Platz (ohne Zugluft) und reichlich Wasser. Die Temperaturen sollten in den Monaten April bis August zwischen 18 und 25 Grad liegen. Während dieser Zeit wird wöchentlich ein bis zwei Mal gedüngt. Überwintert wird sie bei zehn bis 15 Grad an einem ebenfalls hellen Platz. Auch hier ist frische Luft sehr wichtig. Damit wird der Befall von Spinnmilben verringert, die sich in trockener, stehender Luft schnell vermehren. Da bei niedrigen Temperaturen Fäulnis an den rhizomartigen Wurzeln auftritt, sollte man während der Wintermonate sparsam gießen. Sind die Bedingungen optimal, können die Strelitzien auch im Winter blühen.

Nicht die Blüten, sondern das eindrucksvolle Blattwerk ist der Schmuck von Zierbananen (Ensete ventricosum). Vor allem die Sorte „Maurelii“ ist mit ihren dunkel-purpur gefärbten Blättern besonders attraktiv. Da Zierbananen über die Jahre eine Höhe von mehreren Metern erreichen können und die fächerförmigen Blätter dann ebenfalls eine stattliche Länge haben, sollte man eine kleine Jungpflanze kaufen.

Doch viel mehr Spaß macht es, sie aus Samen zu ziehen. Der Fachhandel führt ein entsprechendes Angebot. Die günstigste Zeit für die Aussaat liegt zwischen November und April. Der Samen wird angeraut und ein bis zwei Tage in Wasser gelegt. Anschließend wird er einzeln ein bis zwei Zentimeter tief in Töpfe mit Aussaaterde gedrückt und sehr warm gestellt. Wichtig ist, dass das Pflanzgut nicht austrocknet und eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit erreicht wird. Die Töpfe werden mit Folie oder einer Glasplatte abgedeckt. Sobald sich ein Trieb zeigt, das kann bis zu drei Monaten dauern, werden Glas oder Folie entfernt und das Pflänzchen in einen größeren Blumentopf mit durchlässiger, gut gedüngter Erde umgepflanzt. Es sollte regelmäßig nachdüngt werden. Mitte Mai kann die Jungpflanze ins Freie. Der ideale Standort ist sonnig bis halbschattig.

Während der Sommermonate muss viel gegossen werden. Allerdings ist darauf zu achten, dass keine Staunässe auftritt. Im Winter kommt die Zierbanane an einen hellen, geschützten Platz bei Temperaturen um etwa zehn Grad. Ältere Pflanzen können auch kühler (um fünf Grad Celsius) überwintern. Während dieser Zeit hält man die Pflanze recht trocken und gießt sie nur gelegentlich. Sie wächst dann nicht weiter.

Zeigen sich bei älteren Pflanzen unten am Stamm Schösslinge, ist das ein Zeichen, dass die Mutterpflanze bald abstirbt. Wer Jungpflanzen haben möchte, kann die Seitentriebe mit Wurzeln abtrennen, säubern und einpflanzen. Man füllt dazu einen Topf mit einer bis zu zehn Zentimeter hohen Drainage aus kleinen Steinen. Darauf kommt eine Erdschicht von ebenfalls zehn Zentimetern. Geeignet ist Einheitserde mit Lehm vermischt. Nun werden die Schösslinge eingepflanzt, fest angedrückt und gleichmäßig warm und feucht gehalten.

Die Zwergbanane (Musa acuminata) unterscheidet sich von der Zierbanane vor allem durch ihre Höhe von nur gut zwei Metern. Niedrige Sorten wie „Dwarf Cavendish“ oder „Valery“ erreichen höchstens 150 Zentimeter und sind daher als ganzjährige Zimmerpflanzen gut geeignet. Eindrucksvoll sind auch hier die Blätter. Sie sind bei allen Sorten groß, glänzend und oval. Im Gegensatz zur Zierbanane braucht die Zwergbanane auch im Winter Temperaturen von mindestens 20 Grad Celsius. Mit ein wenig Glück bilden ältere Exemplare in einem wohl temperierten, hellen Raum Blüten und Früchte.

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