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Das Blumenrohr lässt sich gut überwintern und blüht Jahr für Jahr aufs Neue

Tassilo Wengel

Seit gut 150 Jahren schmücken die prächtigen Blüten des Blumenrohrs (Canna-Indica-Hybride) Gartenbeete, Parkanlagen und auch Töpfe und Kübel. Selbst als Schnittblumen lassen sie sich hervorragend verwenden. Und im tropischen Amerika baut man Canna edulis als Gemüse an, um die fleischig-knolligen Rhizome zu genießen.

Die Gattung Canna ist mit etwa 50 Arten die einzige in der Familie der Blumenrohrgewächse (Cannaceae). Doch leider sind sie nicht winterhart, denn ihre Heimat sind die tropischen Gebiete Asiens und Amerikas. Dort besiedeln sie häufig Flussniederungen oder wachsen in sumpfigem Waldgelände.

Auf dem Seeweg nach Europa

Es waren die Spanier, die die ersten Pflanzen nach Europa brachten. Bereits 1586 waren sie im berühmten Garten des Laurentius Scholz in Breslau vorhanden. In seinem Buch „Vom Garten-Baw“ führte sie 1666 auch Johann Sigismund Elszholz, Gelehrter und Gärtner in Berlin, als Pflanze auf, die in den Kurfürstlichen Gärten kultiviert wurde. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Frankreich, später auch in Deutschland mit der Züchtung, an der vor allem die Wildarten Canna coccinea, Canna flaccida und Canna indica beteiligt waren. Letztere Art bekam ihren Namen, weil man anfangs Amerika für Indien gehalten hatte. Inzwischen werden schöne Sorten unterschiedlicher Farben und Wuchshöhen angeboten.

Während die übliche Höhe der meisten Sorten etwa 180 Zentimeter beträgt, gibt es auch eine kleine Auswahl von Zwergsorten wie „Puck“ (kanariengelb) oder „Perkeo“ (rot), „Lucifer“ (rot) oder „Golden Lucifer“ (gelb). Sie werden nur etwa 70 Zentimeter hoch und eignen sich vor allem zum Bepflanzen von Kübeln oder Schalen.

Die Blüten entfalten sich beim Blumenrohr an den Triebenden im Juni und können bis weit in den Oktober hinein erscheinen, sofern frostfreies Wetter herrscht. Die Blütenfarben reichen von gelb, orange, lachs, rot, rosa bis dunkelrot, auch zweifarbig blühende Sorten gibt es. Unter den zahlreichen Sorten befinden sich nicht nur solche mit grünen Blättern, sondern auch rotblättrige wie zum Beispiel „Feuerzauber“, „Garteninspektor Neuber“ oder „Tirol“. Seltener sind Pflanzen mit grün-gelb panaschierten Blättern, wie Canna indica „Variegata“.

Wie bereits erwähnt, ist das Blumenrohr nicht winterhart. Sobald also die ersten Nachtfröste auftreten, gräbt man die Pflanzen aus und schneidet die Triebe bis auf einen Rest von zehn bis fünfzehn Zentimetern zurück. Die an den Wurzeln (Rhizomen) anhaftende Erde wird nur wenig abgeschüttelt, der Rest bleibt als Verdunstungsschutz erhalten. In einem trockenen, dunklen Raum mit etwa zehn Grad Celsius lagern die Rhizome bis zum Frühjahr.

Vorkultur ab März

Damit das Blumenrohr im Juni blüht, ist eine Vorkultur ab März notwendig. Man pflanzt in Töpfe oder Schalen mit gut verrotteter Komposterde oder Einheitserde und stellt sie an einen hellen Platz bei Temperaturen um fünfzehn Grad Celsius auf. Gleichmäßig feucht, aber nicht nass gehalten, treiben sie nach etwa drei Wochen aus. Ab Mitte Mai erfolgt das Auspflanzen in den Garten oder in größere Gefäße. Wer keine Möglichkeit für eine Vorkultur hat, pflanzt die Rhizome Mitte Mai aus und kann im Juli mit den ersten Blüten rechnen.

Als Standort im Freien eignen sich für das Blumenrohr Beete in windgeschützter, sonniger Lage und nährstoffreiche Böden. Da die Pflanzen auch eine üppige Blattmasse bilden, empfiehlt sich ein Pflanzabstand von etwa fünfzig Zentimetern. Eine optimale Entwicklung und üppige Blüte ist in lehmiger Erde mit reichem Anteil von gut verrottetem Kompost sowie der Zugabe von Hornspänen oder Knochenmehl zu erwarten. Allerdings sind wöchentliche und reichliche Gaben eines Volldüngers neben viel Feuchtigkeit während der gesamten Vegetationsperiode wichtig.

Für Kübel eignen sich Zwergsorten

Sollen die Pflanzen Kübel oder andere Gefäße schmücken, dann verwendet man am besten die genannten Zwergsorten. Je nach Größe des Gefäßes pflanzt man mehrere Rhizome zusammen und wählt einen Abstand von etwa zwanzig Zentimetern. Da die Pflanzen während der Wachstumszeit viel Wasser benötigen, empfiehlt es sich, die Gefäße in einen großen Untersetzer mit Wasser zu stellen. Die regelmäßige Düngung ist bei der Kultur in Gefäßen noch wichtiger und sollte zwei Mal in der Woche mit etwa dreißig Gramm Volldünger auf zehn Liter Wasser erfolgen. Um beim Blumenrohr die Bildung neuer Triebe anzuregen, müssen die abgeblühten Sprosse gekürzt werden.

Vermehrung durch Teilung

Wer das Blumenrohr vermehren möchte, kann im Frühjahr die Rhizome teilen. Dazu verwendet man ein scharfes Messer und zerschneidet die Rhizome in Stücke, die wenigstens zwei bis drei Augen haben müssen. Nach ein bis zwei Tagen sind die Schnittflächen ausreichend abgetrocknet. Die Teilstücke können in Schalen oder Töpfe gepflanzt werden. Dabei sollten sie nur schwach mit Erde bedeckt sein. Anfangs hält man das Substrat nur gering feucht und gießt erst, wenn es genügend trocken geworden ist.

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