Immobilien : In zwei Wochen aufgebaut und bezugsfertig

Fertighäuser holen im Wettbewerb mit gemauerten Eigenheimen auf. In der Qualität können sie sich mit Massiv-Häusern messen. Im Preis auch

Rita Gudermann

„Hier werden die Gipsbautafeln auf die Innenwände montiert!“ brüllt Vertriebsassistent Christian Puls, und kann den Lärm von Tackern, Hämmern, Sägen und Bohrmaschinen kaum übertönen. In der Montagehalle duftet es nach frischem Holz. Der junge Mann führt Besucher durch das Stammhaus der Fertighausfirma Haacke in Celle. Das Unternehmen wirbt mit seiner „gläsernen Fabrik“: Die Kunden können die Fertigstellung des eigenen Hauses in Augenschein nehmen. Und das kommt an. In der Halle staunen die Besucher über die Handwerker, wie sie mit geübten Handgriffen aus Holzbalken, Holzwerkstoffplatten, Gipsbautafeln und Zellulose-Dämmplatten eine Badezimmerwand fertigen, sie mit Wasser- und Heizungsrohren, Elektrokabeln und Steckdosen versehen und die ganze Wand schließlich auf einen Lastwagen verladen.

Keine 30 Jahre ist es her, da war der Ruf der Hersteller von Fertighäusern noch arg ramponiert: Die Firmen, so hieß es, lieferten doch nur schlecht isolierte, schadstoffausdünstende Billigbuden. Doch dann kam die Wende: Mit selbst auferlegten Qualitätsstandards und Garantien kämpften die Firmen gegen den schlechten Leumund an. Mit einer breiten Modellpalette und Häuser zum selbst Ausbauen eroberten sie Marktanteile.

Ökohäuser im Angebot

Heute sieht sich die milliardenschwere Branche gar als Vorreiter beim ökologischen Bauen. „95 Prozent aller Fertighäuser sind mittlerweile Niedrigenergiehäuser, kommen also mit weniger als drei Litern Heizöl pro Quadratmeter aus", sagt Rudolf Sellhorst vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF). Viele Fertighaushersteller haben zudem spezielle Ökohäuser im Angebot. Und dass ein Fertighaus an einem selbst gewählten Datum zum Festpreis geliefert und binnen weniger Tage montiert werden kann, macht die Produkte für viele Bauherren attraktiv, insbesondere in den neuen Bundesländern. Hier wächst der Marktanteil am schnellsten und beträgt rund 17,4 Prozent.

Auf Ökologie setzt Haacke mit dem 191000 Euro teuren „Gesundheitshaus“. Reicht das Geld nicht, dann kann der Kunde das Haus selbst ausbauen. Damit liegt Haacke im Trend: Etwa ein Viertel aller von den Mitgliedsfirmen des BDF gebauten Fertighäuser waren im Jahr 2002 Ausbauhäuser, wobei die Käufer ein knappes Budget durch eigene Arbeiten wie Tapezieren ergänzen. Jährlich verlassen etwa 200 vorgefertigte Häuser, jedes auf vier Lastwagen verladen, die Werke in Potsdam und Celle. Auf der Baustelle geht es dann ganz schnell: Nach wenigen Stunden sind die Teile zusammengefügt, das Dach ist dicht. Nach weiteren acht Wochen, wenn auch Installateure und Fliesenleger, Teppichverleger und Maler ihre Arbeit getan haben, kann der Käufer einziehen.

Um neue Kunden zu gewinnen, bieten die Hersteller modische Produkte für jeden Geschmack: Putzige Landhäuschen mit vorgesetztem Pseudo-Fachwerk, wuchtige Blockhäuser, unauffällige Satteldach-Modelle mit Erkern und Wintergärten, aber auch kühne Entwürfe mit modernen Glasfronten, leuchtenden Farben und auffälligen Solardächern. Gemeinsam ist fast allen Modellen: Sie sind aus Holz – auch wenn man es ihnen nicht immer ansieht.

Allerdings liegen die Preise kaum noch unter denen eines Massivhauses: Ein Fertighaus der Firma „Haas“ mit 133 Quadratmetern Wohnfläche kostet bezugsfertig 189000 Euro ab Oberkante Keller oder Bodenplatte. Eine Bodenplatte kostet Euro extra. Als Richtwert für den Bau eines Hauses gelten Kosten von etwa 1000 Euro pro Quadratmeter – sowohl für Massivhäuser als auch für Fertighäuser, wie sie andere große Hersteller wie Hanse, Hebel, Okal, Streif oder Weber im Programm haben. Das sagt jedoch noch nicht viel aus, denn große Unterschiede ergeben sich durch die Ausstattung der Häuser: Ein Keller, Erker und Gauben, Wintergärten, höherwertige Baumaterialien und Ausstattungen schlagen teuer zu Buche und können den Quadratmeterpreis schnell auf 2000 Euro ansteigen lassen.

Sind Fertighäuser eine Alternative zu Massivhäusern? Wolfgang Voigt, Geschäftsfeldleiter des Technischen Überwachungs-Vereins (TüV) und zuständig für die Überwachung der Bautechnik in den neuen Ländern, sagt: „Die Vorurteile gegenüber Fertighäusern sind überholt. Allenfalls das Raumklima ist in Massivhäusern noch ein wenig besser.“ Das mag daran liegen, dass ein Mauerwerk mehr Raumfeuchtigkeit aufnehme als die hochgedämmten Holztafeln im Fertigbau.

Fristgerechte Lieferung

Niedrigenergiestandard erreichen Fertigbauten wie Massivhäuser für den gleichen Preis. Im Vorteil sind Fertighäuser jedoch wegen der Bequemlichkeit: Der Verkäufer kümmert sich um alles und drückt dem Erwerber am Ende den Schlüssel in die Hand. Preis und Datum der Fertigstellung werden vorher festgelegt. Die Qualität ist standardisiert und wird ständig überwacht .

Nur mit der Individualität ist es immer noch so eine Sache: Ein frei stehendes Architektenhaus kann der Bauherr im Rahmen der Bauvorschriften selbst gestalten. Doch das kommt teuer. Daher sieht die Realität des deutschen Bauens anders aus. Reihenhausanlagen und Doppelhaushälften prägen den Markt. Zwar handelt es sich hierbei meistens um massiv gebaute Ziegelhäuser. Doch bis auf kleine Unterschiede in der Farbe, der Fassade und der Anordnung der Fenster stehen sie oft zum Verwechseln ähnlich zu Dutzenden in Wohnparks nebeneinander. „In mancher Siedlung habe ich die Orientierung verloren“, sagt TüV-Mann Wolfgang Voigt.

Allerdings leben auch Fertighaushersteller davon, dass sie rationell bauen, was nur durch Massenfertigung und Typisierung möglich ist. Ein kleiner Trost ist es da, dass sogar bei den frei stehenden Architektenhäusern oft wiederkehrende Grundtypen variiert werden – aus Kostengründen.

Wer sich für ein Fertighaus entscheidet, sollte vor dem Vertragsabschluss darauf achten, wie viel Erfahrung ein Unternehmen mit dem Bau von Fertighäusern hat – damit eine Firmenpleite ihn nicht gleich mit ins Unglück reißt. Vorsicht ist geboten bei Dumping-Angeboten: Wird das ganze Haus für nur 99000 Euro angeboten, dann berechnen die Verkäufer schon kleine Sonderwünsche des Kunden oft sehr teuer.

Keinesfalls sollte man sich von den Musterhäusern täuschen lassen: Sie sind meistens viel besser ausgestattet und in der Regel sogar größer als die Standardausführung des gleichen Modells. Genauestens sollte man sich daher im Kaufvertrag bestätigen lassen, welche Leistungen im Preis enthalten sind. Wer auf ökologische Bauweise Wert legt, kann sich am „BUND-Jahrbuch“ (siehe Kasten) orientieren.

Für den ökologischen Fertighausbau ist Berlin noch Entwicklungsland. Im Fertighaus-Musterpark bei Königs Wusterhausen ist kein einziges zu besichtigen. Das innovative bayerische Unternehmen „Baufritz“ liefert keine Häuser nach Berlin – aus ökologischen Gründen. Die langen Transportwege würden die Umwelt zu stark belasten. Daher gibt es sie nur im Umkreis von 300 Kilometern der Stadt Erkheim.

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