Interview zur Serie : „Bezahlbaren Wohnraum schaffen“

Ephraim Gothe ist Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Berlin-Mitte. Mit ihm sprach Christian Hunziker.

Herr Gothe, derzeit werden im Altbezirk Mitte auffällig viele Wohnungsbauprojekte im gehobenen Bereich realisiert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Wir freuen uns über hochwertigen Wohnungsbau. Aber es ist eine einseitige Entwicklung. Als Stadt müssen wir darüber nachdenken, wie wir zu Modellen finden können, mit denen sich auch andere Segmente bedienen lassen – und damit meine ich nicht in erster Linie Baugruppen. Das Problem liegt ja darin, dass die Baukosten so hoch sind, dass sich für Investoren nur hochwertige Wohnungen rechnen. Wir müssen uns also fragen, wie wir es erreichen können, dass Genossenschaften und städtische Wohnungsbaugesellschaften wieder Wohnraum schaffen, der für breite Schichten der Bevölkerung bezahlbar ist.

Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat in Mitte
Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat in Mittepromo

In diesem Punkt ist Ihr Spielraum als Bezirksstadtrat aber eingeschränkt.

Wir haben durchaus Möglichkeiten. So haben wir es erreicht, dass die Wohnungsbaugenossenschaft Berolina in den nächsten Jahren in der Luisenstadt Wohnungen bauen wird. Auf Grundstücken, die bereits jetzt der Berolina gehören, sollen im Rahmen einer Nachverdichtung etwa 150 Wohnungen entstehen. Darüber hinaus erhebe ich die politische Forderung, dass wir als Stadt städtische Grundstücke so verwerten, dass die städtischen Wohnungsbaugesellschaften darauf wieder Wohnungen errichten können. Das kann durchaus über den Liegenschaftsfonds erfolgen, aber zu anderen Konditionen als mit der Vorgabe, dem höchsten Gebot den Zuschlag zu erteilen.

Apropos Luisenstadt: Wie wird sich Ihrer Ansicht nach das Gebiet in der Nähe des ehemaligen Mauerstreifens in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich vermute, dass die Luisenstadt mit ihren zahlreichen Baulücken bald noch stärker in den Fokus von Bauherren geraten wird als bisher. Denn sie ist sehr zentral gelegen und wird sich zu einem attraktiven Wohnort entwickeln. In zehn Jahren wird sich die Luisenstadt gerade im Verlauf des Grenzstreifens stark verändert haben.

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