Immobilien : Investoren holen tief Loft

In Steglitz werden 70 Millionen Euro verbaut – dafür entstehen in den Mc Nair Barracks 291 Wohnungen im Stil trendiger Fabriketagen

Kerstin Heidecke

Diamonds are a girl’s best friend, sang Filmdiva Marilyn Monroe. Immobilien sind aber auch nicht schlecht. So passt es ganz gut, dass das neue Bauprojekt auf dem ehemaligen Telefunken-Gelände an der Goerzallee 190 „Monroe Park“ getauft wurde. Der Untertitel „Loftlife Zehlendorf“ ist zwar ein bisschen geschummelt – es geht ja um Lichterfelde in Steglitz –, macht aber doch mehr her.

Schließlich wird hier hochwertiges Wohnen verkauft. 70 Millionen Euro sollen bis 2009 investiert werden. Die Eigentümer, die S+P Real Estate GmbH und die US-Investmentbank Lehman Brothers, haben sich mit der Entwicklung des Kernareals der ehemaligen Mc Nair Barracks das zweitgrößte Flächendenkmal der Stadt vorgenommen – bis 1994 war hier das Quartier der amerikanischen Truppen. 46 000 Quadratmeter umfasst die campusartige Fläche mit der historischen Industriearchitektur und dem markanten Uhrenturm. Hans Hertlein, renommierter Architekt des frühen 20. Jahrhunderts, hatte 1937 den einstigen Stammsitz der Telefunkenwerke entworfen.

Baubeginn wird im kommenden Frühjahr sein. Auf 29 500 Quadratmetern entstehen 291 hochwertige Wohnungen in Etagen und Penthäusern sowie Erdgeschosswohnungen mit kleinen Gärten. 300 Kfz-Stellplätze sind größtenteils in Tiefgaragen vorgesehen. Die denkmalgeschützte Gebäudestruktur soll komplett erhalten werden. Noch strahlen die alten Bauteile den Charme abgewohnter Büros aus – aber der Abriss läuft schon.

Zielgruppe sind sowohl Kapitalanleger, die für drei bis fünf Millionen Euro einen Aufgang mit acht bis 15 Wohneinheiten erwerben wollen, wie auch Interessenten, die nur eine der zwischen 75 und 160 Quadratmeter großen Wohnungen kaufen möchten. 2000 bis 2900 Euro pro Quadratmeter müssen sie je nach Lage und Ausstattung ausgeben. Die Dr. Mörtzsch & Cie. Immobiliengesellschaft startet jetzt bereits mit der Vermarktung, wobei sie in erster Linie Kapitalanleger sucht, die gleich paketweise zuschlagen.

Für Baustadtrat Uwe Stäglin ein Grund zum Aufatmen: „Endlich passiert etwas auf dem Gelände, über das wir so lange diskutiert haben.“ Seit Abzug der amerikanischen Alliierten 1994 gab es etliche Nutzungspläne. Die Rentaco erwarb schließlich das zwölf Hektar große Gelände, um Wohnraum zu schaffen, allerdings musste das Unternehmen im Jahr 2001 Insolvenz anmelden. Die Schweriner „Neubau-Gruppe“ setzte den von der Rentaco begonnenen Ausbau in Lofts auf einem Teil des Areals fort. Im „Loftland“ sind inzwischen alle Wohnungen verkauft. 40 Familien wohnen bereits hier, müssen aber noch Geduld aufbringen, bis sie nicht mehr zwischen maroden Gebäuden und Baustelle leben müssen.

Das grüne Wohnumfeld soll Singles wie Paare und Familien anlocken. Spiel- und Sportplätze sollen als Gemeinschaftsflächen dienen, Promenaden, Baumhaine und Hecken Privatsphäre schaffen. „Die Bewohner können kommunizieren, müssen es aber nicht“, umreißt Udo Schloemer von der S + P das Konzept.

Die Gestaltung der vier Wohnwelten im Monroe Park erinnert an „Malen nach Zahlen“: Für bestimmte Images hat die Beratungsfirma Centacon die passende Ausstattungslinie entwickelt: Pure, Soho, Flow und Life. So richtet sich die Wohnwelt Pure an die Zielgruppe der modernen Performer – mit Philippe-Starck-Bad, schwarz-weißen Fliesen und weiß gekalktem Parkett. Eine junge Zielgruppe soll mit der Wohnwelt Life, dunklem Industrie-Eichenparkett und Mosaikfliesen im Bad gelockt werden. „Zielgruppen nach Lebensstilen zu definieren, ist nicht neu“, erklärt Michael Schmutzer von Centacon, „sondern von der Automobilindustrie abgeschaut.“

In drei Meter hohen Räumen und hinter breiten Fenstern sollen sich die künftigen Bewohner „beschützt fühlen und gleichzeitig einen großzügigen Ausblick haben“, sagt Architekt Sergei Tchoban, der zurzeit mit dem Bau des Federation-Towers in Moskau Schlagzeilen macht. Geht die Kalkulation der Investoren auf, würden in Phase zwei der Vermarktung viele Einheiten zur Miete offeriert – anvisiert sind Mieten zwischen 8,20 Euro und 9,60 Euro.

Bis es so weit ist, könnte Miss Monroe Gesellschaft aus Hollywood bekommen. Die Mittelallee des Wohnparks nämlich soll, so hat es die BVV beschlossen, zur Billy-Wilder-Promenade werden.

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