Investoren im Kaufrausch : Berliner Bürogebäude sind wieder gefragt

Das Neue Kranzler-Eck wechselte den Eigentümer. Auch weitere prominente Objekte stehen zum Verkauf.

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Verkauft. Das im Jahr 2000 eröffnete Ensemble Kranzler-Eck haben der norwegische Staatsfonds NBIM und der französische Versicherungskonzern Axa übernommen.
Verkauft. Das im Jahr 2000 eröffnete Ensemble Kranzler-Eck haben der norwegische Staatsfonds NBIM und der französische...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Für die Berliner Immobilienbranche ist die Krise weit weg. Das gilt nicht nur für die Eigentümer von Wohnungen, die sich – zum Leidwesen der Mieter – über teilweise stark steigende Mieten und Kaufpreise freuen. Auch verkaufswillige Besitzer von gewerblich genutzten Immobilien wie Bürogebäuden und Einkaufszentren haben derzeit gute Chancen, ihre Objekte zu einem ordentlichen Preis loszuwerden. „Der Berliner Investmentmarkt hat im Laufe des Jahres erheblich an Fahrt gewonnen“, sagt Jan Dohrwardt, Berliner Niederlassungsleiter des Maklerunternehmens BNP Paribas Real Estate.

Bestes Beispiel ist der jüngst bekannt gewordene Verkauf des Neuen Kranzler-Ecks. Die Royal Bank of Scotland veräußerte den im Jahr 2000 eröffneten Büro- und Einzelhandelskomplex am Kurfürstendamm an den norwegischen Staatsfonds NBIM und den französischen Versicherungskonzern Axa. Die Royal Bank of Scotland hatte das Ensemble wohl oder übel übernommen, nachdem der vorherige Eigentümer, ein Immobilienfonds der US-Investmentbank Morgan Stanley, in Schwierigkeiten geraten war.

Für Fabian Hüther, Investmentchef im Berliner Büro des Maklerunternehmens CBRE, ist die Transaktion nur ein Beispiel für die Attraktivität des Berliner Marktes: Fast jeder Immobilientypus – Bürogebäude, Hotels, Einkaufszentren – sei derzeit stark gefragt. Den Hauptgrund dafür sieht Hüther im „Yield Spread“. Übersetzt ist das die Differenz der Renditen: Während Anleger für deutsche Staatsanleihen derzeit nur etwas über ein Prozent bekommen, sind es bei Bürogebäuden in guten Lagen immerhin fünf Prozent. Deshalb, so Hüther, kaufen Investoren aus dem In- und Ausland derzeit fast alles, was der Markt hergibt: sowohl Immobilien mit Aufwertungspotenzial als auch „Premiumprodukte“, also gut vermietete, neuere Gebäude.

In letztere Kategorie gehören das Quartier 207 mit den Galeries Lafayette, das an den Versicherungskonzern Allianz ging, und das ebenfalls in der Friedrichstraße gelegene Rosmarin-Karree, das sich die Fondsgesellschaft Union Investment sicherte. Weitere spektakuläre Verkäufe sind laut Marktbeobachtern in nächster Zeit zu erwarten. So bestätigt CBRE-Experte Hüther, dass das KaDeWe zum Verkauf steht.

Bevor Freunde des gepflegten Einkaufens jetzt aber in Panik geraten: Die Verkaufsabsicht bezieht sich lediglich auf die Immobilie, die derzeit wie andere Karstadt-Gebäude dem Vermieterkonsortium Highstreet gehört. Der Betrieb des Luxuskaufhauses wäre nicht unmittelbar betroffen. Auf dem Markt sind auch das Quartier Potsdamer Platz, für das die Fondsgesellschaft SEB seit längerem einen neuen Eigentümer sucht, und das Kudamm-Karree, von dem sich der irische Eigentümer Ballymore Marktkreisen zufolge trennen will.

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