Immobilien : Kampf um Kamine: Schicht für den Schornsteinfeger Das Kehrmonopol fällt endgültig –

die Hausbesitzer tragen ab Januar die Verantwortung.

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Aufs Dach steigt Heiko Kirmis den Berlinern nur noch selten. An die 750 Grundstücke betreut der Schornsteinfeger in seinem Kehrbezirk im alten West-Stadtteil Charlottenburg. Viele heizen mit Gas, nur wenige haben noch einen Kamin. Der Job ist sauberer geworden – zum neuen Jahr wird er aber auch schwieriger.

Nach Post und Telekommunikation fällt jetzt das Monopol der Schornsteinfeger. 7740 Bezirksschornsteinfeger zählt der Bundesinnungsverband in Deutschland. Jeder von ihnen hat sein Territorium, in dem er bisher konkurrenzlos arbeiten durfte – seit 77 Jahren ohne Wettbewerb. Das verstoße gegen die Dienstleistungsfreiheit, befand die Europäische Union. Ab 1. Januar dürfen daher erstmals freie Kaminkehrer überall bestimmte Aufgaben in den Kellern und auf den Dächern übernehmen.

Auf Kirmis, der einen von 215 Berliner Schornsteinfeger-Betrieben leitet, kommt Wettbewerb zu. Gerade in der Großstadt dürften Hausbesitzer weniger an ihrem Kaminkehrer hängen als auf dem Land, wo der Kontakt persönlicher ist. Statistisch betrachtet besteht Deutschland aus 16 Bundesländern, aus 295 Landkreisen, 107 kreisfreien Städten – und 8070 Kehrbezirken. Silvester ist Schicht im Schacht. An die Stelle des allmächtigen Bezirksschornsteinfegers tritt ein Bezirksbevollmächtigter modernen Typs, der künftig die Oberaufsicht im Kehrbezirk zu führen hat. Für Hausbesitzer bedeutet das: einen ganzen Sack voll neuer Aufgaben.

Das Kaminkehren, das Abgasmessen und die Sicherheitsprüfungen an den Heizanlagen darf künftig jeder vornehmen, der die geforderte Qualifizierung nachweisen kann. Und mit dem Monopol auf die Kehrarbeiten im Bezirk fällt auch die alte Gebührenordnung weg – von 2013 an kann man den Schlotfeger frei auswählen und die Arbeitspreise können frei ausgehandelt werden. Künftig – das setzt aber eine Zusatzausbildung voraus – werden sich auch die Inhaber von Installationsbetrieben und Heizungsbauer in das Geschäft einmischen. Der „Schwarze Mann“ auf dem Dach wird also Konkurrenz im Blaumann bekommen.

Das wäre eine Ecke, an der man dann ein paar Euro sparen kann. Gerold Happ vom Hausbesitzerverband Haus&Grund rätselt noch, wie viel es sein wird – „es haben sich auf dem Markt noch keine Preise gebildet“, resümiert er. Bisher konnten die Bezirksschornsteinfegermeister für ein Einfamilienhaus im Jahr so zwischen 50 und 70 Euro an Gebühren abrechnen – die Kehrkräfte des neuen Typs „werden wohl mit den Preisen etwas darunter bleiben“, vermutet Happ. Vielleicht zehn, vielleicht 30 Prozent erwarten Optimisten. Hausbesitzern und Immobilien-Verwaltern fällt mit Jahresbeginn aber eine neue Aufgabe ins Haus – sie werden für die Sicherheitswartung der Heizungsanlage verantwortlich. Zunächst müssen sie prüfen, ob sie den Feuerstättenbescheid zur Hand haben. Dieser Bescheid ist das entscheidende Dokument für den Hausbesitzer.

Der Feuerstättenbescheid wird vom bisherigen Bezirksschornsteinfegermeister ausgestellt (ab 2013 heißt er „Bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger“) und sollte bis Ende 2012 für jede Heizungsanlage vorliegen. Der Preis für den Bescheid ist unterschiedlich je nach Bundesland und Haustyp und kann bis zu 40 Euro betragen. In den hiesigen Breiten kostet er für ein Einfamilienhaus mit zeitgemäßer Heizung um die 15 Euro.

Im Einzelnen listet der Feuerstättenbescheid die vorhandenen Heizungen und Kaminöfen und die dazugehörenden Abgasanlagen auf, er beschreibt die an der Heizung vorzunehmenden Wartungsarbeiten und Prüfungen. Und er legt den Zeitplan der Sicherheitschecks fest, der so verbindlich ist wie der Tüv-Termin fürs Auto – wer patzt, der bekommt Bußgeld-Ärger. In einem Schadenfall kann es auch zur Haftung und zu Ärger mit der Versicherung kommen.

Um alles richtig zu machen, müssen Hausbesitzer oder die Verwalter von Immobilienanlagen innerhalb der Prüffristen die vorgeschriebenen Arbeiten an den Heizungsanlagen durch einen geeigneten Fachbetrieb durchführen lassen. Diese Arbeiten werden auf einem Formblatt bestätigt, das dann zur Kontrolle an den Bezirksschornsteinfeger geht. Eine Option ist natürlich, alle Arbeiten an Heizung und Kamin wie bisher durch den „Schwarzen Mann“ durchführen zu lassen – dann bliebe alles in einer Hand.

Ob es bei diesen Preisen für den Feuerstättenbescheid bleiben wird, ist offen. Der Hauseigentümerverband Haus& Grund hat aus dem Bundeswirtschaftsministerium vernommen, dass eine Anhebung der Gebühren ansteht, um bis zu 50 Prozent. Haus&Grund-Präsident Rolf Kornemann liegt das quer im Magen. Denn die Beseitigung des Kehrmonopols soll zu geringeren Kosten für die Hauseigentümer führen. Jetzt dränge sich „der Verdacht auf, dass mögliche Einkommenseinbußen der Schornsteinfeger auf Kosten der Mieter und Eigentümer kompensiert werden sollen“, so Kornemann. Kassiert wird regelmäßig. Alle drei oder vier Jahre muss der Feuerstättenbescheid neu ausgestellt werden – denn: Die Bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger werden ab 2013 nur noch für eine Periode von sieben Jahren berufen und müssen in dieser Frist jede Heizungsanlage zwei Mal überprüfen. Das ergibt die rechnerische Gültigkeitsdauer der Bescheide von dreieinhalb Jahren.

Tatenlos müssen die Bezirksschornsteinfegermeister den Schwund ihrer Aufgaben nicht hinnehmen. Einige hundert Schornsteinfeger haben sich bereits, so meldet es die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, zu Energieberatern mit dem Schwerpunkt Ein- und Zweifamilienhäuser ausbilden lassen. Ein findiger Schlotfeger aus dem Raum Bremen verlegte sich sogar sich darauf, gebührenpflichtig Kaminholz auf den Feuchtegehalt zu prüfen – ein Mann vom Fach weiß, was am schlimmsten qualmt. (mit dpa)

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