Kampf um Zinsen : Alte Bausparverträge sind Kassenschlager

Bausparkassen nehmen bei übersparten Verträgen immer häufiger ihr Kündigungsrecht in Anspruch.

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Kleiner Trick, großes Geld. Damit die vereinbarte Sparsumme möglichst rasch erreicht wird, rechnen Bausparkassen vereinbarte Boni schon vor ihrer Fälligkeit dem Sparguthaben zu.
Kleiner Trick, großes Geld. Damit die vereinbarte Sparsumme möglichst rasch erreicht wird, rechnen Bausparkassen vereinbarte Boni...Foto: Oliver Berg/dpa

Selten kamen Bauherren preiswerter an Geld als zurzeit. Die Zinsen für Bauspardarlehen sind niedrig, die für Immobilienkredite ebenfalls. Vor diesem Hintergrund versuchen zahlreiche Bausparkassen nach Angaben von Verbraucherschützern derzeit, ihre Kunden aus alten Verträgen zu drängen: Häufig sind die vor Jahren vereinbarten Bausparzinsen höher als die Minizinsen, die für andere Geldanlagen derzeit gezahlt werden.

Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten kürzlich, dass allein die Bausparkasse Wüstenrot 15 000 Kunden den Vertrag gekündigt haben soll, weil ihr die Zinsen auf die Guthaben zu hoch seien. Die Verbraucherzentralen hätten aber auch Beschwerden von Kunden etwa der Aachener Bausparkasse oder BHW, berichtete das Blatt. Betroffen von den Kündigungen der Bausparkassen sind der Verbraucherzentrale zufolge vor allem Sparer, die ihre Einzahlungen gezielt gedrosselt oder ganz gestoppt haben, um von den vergleichsweise hohen Zinsen auf ihr bisheriges Guthaben länger zu profitieren. Wie reagieren Bausparkassen auf die Vorwürfe?

Das Unternehmen Wüstenrot & Württembergische AG bezeichnete das Vorgehen bei Übersparung der Verträge als „legitim“ und beruft sich auf einen Passus in seinen Allgemeinen Bausparbedingungen, wonach es Verträge kündigen kann, sobald Guthaben und Bonuszinsen die Bausparsumme übersteigen. Die von Verbraucherschützern kritisierte und vermeintliche Praxis einiger Bausparkassen, Kunden aus zugeteilten Altverträgen zu drängen, verfolge Wüstenrot nicht, erklärte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, Andrea Heyer, kritisiert, dass sich Bausparkassen gelegentlich einen Trick zueigen machen. Damit die vereinbarte Sparsumme möglichst rasch erreicht werde, würden vereinbarte Boni schon vor ihrer Fälligkeit dem Sparguthaben zugerechnet. „Ob die Bausparkasse aber mit dem vertraglich vereinbarten Bonus so umgehen kann, ist fraglich – zumindest wenn sich dies nicht eindeutig aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ergibt und anderen Aussagen der Bausparkasse widerspricht“, erklärte die Verbraucherschützerin Andrea Heyer gegenüber den Nachrichtenagentur AFP.

Wüstenrot hat nach Unternehmensangaben den Besitzern älterer Bausparverträge ein bis zum 30. September befristetes Angebot zu einem Tarifwechsel unterbreitet – „auf freiwilliger Basis“, wie Sprecher Dirk van Issem betont. Durch den Verzicht auf die sonst übliche Tarifwechselgebühr sei das Angebot besonders interessant. Bei Wüstenrot beträgt der Anteil von Altverträgen mit hohen Zinsen am gesamten Segment Bausparen nach eigenen Angaben rund zwanzig Prozent. Der Wüstenrot Bausparkasse entstehe dadurch eine jährliche Ergebnisbelastung von 100 Millionen Euro, sagte ein Sprecher. Angesichts eines Gesamtbestands von 3,6 Millionen Verträgen seien die gekündigten 15 000 Verträge eine sehr geringe Zahl.

Kündigt eine Bausparkasse einen voll besparten Vertrag, können Kunden sich kaum wehren. Es sei äußerst problematisch, etwas dagegen zu unternehmen, sagte Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen der Deutschen Presse-Agentur: „Die Bausparkassen kündigen die Verträge so, dass man die Kündigung in der Regel nicht angreifen kann.“ Sparer mit Altverträgen, die noch nicht voll bespart sind, sollten sich aber überlegen, ob sie weiter einzahlen. So könnten sie dasselbe Schicksal vermeiden.

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