Immobilien : Karibischer Zimt

Burghard Hein

DER ROTE PUNKT

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Die wissenschaftliche Neugierde hielt sich in Europa in Grenzen, als im 16. Jahrhundert das Kaneel (Canella winterana) in der Karibik entdeckt wurde. Der Zeit entsprechend stand das Interesse am wirtschaftlichen Nutzen dieses Baumes im Vordergrund – und ein Baum, dessen Rinde durch sein zimtähnliches Aroma auffiel und auch in manch anderer Hinsicht Ähnlichkeiten mit dem Zimt aufwies, gab dazu durchaus Anlass. Denn nicht zuletzt hatte die „Vereinigte Ostindische Kompanie“ 1636 ein Monopol auf den so begehrten Ceylon-Zimt durchgesetzt.

Man sprach beim Kaneel zur Unterscheidung auch gerne vom „Weißen Zimt“. Die natürliche Verbreitung dieses frostempfindlichen, bis 15 Meter hohen Baumes, greift von der Karibik nach Norden bis in das mittlere Florida und nach Westen wahrscheinlich bis zu den Anden. Seine lorbeerähnlichen, bis etwa 15 Zentimeter langen Blätter veranlassten Linné 1753 zur Bildung des Namens „Laurus winterana“. Im heute gültigen Namen „Canella winterana“ ist eine Eigenschaft der Rinde versteckt: Denn wenn diese geschält wird, rollt sie sich ein wie das Blatt einer Canna (Blumenrohr).

Der im Nutzpflanzenhaus (Haus C) inzwischen etwa vier Meter hohe Kaneel-Baum öffnet in den zahlreichen Blütenständen immer nur wenige der kaum einen Zentimeter großen, tiefroten bis violetten Blüten. An vorjährigen Blütenständen erkennt man noch einige der fast einen Zentimeter großen, matt purpurfarbenen Beeren.

Die reifen, süßlich schmeckenden Beeren werden in der Karibik gerne an Schweine verfüttert, um deren Fleisch ein besonderes Aroma zu geben. Unreif geerntet behalten die Beeren allerdings eine Schärfe, die zu dem englischen Namen „Pepper Cinnamon“ (Pfeffer-Zimt) geführt hat. So kommt es, dass sie als pfefferartiges Gewürz in der Karibik weit verbreitet sind.

In größerem Umfang wird die innere, nach Zimt duftende Schicht der Kaneel-Rinde in ihrer Heimat als Gewürz genutzt. Einem Export in großem Stil wurden allerdings Grenzen durch die geschmackliche Schärfe gesetzt. Außerdem verlor das preistreibende Monopol auf den Zimthandel seine Bedeutung gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Anbau des Ceylonesischen Zimtbaums (Cinnamomum zeylanicum) in den dort benachbarten Ländern.

Der Kaneel soll sogar von araukanischen Shamanen im chilenischen Andenraum sehr verehrt und seine Rinde in vielfältiger Weise verwendet werden. So weit südlich kommt der Kaneel jedoch nicht vor, so dass man hier am ehesten eine Verwechslung mit dem Namen „Wintera“ vermuten kann. Der Kaneel wird manchmal mit Arten der Gattung Wintera verwechselt, vermutlich, weil dieser Gattungsname den gleichen Ursprung hat wie das Epitheton „winterana“ im wissenschaftlichen Namen des Kaneels.

Die Ähnlichkeit der Namen kam übrigens durch ein Versehen Linnés zustande. Im Gegensatz zum Kaneel, dessen Rinde aromatisch ist, enthält die Wintera-Rinde Gerbstoffe und Eisenoxide. Sie wird in der Pharmazie verwendet.

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